Geschrieben von Förderverein Schloss Herzberg e.V. am 24. März 2025
Projekte und Baugeschichte rund um Schloss Herzberg
Mitgliederversammlung und Schlossvortrag

Beim Förderverein Schloss Herzberg standen auf seiner Mitgliederversammlung neben dem jährlichen Geschäfts- und Kassenbericht ergänzende Wahlen zum Vorstand auf der Tagesordnung. Der Verein konnte Herrn Bürgermeister Wagner auf der Versammlung herzlich begrüßen. Herr Wagner lobte in seinem Grußwort die guten Beziehungen zwischen Stadt und Förderverein. Es sei gut, einen Förderverein für das Schloss zu haben, der zum Beispiel mit Förderanträgen Mittel beschaffen kann, zu denen die Stadt keinen Zugang hat.
Die Position des/der zweiten Vorsitzenden war bei der letzten Vorstandswahl unbesetzt geblieben und ein Besitzer war aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden. Ein Beisitzer bzw. eine Beisitzerin konnte nicht gefunden werden. Als zweiter Vorsitzender wurde Bernd Schröder aus Herzberg einstimmig von der Versammlung gewählt. Weiter wurde Rainer Holzapfel als Kassenprüfer wiedergewählt.
In seinem Geschäftsbericht konnte der Vorsitzende Manfred Kirchner zahlreiche Aktivitäten des Vereins aufzeigen. Ein Schwerpunkt war ein LAEDER-Antrag des Vereins. Das Projekt „Auf Augenhöhe“ des Vereins ist als LAEDER-Projekt genehmigt und wird mit EU-Mitteln und einer Co-Finanzierung durch die Sparkassenstiftung gefördert. Dem Verein wird in diesem Projekt die Möglichkeit eröffnet, zur Bauarchitektur des Schlosses und des Schlossturms eine Ausstellung im Museum zu gestalten und zum Schlossmodell die Baugeschichte darzustellen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Vereinsarbeit lag auf dem Thema „Schlossgärten“. Hier hat der Verein in Zusammenarbeit mit Stadt, Land Niedersachsen, Amtsgericht, Staatsforsten, Landschaftsverband und Karstwanderweg einen Projektantrag im Programm „Aller.Land“ eingereicht, in dem ein Geschichtserlebnispfad von der Stadt über den Schlossberg geplant ist. Weiter wurde das Thema „Außenbühnen am Schloss“ mit in diesen Antrag aufgenommen. Hierzu wird über die Förderung im Juni dieses Jahres entschieden. Geschichtserlebnispfad und Außenbühnen werden aber auch unabhängig von der Förderung durch den Verein vorangetrieben, so Manfred Kirchner.
Da die Förderung der Schlosskonzerte ausgelaufen ist, sucht der Verein neue Wege, Schloss Herzberg weiter als kulturellen Mittelpunkt und Leuchtturm der Region zu präsentieren. Hierzu haben in letzter Zeit verschiedene Gespräche stattgefunden. Ein Konzept wird zurzeit mit Unterstützung eines engagierten Vereinsmitgliedes erarbeitet. Ein weiteres Thema war im Geschäftsbericht der Internetauftritt des Vereins. Hier sucht der Verein für die Betreuung und Gestaltung noch eine Verstärkung. Aber auch Unterstützung durch die Mitglieder bei anderen Themen, zum Beispiel beim Thema Kultur, wäre wünschenswert und hilfreich, so Manfred Kirchner. Schließlich biete sich durch Mitarbeit im Verein die Chance, mitzugestalten.
Der Schatzmeister des Vereins, Marco Diedrich, konnte einen positiven Jahresabschluss präsentieren, der es dem Verein erlaubt, in Projekte wie das LAEDER-Projekt oder das Projekt zu den Schlossgärten zu investieren. Die Mitgliederentwicklung war im vergangenen Jahr stabil, so der Schatzmeister. Dem Vorstand wurde von der Versammlung Entlastung erteilt.
Im Anschluss an die Mitgliederversammlung ging Manfred Kirchner in einem Vortrag zur Baugeschichte auf die Rolle des Schlosses Herzberg um das Jahr 1800 ein. Bei Sichtung von Akten zur Bauforschung wurde deutlich, dass ab etwa 1750 die Rolle des Schlosses als fürstliche Residenz aufgegeben und das Schloss neben dem Sitz des Amtes Herzberg in eine wirtschaftliche Nutzung überführt wurde. Der Gedanke, das Schloss als Staatsgefängnis einzurichten, wurde verworfen und stattdessen ein Großteil des Schlosses zum Kornmagazin umgebaut.
Spannend an der Baugeschichte ist, so Kirchner, dass nachhaltig umgebaut wurde. Ausgebaute Balken wurden an anderer Stelle wiederverwendet, Ziegelsteine von abgebrochenen Schornsteinen zum Ausmauern der Fachwerke und Fensteröffnungen genutzt, Schließlich mussten 115 Fenster und ca. 15 Innenwände entfernt werden. Die Statik des Sieberflügels wurde mit zusätzlichen Ständern, die im Inneren des Gebäudes eingezogen wurden, verstärkt. Dennoch kam es zu Rissen in den Säulen der Kellergewölbe, so dass die Säulen durch Stahlbänder zusätzlich gesichert wurden.
Insgesamt fand eine umfangreich Nutzungsänderung über alle Gebäudeteile statt. So wurde zum Beispiel die Schlosskapelle ein Pferdestall. An anderer Stelle ist in den Bauforschungsakten von unerwarteten größeren Bauschäden die Rede und hier besteht wohl eine Parallele zu den heutigen Sanierungsarbeiten. Um 1850 wurde das Kornmagazin auf Schloss Herzberg wieder aufgegeben, nachdem das Amtsgericht Herzberg 1852 gegründet wurde und zusätzlicher Raumbedarf entstand. Auch diese Nutzungsänderung hatte wieder umfangreiche Bauarbeiten ausgelöst, mussten doch die Fenster wieder eingesetzt und Büroräume geschaffen werden.
Neben dem Kornmagazin im Schloss wurde um 1800 auch unterhalb des Schlosses beim Jägerhof ein großes Kornmagazin gebaut, dass aber nach 1860 wieder abgerissen wurde. Mit diesem Magazin sollte die Versorgung von St. Andreasberg mit Korn zu erschwinglichen Preisen gesichert werden. Heute befindet sich an der Stelle des Kornmagazins ein Umspannwerk der Harz-Energie. Der Jägerhof, vielen älteren Herzbergern noch als Forsthaus bekannt, wurde 1970 abgerissen.
Der Förderverein wird weiter interessante Vorträge zur Geschichte und Baugeschichte des Schlosses anbieten und Baustellenführung durchführen, soweit es die Bauarbeiten erlauben, so Manfred Kirchner.