Ein Hotel mit Geschichte – und besonderen Geschichten
Das Hotel Riemann feiert in diesem Jahr sein 120-jähriges Bestehen



Seit 120 Jahren gehört das Hotel Riemann zum festen Bestandteil des touristischen Angebots in Bad Lauterberg – ein Jubiläum, das dieses Jahr mit vielen Aktionen gefeiert werden wird.
Zu sagen, dass das Haus eine lange Tradition hat, ist dabei fast noch eine Untertreibung: „Uns als Hotel Riemann gibt es ja schon so lange wie Foto Lindenberg, die Buchhandlung Moller und Schwickert – wir sind sozusagen die Dinosaurier in Bad Lauterberg“, lacht Andrea Riemann. Bevor das Gebäude an der Sebastian-Kneipp-Promenade 1 zum Hotel wurde, war es aber zunächst ab 1811 als Schützenhaus erbaut worden. Schon bald übernahmen die Schützenwirte dort auch die Gastronomie. Als August Riemann, der Urgroßvater der heutigen Inhaberin Andrea Riemann, das Gebäude 1906 kaufte, hieß es noch Hotel Schützenhaus. Mit seiner Ehefrau Marie, geb. Steinecke, baute er den gastronomischen Betrieb kräftig aus und ergänzte u.a. eine Kegelbahn. Im ersten Weltkrieg diente das Haus zwischenzeitlich als Lazarett, am Ende des zweiten Weltkriegs wurde es von den amerikanischen Besatzungsmächten beschlagnahmt. Doch Elfriede und Willi Riemann, die das Haus in der zweiten Generation führten, führten das Haus mit großem Einsatz weiter und investierten in die Zukunft mit einer Zentralheizung, neuen Gästezimmern und Speisezimmer. In der dritten Generation wurde es ab den späten 1960er Jahren von Siegmar und Ingrid Riemann übernommen und ein neuer Gästetrakt mit 15 Zimmern, alle mit Dusche, WC und Balkon angebaut.
Inzwischen führt Andrea Riemann das Hotel und Restaurant mit 19 Zimmern, zusätzlich drei Ferienwohnungen und mehreren Gaststuben. Als echtes, familiengeführtes Traditionshotel hat sie zahlreiche Stammgäste: „Manche Gäste kommen über Jahrzehnte immer wieder, da freut man sich natürlich immer besonders“. Ebenfalls schon eine jahrzehntelange Tradition sind zahlreiche Stammtische, die sich hier treffen, unter anderem der Rotary- und der Lions-Club. Über all die Jahre waren natürlich auch schon einige Stars und Sternchen im Hotel zu Gast, wovon Fotos und signierten Autogrammkarten an der Wand zeugen: zum Beispiel Rex Gildo, ein noch ganz junger Peter Maffay, Gunter Emmerlich und Toto (von Toto & Harry – Die zwei vom Polizeirevier).
Babys, Ponys und Fehldiagnosen: was über die Jahrzehnte alles im Hotel passieren kann
Wenn ein Haus schon so lange besteht, dann gibt es natürlich auch das ein oder andere zu erzählen: so hatte beispielsweise in den sittenstrengen 1960ern eine junges Lehrmädchen, das etwas mollig war, aus Angst vor ihren Eltern eine Schwangerschaft die ganze Zeit über verheimlicht. Schließlich hatte sie das Baby im Hotel in einer Gästetoilette bekommen. Von einem anderen Lehrmädchen war das schreiende Baby gehört und entdeckt worden. Durch die Vermittlung von Ingrid Riemann, die mit den Eltern der jungen Mutter sprach, gab es aber ein Happy-End. Das Lehrmädchen und ihre Eltern sprachen sich aus und sie kehrte mit dem Baby ins Elternhaus zurück.
Den Schreck ihres Lebens erlebte in den 50er Jahren eine Dame, die mit ihrer Mutter im Hotel zu Gast war. Sie ließ morgens einen Arzt rufen, weil es ihrer Mutter schlecht ging und sie sich nicht rührte. Der herbeigerufene Arzt stellte den Tod der Mutter fest und ließ sie wegbringen. Die völlig verstörte Tochter lief einige Stunden aufgeregt durch die Stadt, doch als sie mittags wieder ins Hotel kam, saß ihre Mutter vergnügt im Sessel – da hatte es sich wohl um eine krasse Fehldiagnose gehandelt.
Und in den 1970ern wurde am Stammtisch fleißig Skat gespielt, gefeiert und, nun ja, auch recht viel getrunken. Damals stand ein Pony im Hof, und die bierseligen Feierer kamen auf die Idee, das Pony aus keinem besonderen Grunde in die Gaststube zu holen. Das Pony wusste die neue Umgebung jedoch nicht zu schätzen und entschwand bald durch die Vordertür in die Freiheit. Die Reinigungsfrau hat sich jedoch am nächsten Tag gewundert, woher die Pferdeäpfel in der Bierstube kamen… Übrigens hat auch ein Wanderer mit seinem Esel einmal im Hotel Riemann genächtigt. Der Esel musste jedoch auch draußen im Hof bleiben. „Der schrie die ganze Nacht, und so ein Esel ist ganz schön laut“, erinnert sich Andrea Riemann.
Investitionen in die Zukunft
Die Bedingungen verändern sich, die Herausforderungen in der Gastronomie und Hotellerie bleiben. Daher investiert die Inhaberin laufend ins Haus, so wurden in den letzten Jahren unter anderem Dach und Fenster erneuert, die Küche, das Kaminzimmer und die Brockenstube renoviert. „Wir bieten mehr, als wir für ein Haus unserer Kategorie haben müssten“, sagt Andrea Riemann: „Wir sind ein 3-Sterne-Superior-Hotel, aber in vielen Bereichen bieten wir Leistungen, die darüber hinausgehen, und das in einer sehr persönlichen, familiären Atmosphäre.“ Am Herzen liegen ihr auch Umweltschutz und Nachhaltigkeit: „Wir betreiben schon seit 15 Jahren zwei kleine KWK-Blockheizkraftwerke, und sparen so 60 Tonnen CO2 pro Jahr“. Klar, dass auch eine Wallbox für die Elektroautos der Gäste zur Verfügung steht. Auch die Müllvermeidung liegt ihr am Herzen.
Derzeit sorgen 14 Mitarbeitende für das Wohl der Gäste. „Wir haben das Glück, dass viele Mitarbeiter schon sehr lange, teils seit Jahrzehnten, bei uns sind, in Küche, Service und Housekeeping“, erklärt die Inhaberin. Diese Zuverlässigkeit und Treue des Teams zum Hause Riemann schätzt sie besonders. Dem Fachkräftemangel in der Branche begegnet Andrea Riemann aber auch durch die Ausbildung von Azubis aus Vietnam, für deren Fleiß und Engagement sie voll des Lobes ist.
Ausblick in die Zukunft
Für die Zukunft des Hotels Riemann macht sie sich keine Sorgen: „In Bad Lauterberg ist die Welt noch in Ordnung, wir haben eine tolle Innenstadt, wir haben eine wunderschöne Umgebung, wir haben die Kirchbergtherme, das Vitamar und vielfältige Ausflugsziele im Ort.“ Neben den klassischen Wandertouristen kommen durch die zunehmende Beliebtheit von E-Bikes auch neue Gäste in den Harz: „Ich habe mir selbst auch ein E-Bike gekauft. Da kommt man jetzt an Stellen und Plätze hin, an denen man vorher noch nie gewesen ist“. Gewandelt hat sich aber auch, wie die Gäste überhaupt zum Hotel Riemann kommen: so wird heute viel über die Hotelportale im Internet gebucht, die Vermittlung durch die Tourist-Info wird seltener genutzt. Wer aber einmal hier war, bucht auch häufig direkt den nächsten Aufenthalt.
Weil der Harz neben der großartigen Natur so viele verschiedene Attraktionen und Erlebnisse bietet, ist er eine interessante Urlaubsdestination für alle Generationen, ist Andrea Riemann sicher. Auch in Zukunft gilt jedoch: „Man darf nicht stehenbleiben, man muss immer dranbleiben“. Sie selbst hat jedenfalls vor, das Hotel mit der langen Geschichte noch weiter in die Zukunft zu führen. „Ich kann mir nicht vorstellen, einmal aufzuhören. Ich möchte weiterarbeiten, so lange es geht, denn mir würde der Kontakt mit den Menschen fehlen.“
Zum 120jährigen Bestehen soll es in diesem Jahr noch mehrere Aktionen geben; unter anderem eine größere Veranstaltung im Sommer und ein großes Gewinnspiel. Bereits jetzt kann man besondere Jubiläumsangebote für Übernachtungen oder zum Essengehen auf der Webseite des Hotels Riemann buchen.