Geschrieben von Karl Heinz Bleß am 12. November 2014
Wenn das Herz aus dem Takt kommt
Info-Veranstaltung der Kirchberg-Klinik und der Deutschen Herzstiftung zur Herzwoche

Das Interesse war groß am Montag (10.11.2014), als es im Haus des Gastes um Herzrhythmusstörungen ging. Schon vor Beginn der Informationsveranstaltung der Kirchberg-Klinik und der Deutschen Herzstiftung nutzten viele Zuhörer die Gelegenheit zu einem kurzen Rhythmus-Check. Die Referenten des Abends, Dr. Ernst Knoglinger und Dr. Karsten Gericke, standen daneben und interpretierten gleich die Kurve des EKG, die auf einem kleinen Monitor zu sehen war.
„Herzrhythmusstörungen sind schwer zu erklären“, sagte der Ärztliche Direktor der Klinik, Knoglinger, gleich zu Beginn. Doch war die Warnung eigentlich unnötig, weil beide Fachärzte die Zusammenhänge gut vermittelten.
60 bis 90 mal pro Minute schlägt ein Herz normalerweise im Ruhezustand, erläuterte der Leiter des Medizinischen Versorgungszentrums am Kirchberg, Gericke, unter Belastung können es auch mal 160 Schläge sein, unter 40 Schläge pro Minute sollten es aber nicht sein. Er erklärte, wie über den Sinusknoten das Herz regelmäßig einen kleinen elektrischen Impuls bekommt. Sollte er einmal ausfallen, kann auch jede andere Herzzelle theoretisch als Ersatz einspringen. Lösen aber Herzzellen Impulse aus, obwohl der Sinusknoten funktioniert, können sie das System durcheinander bringen. Das kann zu Rhythmusstörungen führen. Aber auch Bluthochdruck, erkrankte Herzkranzgefäße oder ein Klappenerkrankung können Ursachen dafür sein, dass das Herz aus dem Takt gerät.
Bei der Diagnose, warum das Herz nicht im Rhythmus bleibt, hilft ein 12-Kanal-Ruhe-EKG, das eine Momentaufnahme darstellt, ein Belastungs-EKG, mit dem eine Rhythmusstörung provoziert werden kann, oder auch ein Langzeit-EKG über 24 Stunden – sogar bis zu sieben Tage. Das ist angebracht, wenn Rhythmusstörungen nur ab und zu auftreten. Auch erläuterte er die Funktion von Ereignisrekordern.
Die fünf Arten von Störungen
Man unterscheidet fünf Arten von Störungen. Die harmloseste Art ist das Stolperherz. Zu dem normalen regelmäßigen Herzschlägen kommen Extraschläge, die Betroffene sehr unterschiedlich wahrnehmen. Einige merken das gar nicht, für andere sind diese Extraschläge unangenehm oder lösen sogar Angst aus.
Ebenfalls als harmlos gilt das Vorhofflimmern, das rund 1,8 Millionen Deutsche betrifft. Diese Störung nimmt mit dem Alter zu. Dabei handelt es sich um eine Störung der Vorhöfe, weil die Impulse unregelmäßig in der Herzkammer ankommen. Es besteht allerdings die Gefahr, dass in einigen Teilen des Herzens das Blut so langsam fließt, dass es in bestimmten Ecken gerinnen kann. Löst sich ein Gerinnsel und fließt durch die Adern, also auch in den Kopf, kann es dort zu einer Verstopfung führen: Das bedeutet dann Schlaganfall. Dem kann man mit gerinnungshemmenden Medikamenten vorbeugen.
Gerade bei jungen Menschen kann es zu gutartigem Herzrasen kommen. Anfallartig steigt die Herzfrequenz auf 140 bis 180 Schläge. Nach kurzer Zeit kommt das Herz aber von selbst wieder in den normalen Takt.
Viel zu schnell steigt die Herzfrequenz beim sogenannten Vorhofflattern. 240 bis 330 Schläge pro Minute kommen vor. Das muss auf jeden Fall genauer untersucht werden, etwa mit einem Schluck-Echo. Dabei wird ein Schlauch mit einer winzigen Infrarotkamera soweit geschluckt, bis die Kamera direkt hinter dem Herzen ist. Ein Kardiologe kann dann recht genau die Ursache feststellen, vor allem wo die falschen Reize für das Herz zu lokalisieren sind.
Als lebensbedrohend ist das Herzkammerflimmern einzustufen. Dann schlägt das Herz nicht mehr, sondern „flimmert“. Blut wird dann nicht mehr transportiert mit der Folge, dass der Betroffene schnell bewusstlos wird. „Bei diesem Notfall muss das Herz ganz schnell von außen wieder zum Schlagen gebracht werden, damit das Gehirn genügend Sauerstoff bekommt“, erläuterte Dr. Gericke.
Was man bei Störungen unternehmen sollte
Über die Therapie berichtete Chefarzt Dr. Knoglinger. Dabei machte er deutlich, dass nicht jede Herzrhythmusstörung behandelt werden muss. Eine umfassende Diagnostik sei aber notwendig, „damit man weiß, woran man ist“. Einem zu langsam schlagenden Herz könne man oft mit einer Medikamentenumstellung begegnen, auch sei an einen Herzschrittmacher zu denken, der immer nur dann wirke, wenn das Herz zu langsam schlägt. Neuerdings gibt es so kleine Schrittmacher, dass man diese mit einem Katheter in eine Herzkammer festsetzen könne.
Wenn das Herz zu schnell schlägt, sollte man im Labor untersuchen, ob genügend Kalium und Magnesium im Blut ist. Beide sorgen wie elektrische Pole für den Herzimpuls. Bei einem Ungleichgewicht sei es angebracht, Obstsäfte zu trinken und möglichst auf Alkohol, Bohnenkaffee, Nikotin und Stress zu verzichten. Auch Medikamente können helfen.
Bei anfallartigem Herzrasen sei an einer Verödung der störenden Herzzelle mittels Katheter zu denken. In der Regel sind die Patienten nach der Behandlung geheilt.
Bei Vorhofflimmern ist das Wichtigste, so der Facharzt, dass die Gerinnselbildung verhindert wird, weil sonst ein Schlaganfall droht. Auch weitere Medikamente können angebracht sein. Wenn ein Patient mit Vorhofflimmern am offenen Herzen operiert wird, kann der Chirurg bei der Gelegenheit auch bestimmte Bereiche im Herzen veröden, um so die Fehlreize auszuschalten. Diese ist zwar auch über eine Katheterbehandlung möglich, aber sehr aufwendig, erläuterte er.
Beim gefährlichen Herzkammerflimmern handelt es sich um eine lebensbedrohende Störung, erläuterte Knoglinger wie sein Vorredner. Wer gefährdet sei, der sollte sich einen automatischen Defibrillator unter die Haut setzen lassen, der äußerlich einem Herzschrittmacher ähnelt. Von diesem führen elektrische Drähte in die Herzkammer, die einen kleinen Elektroschock auslösen, wenn die Herzkammer zu flimmern beginnt. „Es ist, als würde man an einem älteren Computer die Reset-Taste drücken“, sagte er.
Für Außenstehende, etwa Angehörige, riet er dringend, in Erste-Hilfe-Kursen die Herz-Lungen-Wiederbelebung zu erlernen. Damit könne man definitiv Leben retten. Auch der Umgang mit einem automatischen Defibrillator für Laien, die immer häufiger in öffentlichen Bereichen wie Flughäfen zu finden sind, sollte man üben.