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Freitag, 06. November 2026
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Geschrieben von Yvonne Wolter-Holzigel am 06. November 2026
Aktuell

Mehr als 30 Jahre Mädchencafé „Kratzbürste”

Eine Geschichte, die Generationen verbindet

Fotos: Mädchencafé
Fotos: Mädchencafé
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Was 1995 als Initiative für einen eigenen Treffpunkt für Mädchen begann, ist über drei Jahrzehnte später ein fester Bestandteil der Kinder- und Jugendarbeit in Bad Lauterberg. Das Mädchencafé „Kratzbürste“ hat sich immer wieder verändert – und ist seiner Grundidee treu geblieben: Mädchen einen geschützten Raum zu bieten, in dem sie Gemeinschaft erleben, ihre Interessen entdecken und Selbstvertrauen entwickeln können.

Eine Idee, die Wurzeln schlug

Die Anfänge reichen in das Jahr 1995 zurück. Eng mit der Entstehung verbunden sind Monika Stanslowski und Inge Holzigel. Die historischen Unterlagen unterscheiden zwischen dem Beginn der Initiative 1995 und der Eröffnung des Mädchencafés im September 1996 im Stadthaus in der Ahnstraße 20. Damals stand das Angebot in Verbindung mit dem Kinderschutzbund und der städtischen
Frauen- beziehungsweise Gleichstellungsarbeit. Ein eigener Treffpunkt nur für Mädchen war keineswegs selbstverständlich.

Das Mädchencafé sollte Mädchen Raum geben, selbst zu entscheiden, was sie interessiert: Spielen, reden, basteln, sich ausprobieren und eigene Ideen verwirklichen. In den ersten Jahren war es an mehreren Tagen der Woche geöffnet. Die Programme wurden über Handzettel an Schulen, Plakate und die lokale Presse bekannt gemacht.

Viel mehr als Basteln

Wer in die alte Chronik schaut, entdeckt eine erstaunliche Bandbreite: Selbstverteidigung, Computer- und Fotokurse, Theater, Musik, Gestaltung von Weihnachtsfeiern und Gottesdiensten, Sport, Besuche bei Feuerwehr und Polizei sowie Erkundung des Rathauses und Fragerunde mit dem Bürgermeister, Ausflüge, gemeinsame Koch- und Backaktionen, kreative Arbeiten mit Holz oder Stoff, Nähen mit der Nähmaschine sowie Schwimmkurse in Zusammenarbeit mit der DLRG und Begegnungen mit anderen Vereinen und Einrichtungen aus der Region.

Schon damals verband die „Kratzbürste“ Freizeitspaß mit Bildung, Mitbestimmung und dem Ziel, Mädchen zu stärken. Dass Computerangebote einst zu den besonderen Programmpunkten zählten, zeigt: Das Mädchencafé wollte stets mit der Zeit gehen.
2005 wurde das zehnjährige Bestehen unter anderem mit einem gemeinsamen Gottesdienst in der St.-Andreas-Kirche gewürdigt. Eine historische Einladung trägt die Namen Renate Wirth, Monika Stanslowski und Inge Holzigel. Auch zum 15-jährigen Bestehen 2010 blickte die Kratzbürste mit einer Jubiläumsveranstaltung und vielen Gästen auf ihre Entwicklung zurück.

Menschen, die das Mädchencafé tragen

Monika Stanslowski und Inge Holzigel prägten die Anfänge und die weitere Entwicklung der „Kratzbürste“ maßgeblich. Mit viel Einsatz schufen sie gemeinsam mit Unterstützerinnen einen Ort, der über Jahrzehnte hinweg Mädchen in Bad Lauterberg offenstand.

Renate Wirth – seit mehr als 25 Jahren mit Herz und Engagement dabei

Ein ganz besonderer Dank gilt Renate Wirth. Seit November 2000 engagiert sie sich ununterbrochen ehrenamtlich für das Mädchencafé – inzwischen seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Generationen von Mädchen hat sie begleitet, ermutigt und ihnen unzählige schöne Erlebnisse ermöglicht. Ob bei kreativen Nachmittagen, Ausflügen, Weihnachtsaktionen oder gemeinsamen Projekten: Renate Wirth war und ist mit Ideen, Tatkraft und großer Verlässlichkeit dabei. Gemeinsam mit Inge Holzigel organisierte sie über viele Jahre ein vielfältiges Programm, knüpfte Kontakte zu Vereinen und Einrichtungen und sorgte dafür, dass aus guten Ideen erlebnisreiche Angebote wurden. Ihr außergewöhnlich langes ehrenamtliches Engagement steht beispielhaft für die Menschen, die die „Kratzbürste“ tragen. Ohne diesen persönlichen Einsatz wäre die Geschichte des Mädchencafés in dieser Form kaum denkbar. Ebenso wichtig waren und sind die vielen weiteren ehrenamtlichen Helferinnen, Kooperationspartner, Vereine und Unterstützer, ohne die ein so vielfältiges Angebot nicht möglich wäre.

Von der Teilnehmerin zur Leiterin

Wie nachhaltig das Mädchencafé wirken kann, zeigt die Geschichte von Yvonne Wolter-Holzigel. Sie besuchte die „Kratzbürste“ bereits als Mädchen. Später kehrte sie als Erwachsene zurück und übernahm einzelne Aktionen – etwa kreative Angebote mit Draht und Papier. Seit Januar 2024 leitet sie das Mädchencafé. Inge Holzigel ist ihre Tante. So verbindet sich die persönliche Erinnerung an die eigene Kindheit mit dem Wunsch, die Einrichtung für eine neue Generation weiterzuentwickeln.

Bewährtes erhalten und zugleich neue Ideen ausprobieren: Diesen Ansatz verfolgt das heutige Team. Die „Kratzbürste“ informiert inzwischen auch über Facebook über Termine und Aktionen. Was sich nicht verändert hat, ist die Offenheit für die Wünsche der Mädchen.

Bad Lauterberg gemeinsam entdecken

Heute richtet sich das Angebot an Mädchen ab sieben Jahren beziehungsweise ab der zweiten Klasse. Treffpunkt ist das Familienzentrum ManyWays in der ehemaligen Berufsschule. Neben saisonalen Kreativangeboten stehen gemeinschaftliche Unternehmungen und stärkende Erfahrungen im Mittelpunkt. In jüngerer Zeit entstanden beispielsweise Tonfiguren und Osterkörbchen,
gestaltete Steine und Insektenhotels. Die Mädchen probierten sich beim Minigolf aus und durften in der Pizzeria Taranto ihre eigenen Pizzen zubereiten. Auch das Mitmach-Atelier Eckstein gehört zu den lokalen Partnern. Ein Selbstbehauptungskurs vermittelte darüber hinaus, wie Mädchen Grenzen erkennen, selbstbewusst auftreten und in schwierigen Situationen Hilfe holen können. Solche Angebote machen deutlich: Hinter den fröhlichen Nachmittagen steckt auch ein pädagogischer Gedanke. Mädchen sollen sich etwas zutrauen,
miteinander wachsen und erleben, dass ihre Stimme zählt.

Ein Angebot, das für alle erreichbar bleiben soll

Viele Veranstaltungen sind kostenfrei oder werden gegen einen kleinen Kostenbeitrag angeboten. Dafür ist die „Kratzbürste“ auf Spenden und Unterstützung angewiesen. Zu den regelmäßigen Unterstützern gehört der Johanniter-Kleidershop in der Wissmannstraße. Auch örtliche Unternehmen und Einrichtungen tragen durch Zusammenarbeit, Sachleistungen und Engagement dazu bei, dass besondere Erlebnisse möglich werden. Das Ziel bleibt, möglichst vielen Mädchen unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten ihrer Familien die Teilnahme zu ermöglichen.

Drei Jahrzehnte – und noch viele Ideen

Die Zeit hat sich verändert, die Interessen der Mädchen ebenfalls. Aus den ersten regelmäßigen Treffen im Stadthaus ist ein vielseitiges Angebot geworden, das heute neue Wege der Kommunikation und Zusammenarbeit nutzt. Geblieben sind Freude, Neugier, Zusammenhalt und die Überzeugung, dass Mädchen Freiräume brauchen, in denen sie sich entfalten können.

Das Team plant auch nach den Herbstferien neue Aktionen und freut sich über bekannte und neue Gesichter. Der Rückblick auf mehr als 30 Jahre ist deshalb nicht nur eine Erinnerung an Vergangenes, sondern auch ein Versprechen für die Zukunft: Das Mädchencafé „Kratzbürste“ bleibt in Bewegung – mit den Mädchen und für die Mädchen.

Wer ein bisschen in den vielfältigen Aktionen des Mädchencafés über die letzten Jahre stöbern will, kann das natürlich auch hier auf der Seite tun: Einfach "Mädchencafé" in die Suchleiste eingeben oder hier klicken, um zur Übersicht zu gelangen.

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