Geschrieben von Boris Janssen am 20. Juni 2014
Die stillen Kanonen der Burg Scharzfels
Als Symbol gedacht: ArGe Burgruine Scharzfels will an einstige Funktion der Festung erinnern






Akustisch sind sie etwas enttäuschend, die neuen Kanonen der Burg Scharzfels. Statt sattem Donnersound lassen sie sich allenfalls ein dünnes metallisches „Klong“ entlocken. Oder wie es Firouz Vladi von der ArGe Burgruine Scharzfels formulierte: „Die machen nur ,Bumm‘, wenn sie umfallen.“ Damit freilich ist nicht zu rechnen, denn die Arbeitsgemeinschaft hat die eher zweidimensionalen Gebilde ordentlich verankert, bevor sie sie am Donnerstag (19.06.2014) offiziell einweihte – in aller Stille sozusagen.
Optisch dagegen sollen die zwei stilisierten Kanonen aus Stahlblech deutlich machen, welche Funktion die Burg dereinst hatte: nämlich die Heimat zu verteidigen. „Man könnte ja jetzt sagen, das ist Spielkram“, gesteht Vladi. Aber man könne die Kanonen auch als eine Art Gedenktafeln sehen für die vierzig tapferen kurhannöverschen Artilleristen, die anno 1761 während des Siebenjährigen Krieges mit ihren zehn soliden Geschützen der feindlichen französischen Übermacht zehn Tage Widerstand geleistet haben. Rund um die Uhr wurde geschossen. Dann ging ihnen die Munition aus und sie mussten kapitulieren. Die Franzosen nahmen die Festung ein und sprengten sie – die Burg Scharzfels war Geschichte.
Hoffen auf die Uni Göttingen
Eine weitgehend namenlose Geschichte im Übrigen. Und das würde die ArGe gerne ändern. Sie hofft, die Uni Göttingen dafür gewinnen zu können, an und zu der ehemaligen Burg Scharzfels zu forschen, dieses spannende, weitreichende Untersuchungsfeld zu beackern. Vielleicht ließen sich dabei auch die Namen der Verteidiger ermitteln, um ihrer persönlich Gedenken zu können. „So etwas gibt es hier in der Gegend ja fast nur zu den Weltkriegen“, so Vladi. „Alles davor ist bloß noch Historie – ohne Namen.“
Vielleicht ließe sich durch Forschung aber auch nachvollziehen, wohin die echten Kanonen damals verschwunden sind. Haben die Franzosen sie versteckt, eingeschmolzen oder mitgenommen? Lässt sich gar noch ein Original auftreiben, das man zurückholen könnte? Oder wäre zumindest die Rekonstruktion einer Kanone möglich? Die ArGe hat noch viel vor. Die nun von der Hattorfer Firma Kirchner Maschinen- und Apparatebau gespendeten Geschütze sind da eher als Symbol zu sehen.
Burgfest am 10. August
Natürlich steht dieses Jahr auch noch ganz Konkretes auf dem Terminplan der ArGe. Am 10. August soll wieder ein großes Burgfest gefeiert werden, gerne wie im Vorjahr mit echten Kanonenböllern. Und im Herbst soll eine Gedenktafel für die berühmte Gefangene Eleonore von dem Knesebeck angebracht werden – irgendwann um den Jahrestag ihrer spektakulären Flucht (5. November 1697).
Tropfen im trockenen Brunnenhaus
Außerdem hat die ArGe der Burgruine bereits eine weitere kleine Sehenswürdigkeit spendiert, um die Geschichte ein wenig erlebbarer zu machen: Wer jetzt einen Blick durchs Gitter in das Brunnenhaus wirft, löst den Bewegungsmelder aus. Im tiefen Brunnenschacht geht das Licht an. Und obwohl der Schacht unten mit Schutt verfüllt und daher trocken ist, ist ein lautes Tropfen zu vernehmen. Damit wird jedem auch ohne Erklärung klar, um was es sich hier handelt – akustisch überzeugend.