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Geschrieben von Christian Dolle am 18. Juni 2015
Aktuell

Erst kommt die Pädagogik, dann das Fachliche

Die KGS stellte sich und ihre Angebote beim Tag der offenen Tür vor

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Die Kooperative Gesamtschule in Bad Lauterberg erweitert die Schullandschaft im Landkreis und ist für viele Eltern eine Alternative zum dreigliedrigen Schulsystem. Am vergangenen Samstag lud die KGS zum Tag der offenen Tür und bot vielen Interessierten damit die Möglichkeit, sich selbst ein Bild zu machen.
In der Pausenhalle stellte sich die Schulleitung vor und es gab verschiedene Vorführungen von Schülern aller Jahrgänge. Alles unterhaltsam und gut gemacht, doch bis auf die Tatsache, dass die Schulleitung mit den Leitern für den Haupt- Realschul- und Gymnasialzweig etwas zahlreicher ist, durchaus vergleichbar mit anderen Schulen.
Vielleicht brachte ja der anschließend angebotene Schnupperunterricht nähere Erkenntnisse. In vielen Fachräumen wurde zur Mitarbeit an Experimenten oder kreativen Angeboten eingeladen, in der Sporthalle zum Trampolinspringen und Bogenschießen und in der Mensa zu Kaffee und Kuchen. In vielen Fächern wird auch an normalen Schultagen schulzweigübergreifend unterrichtet, Grundschulfreundschaften können also bestehen bleiben und trotzdem ist an der KGS jeder Abschluss möglich.

Für die Schüler bedeutet das vor allem, dass auch diejenigen, die bestimmte Potenziale erst später entdecken, diese viel leichter ausbauen können. Das kann allerdings nur funktionieren, wenn die Lehrer ihren Unterricht viel breiter zuschneiden als auf die Schüler nur einer Schulform. „Es ist ein deutlicher Unterschied“, bestätigte Thomas Böhlendorf, ausgebildeter Gymnasiallehrer und seit einem Jahr an der KGS. „Die heterogene Schülerschaft ist eine Herausforderung, so dass wir Pädagogen viel an uns arbeiten müssen.“

Konnte er vorher bestimmte Dinge voraussetzen, sind seine Schüler und auch deren Elternhäuser jetzt so unterschiedlich wie unsere Gesellschaft. „Das merke ich beispielsweise, wenn ich eine Lektüre einführen will oder eine Klassenfahrt plane und von deutlich mehr Eltern als am Gymnasium auf die Finanzierung angesprochen werde“, sagte er. Als Lehrer müsse er sich somit deutlich mehr auf seine Schüler einstellen.
„An der KGS ist es noch einmal deutlich anders als an einer IGS [an der nicht nach Schulzweigen unterschieden wird, Anm. d. Red.], weil ich die Differenzierung dort schwer finde.“ Didaktisch unterscheide sich seine Arbeit hier jedoch deutlich von der früher am Gymnasium, er empfinde den Schwerpunkt von der fachlichen zur pädagogischen Arbeit hin verschoben. „Erst einmal muss ich sehen, wie ich meine Schüler erreiche, dann reden wir über den Stoff“, machte er deutlich.
Dieser Unterschied mache sich auch innerhalb des Kollegiums bemerkbar. Während an manch anderen Schulen jeder für sich arbeite und sich zum Teil ungern in die Karten schauen lasse, gebe es an der KGS mehr Teamgeist und viele gehen von sich aus auf den anderen zu, um ihm mit guten Ideen und Unterrichtsentwürfen auszuhelfen. „Es ist ein ganz anderer Zusammenhalt und wir entlasten uns gegenseitig. Auch über das Fachliche hinaus. Dadurch gibt es auch mehr Kommunikation mit den Schülern“, machte Böhlendorf deutlich.

Auch Schulleiter Rainer Jakobi kam 2011 auf eigenen Wunsch von der Haupt- und Realschule Hattorf an die KGS und schätzt die Gesamtschule. „Natürlich haben wir einen guten Draht zu allen Nachbarschulen, was wichtig ist“, machte er deutlich. Doch dass aus seinen aktuell etwa 770 Schülern nach den Sommerferien mehr als 800 werden könnten, spreche eben auch für die KGS. Einen großen Anteil an diesem Zuspruch hat die seit diesem Schuljahr endlich eingerichtete Oberstufe. „Das durchzudrücken war für mich ein persönliches Berufsziel“, gab er zu. Allerdings noch lange kein Grund, sich auf dem Erfolg auszuruhen. Im Sommer soll mit der Renovierung der gesamten oberen Etage begonnen werden. „Dort gibt es Räume, in denen seit der Gründung der Schule, also seit über 40 Jahren nichts passiert ist“, sagte er. Nur baulich nichts passiert, meinte er natürlich.


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