Geschrieben von Ingrid Günther, Osterhagen am 13. Juli 2026
Buchvorstellung „Der Harzer Eisenkunstguss im 19. Jahrhundert“
Hans-Heinrich Hillegeist und Dr. Christian Juranek stellen ihr neues Buch vor





Am Freitag, 10. Juli 2026, fand im Südharzer Eisenhüttenmuseum des Förderkreises Königshütte Bad Lauterberg e.V. die Vorstellung des Buches „Der Harzer Eisenkunstguss im 19. Jahrhundert“ statt. Das Buch ist in Zusammenarbeit von Hans-Heinrich Hillegeist, und Mitherausgeber Dr. Christian Juranek, Vorsitzender des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde, dem ältesten im gesamten Harz, entstanden.
Zu dieser Veranstaltung hatten sich einige Mitglieder des Förderkreises und des Stadtarchives Bad Lauterberg eingefunden. Sie wurden herzlich vom Ehrenvorsitzenden des Förderkreises Königshütte Bad Lauterberg e.V., Hans-Heinrich Hillegeist, begrüßt.
Das erschienene Buch widmet sich dem für den Harz im 19. Jahrhundert charakteristischen Eisenkunstguss. Etwa 40 % der gesamten deutschen Kunstgussproduktion stammte aus Harzer Hütten. Neben der wichtigen Produktionsstätte Königshütte in Lauterberg befanden sich im Harzgebiet u.a. Hütten in Zorge, Harzgerode, Mägdesprung, Wernigerode, Ilsenburg, Bornum und Rübeland. Die Königshütte in Bad Lauterberg hat als einzige der ganz wenigen Produktionsstätten bis heute ihr ursprüngliches Erscheinungsbild erhalten.
Hans-Heinrich Hillegeist stellt in seinen Beiträgen den Umfang und die Qualität der Eisenkunstgussproduktion der Königshütte in Bad Lauterberg dar. Ein kompletter Verkaufskatalog, welcher sich im Original im Bestand der Archivgemeinschaft befindet, wird im Buch erwähnt.
In Aufsätzen des Buches widmen sich andere Autoren u.a. der Verwendung des Kunstgusses auf Friedhöfen, den drei wichtigsten Produktionsstandorten, ihren Modelleuren und der Bildgeschichte von Motiven der Harzer Hütten. Der einführende Beitrag von Dr. Juranek befasst sich mit dem Thema „Welche Rolle der Eisenguss im 19. Jahrhundert überhaupt gespielt hat“.
Hans-Heinrich Hillegeist ging im Anschluss an die Ausführungen von Dr. Juranek darauf ein, welche Verbindungen zum Südharz und Bad Lauterberg in dem neuen Buch beinhaltet sind. Ein ehemaliger Modelleur der Königshütte, F.Mummenthey, welcher zur Hütte in Ilsenburg wechselte, fertigte um 1823 ein Modell des Brockenhauses. Der Kunstmeister Karl-Heinrich Mummenthey, der bis zu seinem Tode in Lauterberg lebte, bearbeitete im Auftrag von Maschinendirektor Mühlenpfordt/Clausthal die Neubauten der Rothehütte bei Elbingerode und der Königshütte Lauterberg (Fertigstellung 1830).
Des Weiteren stellte die Königshütte Obelisken her, von denen es in Bad Lauterberg am mittleren Scholbenweg einen für den verstorbenen Sanitätsrat Dr. Benjamin Ritscher gibt (1859). Ein weiterer Obelisk steht auf den Friedhof in Herzberg für den sehr tätigen Beamten Lüder (um 1830). Ein dritter, von der Königshütte gefertigter, wurde ca. 1834 in der Wesermarsch zur Erinnerung an eine Schlacht der Bauern gegen die Ritter errichtet. Einige Grabkreuze aus der Produktion der Königshütte befinden sich auch auf dem Friedhof von Bad Lauterberg.
Ein im 19. Jahrhundert auf der Königshütte wirkender Formermeister, Wilhelm Hecht, modellierte guten Eisenkunstguss, der auf der Königshütte gegossen wurde, richtete in der Hüttenschenke ein Kunstguss-Kabinett ein, in dem vor allem an Kurgäste (ab 1839 Wasserheilanstalt Bad Lauterberg) Produkte als Andenken zum Kauf angeboten wurden. Ab ca. 1892 durfte Wilhem Hecht die Waren in seinem Wohnhaus in der damaligen Doktorstraße (heute Ritscherstraße) anbieten. Für Kurgäste war der Weg dorthin näher als zur Königshütte. Er erhielt von der Königshütte einen Verkaufskatalog, welcher sich im Original im Stadtarchiv Bad Lauterberg befindet.
In einer Arbeitszeit von 10 Jahren wurde dieses Buch erstellt. Die Verzögerung ist diversen Gründen geschuldet. Das Buch ist im Lukas-Verlag Berlin erschienen und kann im Südharzer Eisenhüttenmuseum auf der Königshütte Bad Lauterberg oder Im Buchhandel zum Preis von € 25,00 erworben werden.
Mit Dankesworten an die beiden Autoren und die anwesenden interessierten Gäste beendete der Vorsitzende des Förderkreises der Königshütte, Christian Mühl, die Veranstaltung. Er wünschte sich für die Zukunft weitere ähnliche Treffen im kleinen Eisenhüttenmuseum, wo es zahlreiche sehenswerte Exponate zu bestaunen gibt.