Geschrieben von ski am 14. Januar 2025
Neue Chefärztin bringt eine Erweiterung des Angebotsspektrums
Rheumatologin Anke Graß ist neue Chefärztin an der Klinik Dr. Muschinsky



Es ist gewissermaßen „Back to the roots“, wie Benjamin Muschinsky sagt: die Klinik Dr. Muschinsky, Fachklinik für Orthopädie und Schmerztherapie, hat jetzt auch wieder das Fachgebiet Rheumatologie im Behandlungsspektrum. Seit 2018 konnte die Bad Lauterberger Klinik den Bereich nicht mehr abdecken, da es keinen Rheumatologen gab. Doch das ändert sich jetzt, denn die neue Chefärztin des Akutkrankenhauses, Dipl.-Med. Anke Graß, ist nicht nur Orthopädin, sondern auch auf Rheumaerkrankungen spezialisiert. Ein echter Glücksfall, denn Rheumatologen sind hier in der Umgebung rar gesät: „Das hier ist wirklich ein weißer Fleck auf der Landkarte“, sagt Graß, die zuvor 19 Jahre in Bleicherode tätig war – und deren Patienten von weither kamen. Es gibt einfach zu wenige Rheumatologen – da ist sie sich mit Geschäftsführer Benjamin Muschinsky einig. Woran das liegt? „Das ist ein besonders aufwändiges Fachgebiet, bei dem man sich intensiv um den Patienten kümmert“, so Graß. Die Autoimmunerkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis kann man zudem behandeln, aber meist nicht ursächlich heilen. Doch die Behandlung und Überwachung muss dauerhaft erfolgen und ist mitunter sehr teuer. Mit modernen Medikamenten wie zum Beispiel Biologika (biotechnologisch hergestellten Eiweißstoffen) kann man aber heute den Zerstörungen der Gelenke durch die Entzündungsprozesse vorbeugen, die früher noch das Bild des Rheumakranken bestimmten. Zu unterscheiden ist die Autoimmunerkrankung Rheuma übrigens von der Gicht, die eine Stoffwechselstörung ist, auch wenn sie ähnliche Symptome hervorrufen kann.
Durch die Erweiterung des Angebots der Muschinsky-Klinik können nun Ärztinnen und Ärzte Patienten zur stationären Akutbehandlung einweisen, um dort nach ausführlicher Anamneseerhebung, Diagnostik mit Blutwerten, Ultraschall und röntgenologischer Diagnostik mit der Behandlung beginnen zu können. Gegebenenfalls kann sich eine Weiterbehandlung im Rehabereich der Klinik anschließen.
„Wir haben wieder eine weitere Fachrichtung dazugewonnen und passen auch unser Behandlungsspektrum weiter an“, freut sich Muschinsky. Derzeit ist noch keine ambulante Behandlung im Bereich Rheumatologie möglich, aber, wie der Geschäftsführer erklärt: „Unser Ziel ist es, auch eine Ermächtigungsambulanz zu erhalten“. Denn der Bedarf, da sind sich Muschinsky und Graß einig, der besteht auf jeden Fall.
Neben der Orthopädie und Rheumatologie hat Graß aber noch einen weiteren Schwerpunkt: die Osteologie, die sich mit Erkrankungen des Knochens befasst. Und davon ist die häufigste Erkrankung die Osteoporose, eine systemische Skeletterkrankung, bei der die Knochenmasse schwindet und das Risiko für Knochenbrüche steigt. Besonders Frauen ab den Wechseljahren, und ältere Personen sind betroffen. Aber man kann sie erkennen und behandeln – und, das liegt der Ärztin besonders am Herzen, man kann vor allem vorbeugen. Dabei gibt es mehrere Faktoren, inbesondere die Bewegung, die ausgewogenen Ernährung und die Versorgung mit Vitamin D. Die ist allerdings in unseren Breitengraden nicht so einfach, denn zum einen muss das Sonnenlicht für eine gewissen Zeit direkt auf die Haut treffen, damit der Körper Vitamin D bilden kann, andererseits ist direkte Sonneneinstrahlung bei zu langer Dauer wegen der UV-Strahlung schädlich: „Da schimpfen dann wieder die Hautärzte“, sagt Graß. Sie empfiehlt daher, vorbeugend 800-1000 I.E. (Einheiten) täglich zur Mahlzeit zu sich zu nehmen, als Nahrungsergänzung – und das Rauchen zu unterlassen.
Künftig möchte die Klinik Dr. Muschinsky wegen des großen Interesses auch wieder verstärkt Ärztevorträge für die Bürgerinnen und Bürger anbieten. Den ersten Vortrag wird die neue Chefärztin Anke Graß am Mittwoch, 29. Januar um 17 Uhr im Hotel Muschinsky zum Thema „Rheuma und Gicht“ halten.