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Geschrieben von Gordy am 05. Juli 2014
Aktuell

Das allerletzte Mal

Nach dieser Entlassfeier ist die Lutterbergschule Geschichte

Zum letzten Mal ein Gruppenfoto unter dem "Baum der Erkenntnis"
Zum letzten Mal ein Gruppenfoto unter dem "Baum der Erkenntnis"
Das Instrumentalensemble der Schule
Das Instrumentalensemble der Schule
Lea Freistein intonierte den Oldie "Sugar, Sugar" auf ihrer Trompete
Lea Freistein intonierte den Oldie "Sugar, Sugar" auf ihrer Trompete
Ein nachdenklicher, etwas wehmütiger aber keinesfalls mutloser Schulleiter Martin Struck
Ein nachdenklicher, etwas wehmütiger aber keinesfalls mutloser Schulleiter Martin Struck
Thomas Gans überreichte in Vertretung des Landkreises einen Gutschein an Deborah Vorjohann
Thomas Gans überreichte in Vertretung des Landkreises einen Gutschein an Deborah Vorjohann
Colin Egginton dankt Lehrerin Steffi Jakunowski und Lehrer Holger Thiesmeyer
Colin Egginton dankt Lehrerin Steffi Jakunowski und Lehrer Holger Thiesmeyer
Ganz am Schluss noch einmal ein blumiges Dankeschön von Martin Struck an Rita Vorjohann
Ganz am Schluss noch einmal ein blumiges Dankeschön von Martin Struck an Rita Vorjohann
Ebenso an Ulrich Schatz (stellvertr. Vorsitzender des Förderervereins)
Ebenso an Ulrich Schatz (stellvertr. Vorsitzender des Förderervereins)


Am Donnerstag (3.7.14) war für viele Schülerinnen und Schüler der Lutterbergschule ihr lang ersehnter „letzter Schultag“ gekommen. Ein Ereignis, dass man bisher in jedem Jahr vor den Sommerferien in der Aula mit der obligatorischen Entlassfeier gewürdigt hatte. Leider – und man kann da nur „leider“ sagen – hatte Schulleiter Martin Struck diesmal nicht nur die Aufgabe, einen Abschlussjahrgang zu entlassen sondern gleich die ganze Lutterbergschule aufzulösen. Unter dem Begriff „Inklusion“ wurde von ganz oben festgelegt und beschlossen: Förderschule ist „out“, Inklusion ist „in“. Ob das letztendlich eine so gute Entscheidung war bleibt vorerst dahingestellt. Der Sachverhalt an sich wird aber wohl auch weiterhin noch viele Diskussionspunkte liefern. Vielleicht funktioniert der Plan ja besser, als man befürchtet – wenn nicht, nun ja, dann kehrt man in ein paar Jährchen wohl wieder zum Altbewährten zurück.
Bereits 110 Jahre sei es her, dass die Bad Lauterberger Lehrerin Fräulein Luise von Wehren den Auftrag erhielt, in der „Lauterberger Knaben- und Mädchenschule“ eine Nachhilfeklasse für sogenannte „unbegabte Kinder“ einzurichten und zu leiten, referierte Schulleiter Struck. Dies sei quasi die Geburtsstunde für das kommende Jahrhundert Sonderpädagogik – natürlich nicht nur in Lauterberg – gewesen. So habe sich im Laufe der Jahrzehnte aus der damaligen „Abschiebeklasse“ eine Förderschule entwickelt, die eine der diesjährigen Entlassschülerinnen ganz überzeugt als „Mut-Mach-Schule“ bezeichnet habe. Nichts anderes wolle man hier an der Lutterbergschule sein, so Struck weiter, auch wenn sowohl wissenschaftlich, wie auch politisch unkorrekt immer wieder in den Raum gestellt würde: „Die Existenz der Förderschule sei Ursache der niedrigen Abschlussquote der Förderschüler.“ Durch die bloße Wiederholung, so Strucks Meinung, würde aus dieser Unwahrheit nicht plötzlich die reine Wahrheit, denn allein durch die Abschaffung der Förderschule beende man nicht die Ausgrenzung langsamer oder anders Lernender durch die Mitschüler und Elternschaft.
Struck begrüßte zu dieser ultimativ letzten Entlassfeier neben Schülern und Eltern auch viele Gäste, darunter der KGS-Schulleiter Rainer Jacobi, der Schulleiter der Grundschule am Hausberg Hermann Waßmann, der Leiter des Polizeikommissariats Bad Lauterberg Michael Geyer, Hans-Joachim Müller von der Sparkasse Osterode am Harz, Rita Vorjohann als vorsitzende des Förderervereins der Lutterbergschule, Bürgermeister Dr. Thomas Gans als Vertreter des Landkreises Osterode, sowie viele ehemalige Kolleginnen und Kollegen. Auch diesmal fand er, wenn auch etwas wehmütig gestimmt, wieder die passenden Worte und gute Wünsche, die er den Schülern mit auf den Weg ins Leben geben konnte.
Im Namen des Landkreises überreichte Bürgermeister Dr. Gans einen Büchergutschein an die Schülerin Deborah Vorjohann als Anerkennung für deren vorbildliches Sozialverhalten.
Es folgten noch Worte und Zukunftswünsche von der Förderervereinsvorsitzenden Rita Vorjohann, bevor, als Sprecher für die Schüler, Colin Egginton und Fabienne Walther neben einigen Erinnerungen an die Schulzeit auch Dankesworte für ihre Lehrer/innen fanden.
Die kleine Ansprache von Rita Vorjohann wird allen bestimmt noch lange in Erinnerung bleiben. Hinsichtlich der momentan ausgetragene Fußball-Weltmeisterschaft zog sie interessante Parallelen zwischen dem bevorstehenden Berufsleben und dem der Fußballer. Das Trainingslager war dabei natürlich die Lutterbergschule in dem die Lehrer den Masterplan für die Schüler/innen erstellen würden, genauso wie es Bundestrainer Jogi Löw für seine Spieler tut. Es ginge darum, am Ball zu bleiben, den Spielzug zu Ende zu bringen und den Anschluss nicht zu verlieren.
Die bloße Existenz der Lutterbergschule, so Schulleiter Struck, habe es diesmal allerdings auch nicht verhindern können, dass von 14 Hauptschülern die Hälfte den Hauptschulabschluss nicht erreicht haben. Eine Erfolgsquote von 50% sei aber nun auch nicht unbedingt negativ anzusehen. 9 Schülerinnen und Schüler werden den Anlauf zum Hauptschulabschluss im nächsten Jahr in der an der Wartbergschule geführten Klasse 10 nehmen. 13 gehen an die BBS mit einem Förderschulabschluss und lediglich 3 mussten ohne jedes Abschlusszeugnis entlassen werden.
Durch die Abschlussfeier und das bunte, mit den Schülern eingeprobte Rahmenprogramm führte, wie auch in den Vorjahren, Musiklehrer Walter Ziegler mit seiner typischen charmant unterhaltsamen Moderation. Zum Schluss gab es wieder ein tolles Buffet, zubereitet von den Schülerinnen und Schülern des „Schülerfirma-Projekts“ unter der ehrenamtlichen Leitung ihrer ehemaligen Lehrerin Inge Holzigel.
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