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Geschrieben von ski am 10. Juli 2011

Aktuell

Das Hotel am Wiesenbeker Teich

Seit vielen Jahren ist das Hotel am Wiesenbeker Teich dem Verfall preisgegeben. Wem gehört es? Was passiert nun damit - oder, besser gefragt, warum passiert nichts?

Längst verblichene Pracht: Das Hotel am Wiesenbek
Längst verblichene Pracht: Das Hotel am Wiesenbek
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Die Gebäuderückseite
Die Gebäuderückseite
Der Imbiss
Der Imbiss
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Es ist ein heißer Junitag, als ich mich zum Hotel am Wiesenbeker Teich aufmache. „Ein Schotte soll es gekauft haben“, so sagen mir die Lauterberger, die ich gefragt habe, aber Genaueres weiß niemand. „Er soll da auch wohnen“, sagen die einen, „Unsinn, da wohnt doch keiner“, sagen die anderen, „Man hört aber doch manchmal Hunde bellen“, meinen die Dritten. Nur, dass es eine Schande sei, wie es da heute aussehe, darüber herrscht Einigkeit bei den Bürgern. Viele schwärmen heute noch davon, wie das Hotel früher gewesen sei; ein Anziehungspunkt für die ganze Gegend, ein beliebtes Ausflugsziel nicht nur für die Touristen. Wenn man von der anderen Seite des Wiesenbeker Teiches herüberblickt, kann man sich das gut vorstellen. Romantisch liegt das weiße Gebäude am See, und scheint hinter den Bäumen hervor. Doch aus der Nähe betrachtet, versteht man auch das Kopfschütteln der Bürger - „Das kann man heute doch nur noch abreißen“, so die einhellige Meinung.

Romantik: nur noch im Verfall

Von Nahem ist der Verfall offenkundig, das traumhafte Gelände längst überwuchert. Ein Sammelsurium an altem Mobiliar und Gegenständen verstaubt in dem Teil, in dem man früher seinen Kaffee trinken und über den See blicken konnte. Alles sieht aus, als wäre seit Jahren niemand mehr innen gewesen. Bis auf das Summen der Insekten ist alles vollkommen still, von Hundegebell keine Spur. Doch man hat mir versichert, dass der Besitzer wirklich hier leben soll. Ich trete unter das, was vom Vordach noch übrig ist, und drücke sogar auf den Klingelknopf – erwartungsgemäß passiert überhaupt nichts.

Also gehe ich um das ganze Hotel herum. Auf der Rückseite befindet sich ein weiterer Eingang, und auf mein Rufen hin kommt tatsächlich Sean Moncur, der schottische Käufer des Gebäudes, heraus.

Ein großer, drahtiger Mann mit Dreitagebart, in verstaubter Arbeitskleidung, mit freundlichem Lächeln und einer leisen Stimme. Sein schottischer Akzent ist viel geringer, als ich erwartet hatte, und er willigt ein, sich mit mir zu unterhalten.

Von großen Plänen und dem kleinen Imbiss

Doch, bezahlt habe er das Hotel inzwischen schon, antwortet er auf meine Nachfrage. Warum denn dann seit drei Jahren keinerlei Fortschritt zu erkennen sei? Es habe eben viele Probleme gegeben, familiäre und gesundheitliche Probleme. Er habe auch den Fehler gemacht, zu glauben, dass die Finanzierung für die notwendige Renovierung leichter zu bekommen sei, aber die Verhandlungen bei den Banken seien erfolglos gewesen. Doch er rechne fest damit, das Hotel irgendwann wieder zu eröffnen. Er wolle mit seiner Familie hier bleiben. Wovon sie leben? Es sei schon schwierig, räumt er ein. Sie hätten bislang von Erspartem gelebt, das sie noch aus Schottland haben. Auch die laufenden Rechnungen würden bezahlt, na ja, jedenfalls meistens. Wenn er keine Finanzierung von den Banken bekomme, werde er zur Not das Geld für die Renovierung des Hotels von einem schottischen Bekannten aufnehmen. Es müsse viel gemacht werden, die Heizung, die ganzen Badezimmer müssten renoviert werden, die Ausstattung erneuert werden. Er arbeite an der Renovierung, so gut es eben gehe. Letzten Monat, so erzählt er, sei sein erwachsener Sohn aus Schottland gekommen, der helfe ihm dabei. Mit ihm zusammen wolle er nun zumindest den Imbiss vor dem Hotel wieder eröffnen, er rechne in einem Monat damit. Derzeit bemühe er sich um die notwendige Genehmigung in Osterode.

Es gefalle ihm gut dort oben, es sei ihm nicht zu einsam, denn er genieße die Natur. Er sei vor kurzem abends einem Luchs begegnet, wo könne man so etwas schon erleben? Die Natur im Harz finde er noch schöner als in Schottland.

Ein Foto von ihm darf ich leider nicht machen, er hasse das, erklärt Moncur. Er verabschiedet sich freundlich von mir und lässt mich ratlos zurück.

Dornröschenschlaf und kein Ende in Sicht

Was ist von all dem zu halten? Wer den Zustand des Hotels gesehen hat, kann nicht daran glauben, dass sich bald irgendetwas daran ändern wird, so gerne man das auch sähe. Realistisch erscheinen mir jedenfalls die Pläne von Sean Moncur nicht – nach allem, was ich gesehen habe, kann ich mir kaum vorstellen, dass sich an der Situation bald irgendetwas ändern wird. Ein finanzstarker und tatkräftiger Investor wäre hier gefragt – bislang ist jedoch kein solcher in Sicht. Und so wird das Hotel am Wiesenbeker Teich wohl weiterhin verfallen und brachliegen, zum Verdruss von Einheimischen und Touristen.

 

 


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