Geschrieben von Boris Janssen am 20. Juli 2015
Tschüss!
Die Grundschule Bartolfelde hat ihr allerletztes Fest gefeiert – und was für eines









Zum Schluss hat es die Grundschule Bartolfelde noch einmal richtig krachen lassen. Und das ganze Dorf hat mitgefeiert. Das jährliche Sommerfest am Freitag (17.07.2015) wurde zur großen Abschiedsparty – mit buntem Programm, jeder Menge Actionspaß, vielen Dankesworten, lebendigen Erinnerungen und, ja klar, der einen oder anderen Träne.
Die Veranstaltungen der kleinsten Grundschule der Stadt waren ja schon immer sehr gut besucht, die allerletzte aber zog noch einmal ganz besonders. „Wild Wild West“ hatten die Organsiatoren von Schule sowie Eltern- und Förderverein als Thema auserkoren und natürlich für die passende Unterhaltung gesorgt – vom Bullriding bis zum Hufeisenwerfen. Selbst das Glücksrad verbreitete Western-Atmosphäre und manch Gast hatte sich zum Anlass stilecht gewandet. Der Schulhof wirkte zwar teilweise ein wenig leer, das lag aber an der knallenden Sommersonne: Die Menschen drängten sich unter die schattenspendenden Pavillons – äh, sorry – in den Räumlichkeiten des Saloons oder reihten sich in der Turnhalle in die Schlangen für die Actionspiele.
Wie gewohnt hatten die Kinder auch wieder ein großes Programm mit Liedern und Sketchen einstudiert – fröhlich, bunt und mit Flitterregen. Sie präsentierten sich stolz und selbstbewusst, von wegen hinterwäldlerische Dorfschule: Hier zeigte sich eine starke, harmonische Gemeinschaft. Die Bestand über die Jahre auch bei den Erwachsenen im Hintergrund, dem Lehrerkollegium, dem Förderverein, den Kooperationspartnern des offenen Ganztagsbetriebs, den vielen Helfern und Betreuerinnen, Spendern und Sponsoren. Das schlug sich denn in einer langen Reihe von Dankesworten nieder. Natürlich gab es dabei den einen oder anderen Seitenhieb auf die Lokalpolitik, insgesamt aber war der Blick nach vorne gerichtet.
Förderverein will weitermachen
Und so hat der Förderverein der Grundschule für dieses letzte Fest nicht etwa sein gesamtes Geld auf den Kopf gehauen, wie vielleicht einige argwöhnen. Ganz im Gegenteil: Unter anderem mit dem Verkauf des ersten und zugleich letzten Grundschul-Jahrbuchs sammelte der Verein fleißig weiter. Die Vorsitzende Nicole Nießen kündigte eine Satzungsänderung an. Der Verein wolle weiter für die Bartolfelder Kinder da sein, auch losgelöst von der Schule. Es soll auch in Zukunft große Feste und kulturelle Veranstaltungen in Bartolfelde geben.
Am sichtbarsten von den Emotionen überrollt war Schulleiterin Nicole Kahlert-Pendzialek. Sie ließ ihre vorbereitete Rede Rede sein, bevor sie vollends in Tränen ausgebrochen wäre. Man verabschiede sich ja jedes Jahr von den Viertklässlern, sagte sie stattdessen am Rande. „Aber dieses Mal verabschieden wir uns von noch viel mehr.“ Die Grundschule sei so etwas wie ein Dorfmittelpunkt gewesen. „Zu den Weihnachtsfeiern kamen die Omis schon Stunden vorher und haben auf den Einlass gewartet – egal, ob sie überhaupt Enkel in dieser Schule hatten.“
Der endgültig letzte Schultag in Bartolfelde am Mittwoch (22.07.2015) soll ganz normal ablaufen, ohne weitere Feier. „Um Zehn gibt es die Zeugnisse, dann kommt der Bus – und das war’s.“ Danach muss das Gebäude bis Ende August geräumt werden, dann zieht der Käufer mit seinem Unternehmen ein und will hier Drohnen fertigen und in der Turnhalle testfliegen. Kahlert-Pendzialek wechselt als Leiterin zur Grundschule Barbis und darf im nächsten Jahr auch hier die Türen abschließen.
Schulträger glänzt mit Abwesenheit
Enttäuscht waren so Einige von den Ratsmitgliedern und der Stadtverwaltung – speziell an diesem Nachmittag. Außer Volker Hahn (parteilos), Fritz Vokuhl (Grüne) und Axel Peter (SPD) war, als einzige von den Befürwortern des Hausberg-Beschlusses, nur noch Gudrun Teyke (SPD, ehrenamtliche stellvertretende Bürgermeisterin) gekommen. Freilich wäre der Empfang sicher nicht der Allerwärmste gewesen, aber für die offizielle letzte Veranstaltung hätte sich wohl ein bisschen mehr Anerkennung seitens des Schulträgers gehört. Zumal Lehrerin Doris Eckhold im Auftrag der Landesschulbehörde noch ihre Urkunde zum 40. Dienstjubiläum überreicht bekommen sollte.
So übernahm das Nicole Kahlert-Pendzialek halt selber. Dann wischte sie sich die Tränen ab, sammelte ihre Autorität zusammen und befahl: „Jetzt habt Ihr alle richtig Spaß!“ Und die Bartolfelder hörten das letzte Mal auf ihre Schulleiterin.