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Dienstag, 20. Oktober 2026
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Geschrieben von Rolf Steinke am 06. November 2024
Aktuell

Willy Millowitsch, Hans-Joachim Kulenkampff, Heidi Kabel, Rudi Carrell, Lou van Burg, Uschi Nerke und Hugo Egon Balder – Erinnerungen an viele Jahre deutsche TV-Geschichte

Gemeinsam mit der ganzen Familie am Abend vor dem Fernseher sitzen - das war einmal üblich

Erste Fernsehgeneration (Fotos: Rolf Steinke)
Erste Fernsehgeneration (Fotos: Rolf Steinke)
Aus den USA importiert
Aus den USA importiert
Original Grammophon
Original Grammophon
Schellackplatten
Schellackplatten
VHS-Geräte
VHS-Geräte
TV-Geräte circa 2003
TV-Geräte circa 2003
Heutige Ansicht im Fachgeschäft Schönbach electronics mit Klaus-Peter Hilse
Heutige Ansicht im Fachgeschäft Schönbach electronics mit Klaus-Peter Hilse

Das heutige Fernsehprogramm bietet auf über 100 Kanälen eine große Vielfältigkeit an - meist Serienschwachsinn pur. Produktionen aus Amerika, Arztserien, gestellte Produktionen wie der Dschungelunsinn oder "Naked Survival" und ähnliches. Dokumentationen und Tiersendungen, die vorwiegend in den dritten Programmen laufen, entschädigen schon etwas und sind sehr wissenswert. Für Rückblicke in die Vergangenheit interessieren sich meist nur ältere Jahrgänge. Doch es ist schon sehr bemerkenswert, mal zu schauen, wie sich die Fernsehlandschaft in den letzten siebzig Jahren verändert hat.

Fernsehgeräte waren ein Luxus

1954 wurde die deutsche Nationalmannschaft in einem dramatischen Finale gegen Ungarn erstmals Weltmeister. Die Übertragung im Farbfernsehgerät konnten nur "besser betuchte Personen" im eigenen Heim erleben. Vorwiegend wurde im Radio die Reportage über das Endspiel verfolgt. Eine der besten Übertragungen lieferte Radiomoderator Herbert Zimmermann. „Toni, Toni – du bist ein Fußballgott", war eine seiner Aussagen zur Leistung von Torhüter Toni Turek bei der Reportage.

Familie saß am Samstagabend zusammen

Der Berichterstatter von LauterNEUES erinnert sich noch sehr gern an seine Kindheit. Meist wurde Samstag gebadet und dann wurde in der Familie der Abend am Fernseher verbracht. Ob Millowitsch-Theater, Heidi Kabel und Henry Vahl im Ohnsorg-Theater oder der goldene Schuss mit Lou van Burg. Es gab keine Alternative, denn ARD und ZDF und ein drittes Programm (Start 1965) waren die einzigen Programme.

Willy Brandt gab Startschuss

Auf der Funkausstellung 1967 in Berlin gab der damalige Bundeskanzler Willy Brandt den symbolischen Knopfdruck für den Start des Farbfernsehens in Deutschland. Aber es war eine Aufzeichnung.

Sensation  für die Jugend - der Beatclub von Radio Bremen

“In wenigen Sekunden beginnt die erste Show im deutschen Fernsehen, die nur für euch gemacht ist. Sie aber, meine Damen und Herren, die Sie Beat-Musik nicht mögen, bitten wir um Verständnis. Es ist eine Live-Sendung mit jungen Leuten, für junge Leute.“ So kündigte am 25.9.1965 der spätere Tagesschausprecher Wilhelm Wieben die erste Ausgabe des Beatclubs an.Bisher gab es keine Musiksendungen für Jugendliche im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Der Beatclub war bahnbrechend. Uschi Nerke sorgte in ihren Ankündigen für eine frische Note. Viele Weltstars begannen ihre Karriere im Beatclub, so auch zum Beispiel Jimi Hendrix. Meist trugen die männlichen Jugendlichen ein Sakko oder Anzug mit einer Krawatte, züchtig die Mädchen in Kleidern. Getrennt wurde vor den Bands getanzt. Besonders beliebt waren "Schmusesongs“, bei denen sich die Körper berührten.

Tutti Frutti - erotisches Programm

Es war kaum vorstellbar, dass im öffentlich-rechtlichen Fernsehen über Erotik berichtet, geschweige denn Filme darüber gezeigt werden. Doch der privat geführte Sender RTL zeigte in der Sendung "Tutti Frutti" mit Hugo Egon Balder erstmals Frauen oben ohne, die in anzüglichen Posen über den Bildschirm liefen.

DDR grenznah geschaut

Aber auch ein Blick in das ehemalige Programm der DDR lohnt sich. In der unmittelbaren Nähe der Grenze war dies möglich. Der Polizeiruf 110 schilderte ausgewählte Kriminalfälle, im schwarzen Kanal feuerte Karl-Eduard Schnitzler Hasssprüche gegen den Klassenfeind der BRD ab. Die großen Abendshows mit dem deutschen Fernsehballett, in denen viele Stars aus dem Westen auftraten, waren sehr aufwendig inszeniert.

Privatsender erobern die Fernsehlandschaft

Inzwischen ist in der Fernsehlandschaft ein Angebot entstanden, das eigentlich unübersehbar ist. Ob die vielen Arztserien oder diverse Serien aus den USA, meist ohne entsprechendes Niveau und einfach Schwachsinn der untersten Schublade. Finanziert durch Werbeeinnahmen und mit Werbeclips von Produzenten, die meinen, dass alle Zuschauer die erste Schulklasse nicht verlassen haben.

Vom Röhrenfernseher zum High-Tech-Gerät

Als sensationell kann man die Entwicklung des Fernsehers bezeichnen. Konnte der "Fernsehtechniker" von damals noch Röhren der Fernsehgeräte auswechseln, so werden heutige Geräte einfach entsorgt. Ist das Nachhaltigkeit?  Ein Besuch im Fachgeschäft Schönbach electronics in der Kneippstadt beim dort tätigen Angestellten Klaus-Peter Hilse bringt einige Erinnerungen. Auf dem Dachboden hat Hilse  noch ein original TV-Gerät aus den sechziger Jahren. Von seinem Onkel aus Amerika bekam er ein tragbares Fernsehgerät, aus dem Jahr 1967, das natürlich auf ein deutsches System umgerüstet werden musste. Auch ist er noch im Besitz eines Grammophons mit alten Schellackplatten aus dem Jahr 1908.


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