Geschrieben von ski am 17. Februar 2015
„Frauen glauben einfach nicht, dass sie einen Herzinfarkt haben“
Herzschmerz: Vortrag von Dr. Barbara Bialucha-Nebel beim Frauenfrühstück am Valentinstag


Wenn Frauen oder Männer einen Herzinfarkt haben, sollten sie sofort ins Krankenhaus gehen. Tatsächlich ist das aber oft nicht der Fall. Und bei Frauen dauert es im Schnitt 150 Minuten länger als bei Männern, bevor sie in der Notaufnahme eintreffen: „Die sagen dann oft, ach, ich habe erst noch die Wäsche zusammengelegt und dem Mann das Mittagessen vorgekocht“, berichtete Dr. Barbara Bialucha-Nebel, Kardiologin an der Kirchberg-Klinik. Dabei ist der Zeitfaktor so wichtig – je später die Behandlung beginnt, desto schlechter die Überlebenschance des Patienten. Woran liegt es aber, dass Frauen erst spät Hilfe in Anspruch nehmen? Zum einen wollen sie nicht zur Last fallen. „Vor allem aber glauben Frauen einfach nicht, dass sie einen Herzinfarkt haben“, stellt die Oberärztin fest. Denn obwohl fast die Hälfte aller Frauen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben wird – und nicht etwa an Brustkrebs – gilt der Herzinfarkt, die Angina pectoris, immer noch als Männerkrankheit. Wenn man an einen Menschen mit Herzerkrankung denkt, hat man stets einen Mann vor Augen – selbst bei der Werbung der pharmazeutischen Industrie kommen Frauen kaum vor.
Das verspätete Eintreffen im Krankenhaus hat Folgen: der Herzinfarkt ist für Frauen tödlicher als für Männer.
Medizinische Forschung ist männerlastig
Dass die Zahl der mit Herzinfarkt ins Krankenhaus eingelieferten Frauen in den letzten Jahren zugenommen hat, ist wohl auch ein besseres Bewusstsein der Ärzte, dass diese überhaupt an Angina pectoris leiden könnten, zugenommen hat. Doch vieles ist noch zu tun, resümiert Bialucha-Nebel. Es gibt noch keine Gleichstellung in diesem Bereich – auch die Wirkung der Medikamente an Frauen wird oft nicht spezifisch erforscht. „Forscher forschen für Männer“.
Welche Symptome Herzinfarkt-Patienten typischerweise beschreiben, was dann zu tun ist, warum immer die Person mit dem kühlsten Kopf den Notruf machen und beim Patienten bleiben sollte: all dies erklärte die Ärztin bei dem Vortrag am Samstag im DRK-Depot. Kompetent, aber äußerst verständlich und zudem unterhaltsam erklärte sie, wie die Arteriosklerose zustandekommt, welche anderen Erkrankungen ähnliche Symptome auslösen können und vieles mehr.
Der von der Bad Lauterberger Gleichstellungsbeauftragten Inge Holzigel organisierte Vortrag anlässlich des baldigen Weltfrauentags war bis auf den letzten Platz besucht. Nicht zuletzt wegen des tollen Frühstücks, das sie mit Hilfe von Rita Vorjohann und anderen Helferinnen organisiert hatte. Renate Wirth vom Mädchencafé hatte das DRK-Depot toll dekoriert. Ein besonders passender Ort für einen Vortrag zu diesem Thema, finden doch dort auch bald wieder Erste-Hilfe-Kurse statt. Schließlich empfahl die Referentin, die auch Bereitschaftsärztin des DRK ist, die Kenntnisse über Herzdruckmassage und Atemspende mal wieder aufzufrischen. Am 21. März ab 9 Uhr findet der nächste Kurs „Lebensrettende Sofortmaßnahmen“ im DRK-Depot (hinterer Eingang des Stadthauses, Ahnstr. 20) statt.