Geschrieben von Boris Janssen am 26. November 2014
Ein Zeichen, das leider nötig ist
Fahnenaktion zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen



Das Rathaus ist in den kommenden drei Wochen beflaggt: Zum ersten Mal weht auch in Bad Lauterberg eine Fahne zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen (25. November). Pünktlich am Dienstag (25.11.2014) hat sie Gleichstellungsbeauftragte Inge Holzigel gemeinsam mit der stellvertretenden Bürgermeisterin Gudrun Teyke und Astrid Rademacher vom Osteroder Verein Frauen für Frauen gehisst. Die jährliche Fahnenaktion wurde 2001 auf Initiative von Terre des Femmes ins Leben gerufen, mit ihr soll ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen gesetzt werden.
Dass das leider bitter nötig ist, beweisen über 400 Kontakte, die der Verein Frauen für Frauen allein im vergangenen Jahr verzeichnet hat. Und die Fälle dahinter seien vermutlich gerade die „Spitze der Spitze des Eisberges“, befürchtet Astrid Rademacher. Zwei wesentliche Säulen des Vereins sind der Frauen-Notruf und das Frauenhaus Osterode und Umgebung. Der Frauen-Notruf bietet Frauen Rat und Unterstützung bei jeder Form von erlebter Gewalt, wenn sie zum Beispiel von Stalking, häuslicher Gewalt oder Vergewaltigung betroffen sind. Dazu gehört auch die Beantwortung von Fragen zu Trennung oder Ausländerrecht. Das Frauenhaus geht noch einen Schritt weiter und bietet akut bedrohten Frauen und deren Kindern Schutz und Sicherheit mit einer vorübergehenden Unterkunft. „Das ist ein Ort, der gebraucht wird“, bedauert Rademacher. „Die drei Wohnungen sind permanent belegt.“
Um möglichst viele Betroffene erreichen zu können, legt Frauen für Frauen Wert auf drei wichtige Faktoren: Das Angebot ist für die Betroffenen kostenlos und kann völlig anonym angenommen werden. Wo genau das Frauenhaus steht, wissen noch nicht einmal alle Mitarbeiter des Vereins, auch zu deren eigenem Schutz. Und das Angebot ist niedrigschwellig: Ein einfacher Anruf, eine E-Mail genügt – rund um die Uhr ist jemand erreichbar.
Der Verein profitiere bei seiner Arbeit von engen Vernetzungen mit Behörden und im Koordinationskreis „Häusliche Gewalt“, erklärt Rademacher. Außerdem gebe es eine gute Zusammenarbeit mit den Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis und mit der Polizei. Mit deren Unterstützung übernehme Frauen für Frauen eine Lotsenfunktion für die Betroffenen, helfe also, einen Weg zu finden. Wo der hinführt, sollten die Betroffenen dabei selbst bestimmen. „Das Ziel ist ja nicht unbedingt, die Frau von ihrem Partner zu trennen. Gerade von Gewalt betroffene Frauen haben oft eine Stärke in sich, die Kraft für Veränderungen gibt“, weiß Rademacher.
Da könne im Übrigen auch das im Mai 2014 vom Verein Gleichstark eröffnete Männerhaus in Osterode helfen. Hier finden nicht nur Männer Zuflucht, die umgekehrt selbst Opfer von Gewalt sind, sondern auch Täter, die an sich arbeiten, etwas verändern wollen. „Das ist eine sinnvolle Ergänzung“, findet Astrid Rademacher. „Denn es bringt ja nichts, wenn die Frau nach ein paar Tagen zurückkehrt, und zu Hause ist alles wie vorher.“
Inge Holzigel freut sich, dass die Stadt Bad Lauterberg ihre eigene Arbeit und den Verein Frauen für Frauen seit jeher gut unterstütze. Die Stadt sei seinerzeit sogar die erste gewesen, die 10.000 D-Mark zur Einrichtung einer Frauenschutzwohnung beigesteuert habe, auch wenn dazu viel Überzeugungsarbeit nötig gewesen sei. Brauche man Hilfe, finde man bei der Stadt ein offenes Ohr – auch wenn es nur die kleine Bitte ist, mal eben eine Fahne hissen zu dürfen.
Übrigens wehen nun an mehreren Rathäusern im gesamten Landkreis solche Fahnen, bezahlt von der Stiftung Opferhilfe. Auch im nächsten Jahr solle die Aktion ausgebaut werden, kündigt Astrid Rademacher an. Nur der Landkreis sei leider abgesprungen – am Kreishaus werde nur noch für Staatsangelegenheiten geflaggt.
Filmabende
Inge Holzigel organisiert für das kommende Jahr wieder einen Filmabend in den Herzberger Central-Lichtspielen, deren Erlös an die Frauenschutzwohnung geht. Wegen der großen Nachfrage wird es 2015 sogar zwei Termine geben, nämlich Dienstag, 10. März, und Donnerstag, 12. März.
Kontakt zu Frauen für Frauen Osterode
Der Frauen-Notruf und das Frauenhaus sind unter Telefon 05522 / 92 07 70 zu erreichen. Der Anrufbeantworter ist ganztägig eingeschaltet und wird mehrmals am Tag abgehört. Für Notfälle wird eine Handynummer angesagt, unter der jederzeit jemand für eine persönliche Kontaktaufnahme erreichbar ist.
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Website: www.frauenfuerfrauen-osterode.de (externer Link)