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Geschrieben von Gordy/PM am 21. November 2014
Aktuell

Alles biologische hat ein Lebensende – auch ein hölzernes Fördergerüst

Wortmeldung von Theo Pätz zu unserem Artikel „ein Häufchen Elend“ …

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Im Jahre 1997 wurde das Fördergerüst des Ostschachtes der Grube Wolkenhügel von der DBI an die Stadt Bad Lauterberg als Zeitzeuge des Schwerspatabbaus im Luttertal zur Verfügung gestellt. Dank des Einsatzes von Herrn Horst Günther konnte das Fördergerüst zerlegt und dann von der Grube Wolkenhügel zum Besucherbergwerk Scholmzeche transportiert werden. Hier wurde das Fördergerüst vor dem Stollenmundloch des tiefen Aufrichtigkeiter Wasserlösungsstollen wieder aufgebaut. Ein Standort, der bergtechnisch nicht realistisch ausgewählt wurde. Dennoch,  eine zur damaligen Zeit akzeptable Lösung, obwohl hier aus Platzgründen die stählernen Abstrebungen zum Maschinenhaus nicht angebaut werden konnten und leider verschrottet wurden.

Es war zur damaligen Zeit (1997) nicht absehbar, dass im Jahre 2001 auch die zum Fördergerüst gehörige Fördermaschine des Ostschachtes der Grube Wolkenhügel verschrottet werden sollte, oder einen neuen Platz im Bereich der Scholmzeche finden könnte. Durch die Unterstützung von Herrn Klein, Betriebsführer der Grube Wolkenhügel und der Firma Heinrich Kruse OHG Bauunternehmung, gelangte die Fördermaschine zur Kurverwaltung. Hier wurde die nahezu vollständig zerlegte Fördermaschine entrostet, neu lackiert und wieder eingeschränkt funktionsfähig gemacht. Nachdem dann auf dem Gelände des Felsenkellers ein fast identisches Maschinenhaus  durch ABM Kräfte erstellt war, konnte auch die Fördermaschine in ein neues „zu Hause“ einziehen. Leider getrennt von ihrem Fördergerüst. Soweit zur Vorgeschichte.

Das Fördergerüst aus dem Jahre 1954 hat in seiner Betriebszeit einige technische Änderungen und sicherlich auch Reparaturen erfahren. Insbesondere sind sicherheitsrelevante Holzteile erneuert worden. Auch nach dem Umzug zur Scholmzeche nagte der Zahn der Zeit weiter. Seit mehreren Jahren war Wurmbefall und Fäulnis an den der Witterung ausgesetzten Stellen zu erkennen. Im Frühjahr diesen Jahres wurde daraufhin eine Begutachtung  des Fördergerüstes vorgenommen. Das Ergebnis für die Zukunft war besorgniserregend, da Fäulnis und Wurmbefall nicht zu stoppen waren. Nach Einschätzung der Sachlage glaubten wir, die Sicherheit bis in das nächste Jahr gewährleisten zu können, um dann eine Reparatur des Daches und die Sanierung der tragenden Teile vorzunehmen. Leider wurden wir eines Besseren belehrt. Bereits im Sommer drückten sich die zum Teil morschen Ständer der Vorderseite in die nun schon zerfallenden Lagerhölzer und nahmen somit dem Gerüst die sichere Basis. Nach dem das Bauamt informiert war und ebenfalls eine Gefährdung der Standsicherheit feststellte, bestand akuter Handlungsbedarf. Geplant war die unverzügliche Entlastung des Fördergerüstes durch die Entfernung der gußeisernen Seilscheiben und deren Lager- und Tragwerksträger. Weiterhin sollte das Dach entfernt werden, um dann das Gerüst abzubauen und noch verwendbare Teile der Balkenkonstruktion sollten ebenfalls eingelagert werden.

Samstag  08.11.2014:  Abbau der Seilscheiben.
Bei den vorbereitenden Arbeiten zum Lösen der Verbindung zwischen Seilscheibenträgern und der Balkenkonstruktion zeigte sich, dass die Zapfenverbindungen zwischen den Balken zum größten Teil weggefault waren und der Verband nur noch von den Bauwinkeln und Bauklammern im morschen Holz aufrecht gehalten wurde. Das Herablassen der Seilscheiben sollte dann mittels Greifzug und Umlenkrollen, die außen am Firstbalken angeschlagen wurden, erfolgen. Bei diesen Arbeiten wurde klar, dass niemand mehr innerhalb des Gerüstes oder auf dem Dach trotz Seilsicherung arbeiten wollte und auch aus Sicherheitsgründen arbeiten durfte. Alle Arbeiten wurden dann von aussen mittels Leiter und Seilsicherung ausgeführt. Die Anschlagpunkte wurden ebenfalls so gewählt, dass die Bedienung des Greifzugs und eines Hilfsseils außerhalb des Gefahrenbereichs möglich wurde.   Die Seilscheiben nebst Lagerträgern erreichten schließlich sicher den Boden und sind bereits eingelagert und harren neuen Aufgaben.

Samstag  15.11.2014:   Abbau des Daches und der Balkenkonstruktion.
Nach Einschätzung der beteiligten Personen zeigte sich die folgende Situation. Der obere Bereich des Fördergerüstes mit dem Auflager für die Seilscheiben und das Dach waren noch in einem guten Zustand aber auch der schwerste Teil, der auf vier instabilen morschen Balken ruht. Alle Quer- und Diagonalverstrebungen waren ohne nennenswerten Einfluss auf die Standsicherheit und wurden nur noch von den Bauklammern gehalten. Ein kontrolliertes Umlegen des Fördergerüstes war im vornherein aus Platzgründen auszuschließen, da in wenigen Metern Entfernung die Geländer an der Oder- Oderbrücke, eine Laterne und der Anschlusskasten für die Stromversorgung der Scholmzeche stehen. Bei einem unkontrollierten Zusammenbrechen des Fördergerüstes war zu befürchten, dass gerade diese Teile beschädigt würden, da hier das Dach in Richtung Oderbrücke aufschlagen würde. Es war deshalb geplant, die Dachkonstruktion so hoch wie möglich zu kappen, die noch angebrachten Anschlagpunkte und Umlenkrollen am Firstbalken zu nutzen und das Dach schräg nach oben über den Wanderweg gegen den Berg zu ziehen. Hierbei befanden sich die Handelnden außerhalb des Gefahrenbereiches und die Wege an der Oder mussten immer nur kurzfristig gesperrt werden.
Die Umsetzung erfolgte wie geplant. Durch den Zug des Daches nach oben, blieb das Ständerwerk größtenteils stehen oder hing nur noch an den Bauklammern, sodass es leicht zu Boden gezogen werden konnte. Leider waren die Kantholzenden mit ihren Zapfen bzw. Zapflöchern alle so morsch, sodass kein einziges Stück mehr für eine weitere Verwendung brauchbar war, bzw. eine Mindestlänge von 2,55m daraus zu scheiden wäre. Der Gesamtzustand des am Boden liegenden Fördergerüsts macht nun sehr deutlich, das ein Auswechseln einiger Balken keine längerfristige Lösung gewesen wäre. Das biologische Lebensende eines hölzernen Fördergerüstes war erreicht. An diesem Tag, bzw. früher Abend, blieb nur noch die Baustelle aufzuräumen und abzusichern.

Wie kann es nun weitergehen?
Wie bereits erwähnt, sind alle vorhandenen Metallteile des Fördergerüstes eingelagert worden. Lediglich die morsche Holzkonstruktion wurde entsorgt.
Sowohl für die Fördermaschine, die Schachtscheibe, dem Förderkorb und dem Fördergerüst liegen die original Baupläne neben vielen Seiten Dokumentation aus dem Jahre 1954 vor. Hieraus sind alle Maße, Daten und viele Details, wie Festigkeitsberechnungen, Prüfprotokolle, bergbehördliche Genehmigungen usw. zu entnehmen. Dies bedeutet, dass im Wesentlichen „nur“  ca. 80 lfm Kantholz benötigt würden, um das Fördergerüst im Originalzustand von 1954 wieder entstehen zu lassen. Mit dem benötigten Material und engagierten Helfern wäre dies eine zu lösende Aufgabe.

Mit freundlichen Glück Auf

Theo Pätz


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