Geschrieben von ski am 24. März 2015
Freiwillige Helfer dringend gesucht
Infoabend zum Thema Migration und Asylbewerber: Viele Fragen, viele Informationen - und viel Bedarf an engagierten Helfern
Wo kann man einkaufen? Wo findet man einen Arzt und wo gehen die Kinder zur Schule? Wie funktioniert das mit dem Bargeld bei der Sparkasse ? Und wie funktioniert das eigentlich mit der Mülltrennung?
102 Asylbewerber leben derzeit in Bad Lauterberg, und der Start im neuen Land ist schwierig. Doch die Stadt will eine neue Willkommenskultur für Flüchtlinge und Migranten schaffen. Denn es werden in Zukunft - der weltpolitischen Lage geschuldet - wohl noch mehr von ihnen kommen, wie Andreas Bähnsch, Fachbereichsleiter Ordnung und Soziales der Stadtverwaltung, beim Informations- und Gesprächsabend am Montag (23.03.15) erläuterte. Knapp vierzig Interessierte fanden sich dazu im Haus des Gastes ein, ließen sich über den Stand der Dinge aus erster Hand informieren, stellten dabei etliche Fragen und hatten auch gleich viele Ideen.
Die in Bad Lauterberg ansässigen Asylbewerber stammen aus 33 verschiedenen Nationen und sind überwiegend jung: 66 davon sind Erwachsene zwischen 19 und 46 Jahren, 30 Kinder und Jugendliche. Untergebracht sind sie in Zimmern oder Wohnungen, die überall in der Stadt verstreut sind, nicht in großen Gemeinschaftsunterkünften. Dadurch, so Bähnsch, vermeide man viele Probleme, es gebe keine Ghettobildung, und die Integration klappe viel besser. Die Stadt mietet Wohnraum an, wenn etwas Passendes angeboten wird. Allerdings nur in der Kernstadt oder Barbis – denn in Osterhagen und Bartolfelde gibt es keine Nahversorgung, sprich keine Einkaufsmöglichkeit. Dann fordert sie die Flüchtlinge an, anstatt zu warten, bis welche zugeteilt werden: „Das hat den Vorteil, dass wir das viel besser vorbereiten und steuern können“.
Die Asylbewerber kommen von der Erstaufnahmeeinrichtung, wo sie in der Regel die ersten drei Monate verbracht haben, also künftig vermutlich hauptsächlich aus Osterode. Sie werden von einem städtischen Bediensteten abgeholt und erst einmal zum Bürgerbüro und Sozialamt gebracht, um die Formalitäten zu regeln. Dann geht es zur Wohnungsübergabe und auf dem Weg werden die wichtigsten Stellen gezeigt (Schule, Arzt, Supermarkt....). Doch für die vielen, vielen Fragen des Alltags, die auf die Neulinge zukommen, bleibt natürlich nicht genügend Zeit.
Hier werden freiwillige Integrationshelfer benötigt, also einfach Menschen, die ehrenamtlich den Flüchtlingen ein bisschen zur Seite stehen. Das größte Hindernis dabei: die Sprache. Nur einige der Asylbewerber sprechen Englisch oder Französisch, und Übersetzer etwa für Farsi oder afrikanische Sprachen sind natürlich erst recht nicht vorhanden. Ganz dringend benötigt werden daher ehrenamtliche Dolmetscher – aber noch besser sind Angebote zum Deutschlernen für die Flüchtlinge. Denn ob künftig professionelle Sprachkurse angeboten und finanziert werden, das ist derzeit noch unklar, so Bähnsch. Aber das müsse auch nicht unbedingt sein, das befanden auch die meisten Zuhörer: die elementaren Grundlagen können sicherlich auch Laien vermitteln, und jedes Angebot ist besser als keines. Außerdem, so ein Zuhörer: „Es gibt doch vielleicht ein paar pensionierte Lehrer, die Zeit haben und etwas tun möchten...“
Viele der Teilnehmer an dem Infoabend erklärten sich spontan bereit, Hilfe zu leisten. Auf die Dauer soll, da war man sich einig, auch ein, eher informales, Netzwerk der Helfer untereinander entstehen. Ideen waren genug vorhanden: „Man könnte ja auch Angebote zum Sprachenlernen für Kinder und Eltern zusammen machen“, so etwa Janka Eckhardt vom Kinderschutzbund. Dieser will ohnehin noch mehr niedrigschwellige Angebote machen. Überhaupt sind die Vereine der Stadt ganz wichtige Bausteine, was die Integration betrifft. Und das nicht nur bei den Kindern: „Wir dürfen die Erwachsenen bei der Integration nicht vergessen“, so Bähnsch. Die Vereine können dabei den Weg ebnen, aber dabei müssen die Helfer aktiv vorgehen: „Nehmen Sie einfach mal die Leute mit in ihren Verein.“
Eine Kleider- und Spielzeugkammer, das war eine weitere Idee aus den Reihen der Zuschauer, von denen sich viele schon bisher ehrenamtlich sozial engagieren. Die Mitarbeiterinnen der „Tafel“ berichteten, dass sie öfter darauf angesprochen werden, aber dort gibt es keine Aufbewahrungsmöglichkeit. „Man könnte die Sachen doch im Stadthaus unterbringen, zumindest so lange es für das Gebäude noch keinen Käufer gibt“, überlegte Janka Eckhardt laut. Eine Anregung, die Bähnsch versprach, gleich weiterzugeben.
In jedem Fall wird aber eines gebraucht: viel ehrenamtliches Engagement. Alle, die helfen möchten, können sich bei Andreas Bähnsch ( Tel. 05524-853-150 , Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ) oder Christina Stürnberg ( Tel. 05524-853-151, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ) melden.
Voraussichtlich ab Mai soll es übrigens eine Koordinierungsstelle für Migration und Teilhabe im Landkreis Osterode geben, die als übergeordnete Instanz für eine Vernetzung der Ehrenamtlichen und der Angebote sorgen soll. Auch eine Qualifizierung von ehrenamtlichen Kräften zum Integrationslotsen will der Landkreis in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Göttingen anbieten.
Einen Wunsch, der aus den Reihen der Zuhörer kam, konnte Andreas Bähnsch gleich zusagen: ein weiteres Treffen. Es soll Ende April stattfinden – für ein erstes Resümee und gleichzeitig auch der Anfang von einem Netzwerk.
