Geschrieben von Boris Janssen am 14. Juli 2014
Eine Friedenstaube im Rucksack
KGS-Projektwoche zum Thema Menschenrechte – Zeitzeugen zu Mauerfall und Brockenöffnung gesucht

Im vergangenen Jahr hat die Kooperative Gesamtschule (KGS) ihren 40. Geburtstag gefeiert. Fast genauso alt ist die alljährliche Projektwoche. Zeit, die beliebte Tradition ein wenig zu reformieren. Deshalb findet sie in diesem Jahr in der letzten kompletten Woche vor den Schulferien statt, in der die Zeugnisse ohnehin schon geschrieben sind – also vom 21. bis zum 24. Juli. Die wichtigste Neuerung aber ist: Es gibt ein Oberthema. In diesem Jahr lautet es „Menschenrechte“, aus Anlass des 25. Jahrestages des Mauerfalls.
Das ambitionierteste Einzelprojekt ist zugleich mit körperlichem Einsatz verbunden. Lehrerin Susanne Rathing-Hundertmark und Schüler der Jahrgänge 8 bis 10 möchten eine mehrtägige Etappenwanderung zum Brocken machen. Das Tor zum damaligen militärischen Sperrgebiet öffnete sich am 3. Dezember 1989. Seit dem Folgetag ist der höchste Gipfel des Harzes wieder für alle Menschen zugänglich. Ein Sieg für die Freiheit – eines der wichtigsten Menschenrechte.
Symbolischer Höhepunkt: Friedenstaube auf dem Brocken
Damit die Wanderung aber nicht nur einen geografischen Höhepunkt hat, sondern auch einen symbolischen, möchten die Schüler die derzeit an der KGS Halt machende Friedenstaube des Künstlers Richard Hillinger mit auf den Brocken nehmen und sie dort einer anderen Schule aus Thüringen oder Sachsen-Anhalt übergeben. Hillinger hatte zum 60. Jahrestag der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte der Vereinten Nationen (10. Dezember 2008) dreißig goldfarbene Tauben in Lebensgröße geschaffen – je eine für jeden Artikel der Menschenrechtserklärung. Seither „fliegen“ die Friedenstauben im Einsatz für die Menschenrechte um die ganze Welt, sie waren auch schon bei Bundeskanzlerin Angela Merkel und bei Papst Benedikt XVI. Derzeit macht eine von ihnen an der KGS Station, aber natürlich soll ihre Reise weitergehen – am liebsten eben vom Brocken aus.
Die letzte Etappe der Wanderung soll am Mittwoch (23.07.2014) irgendwann morgens in Königskrug starten. Bürgermeister Dr. Thomas Gans wird trotz Badejubiläums versuchen, mitzuwandern. Definitiv dabei ist ein Nationalpark-Ranger aus Ilsenburg, der zugleich Zeitzeuge des „Mauerfalls“ auf dem Brocken ist und sicher einiges Spannendes erzählen wird.
Aus Rathing-Hundertmarks eigener Klasse 8H2 laufen Gianmarc Klinkhammer und Eric Cies mit. Gianmarc hat sich mit dem Thema bereits im Kunstunterricht beschäftigt, deswegen weiß er schon gut, worum es hier geht. Eric findet: „Der Brocken ist schön und die Taube etwas sehr Seltenes. Das passt einfach, wenn die da oben ist.“ Der etwas ältere Jonny Krüger dagegen kennt die schicksalhaften Monate Ende 1989 bereits aus dem Geschichtsunterricht und wird sie sich nun auf andere Weise erarbeiten.
Erlebnisse und Gefühle: Zeitzeugen gesucht
Damit die Schüler – und natürlich auch die Erwachsenen – viele spannende, interessante und lebhafte Eindrücke von den Tagen des Umbruchs bekommen, sucht die KGS noch Zeitzeugen, die ihre Erlebnisse und Gefühle von damals gerne weitergeben möchten. Wer damals selbst auf dem Brocken forderte „Macht das Tor auf!“, wer an Montagsdemonstrationen teilgenommen hat oder wer erzählen möchte, was er in diesen Tagen auf der einen oder auch anderen Seite des Eisernen Vorhangs dachte oder hoffte, ist willkommen, an der Projektwoche aktiv teilzunehmen. Sei es nun als Wanderer oder in der Schule selbst. Für die beliebte öffentliche Präsentation zur Projektwoche – diesmal am Donnerstag (24.07.2014) von 16 bis 18 Uhr – gibt es zum Beispiel auch die Idee für ein „Erzähl-Café“. Interessierte Zeitzeugen können sich im Sekretariat der KGS melden unter Telefon 05524 / 85 210.