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Geschrieben von Firouz Vladi (ArGe Burgruine Scharzfels) am 11. November 2015

Aktuell

Eleonore von dem Knesebeck gewürdigt

ArGe Burgruine Scharzfels hat Gedenktafel zu Erinnerung an die berühmte Gefangene und ihre Flucht enthüllt

Die Schauspielerinnen Jill Balcon (links) als Eleonore von dem Knesebeck und Joan Greenwood als Prinzessin Sophie-Dorothea in dem britischen Film „Saraband for Dead Lovers“ (1948).
Die Schauspielerinnen Jill Balcon (links) als Eleonore von dem Knesebeck und Joan Greenwood als Prinzessin Sophie-Dorothea in dem britischen Film „Saraband for Dead Lovers“ (1948).
Brigitte Götz vor der Gedenktafel.
Brigitte Götz vor der Gedenktafel.

„Der Churfürst hat mich hergebracht, durch seine Tyranney und Macht
doch Gottes Macht ist größer, die öffnet Thür und Schlösser.“

Eleonore von dem Knesebeck, aus altem niedersächsischem Adelsgeschlecht um 1655 geboren, war Zofe der Prinzessin Sophie Dorothea von Celle, der Ehefrau des Erbprinzen, späteren Kurfürsten von Hannover und Königs von England Georg I. Als Vertraute der Prinzessin war sie eingebunden in deren verhängnisvolle Liebesbeziehung zu dem Grafen Philipp-Christoph von Königsmarck. Nachdem der Skandal aufgeflogen und der Liebhaber auf höchstes Geheiß ermordet worden war, wurde Eleonore als Mitwisserin einer Staatsaffäre am 3. Februar 1695 auf der Burg Scharzfels – damals kurhannoversches Staatsgefängnis – eingekerkert, ohne Gerichtsurteil und bei völliger Kontaktsperre.

Nun war das Kurfürstentum bereits so etwas wie ein Rechtsstaat, das heißt ohne Urteil eines Gerichts durfte niemand ins Gefängnis geworfen werden. Eleonore, die sich nichts zu Schulden kommen lassen hatte, erlitt also schlimmes Unrecht. Deshalb soll ihrer durch eine Tafel gedacht werden, die von der Arbeitsgemeinschaft (ArGe) Burgruine Scharzfels am Samstag (07.11.2015) auf der Oberburg, etwa acht Meter unter der damaligen Haftzelle, eingeweiht worden ist.

 

Die Affäre in Literatur und Film

Grußworte sprachen die stellvertretende Bürgermeisterin Gudrun Teyke, Oberstudiendirektorin Brigitte Götz vom Gymnasium Herzberg und Inger Schweer, Didaktische Leiterin der KGS Bad Lauterberg. Die Schulen nämlich wollen sich stärker entlang des Karstwanderwegs in Landschaft und Geschichte einbinden. Als Sponsor der Tafel sprach Dr. Stefan Flindt vom Rotary Club Bad Lauterberg-Südharz, auch im Namen von Dr. Andreas Philippi als Initiator für eine Gedenktafel. Veranstaltet von der ArGe folgte der Enthüllung ein szenischer Vortrag von Dr. Friedrich Seven, unterstützt von Almut Wilms, über Leben und Wirken der Eleonore. Ehepaar Annett und Rolf Illert von der Schlossberghütte versorgte die etwa 30 Gäste mit leckeren Franzbrötchen und Kaffee.

Zuvor hatten Dr. Sigrid Vogel und Firouz Vladi den geladenen Gästen im Herzberger Kino ausgewählte Szenen aus dem britischen Spielfilm „Saraband for Dead Lovers“ aus dem Jahre 1948 gezeigt und erläutert. Er war bei der Oscarverleihung 1950 in der Kategorie Bestes Szenenbild nominiert. Der Film ist eine Adaptation des Buches Saraband for Dead Lovers (1935) der australischen Schriftstellerin Helen Simpson. Deutscher Kinostart mit dem Titel „Königsliebe“ war im November 1949. Er bildet mit der Verfilmung der Königsmarck-Affäre den historischen Hintergrund ab, vor dem sich die Rolle der Eleonore entwickelte. Von ihr selbst ist kein historisches Bildnis erhalten geblieben, umso sympathischer wurde sie im Film durch die Schauspielerin Jill Balcon verkörpert. Der Dank der Arbeitsgemeinschaft galt daher besonders den Central-Lichtspielen Herzberg, die als Sponsor Raum und Technik unentgeltlich zur Verfügung stellten.

 

Flucht nach fast drei Jahren

Die ersehnte Flucht gelang Eleonore von dem Knesebeck übrigens mit Hilfe ihrer Familie, Aurora von Königsmarck (der Schwester des im Leineschloss ermordeten Grafen) und des Herzberger Dachdeckers Hans Veit Rentsch am frühen Morgen des 5. November 1697. Mit der Kohle ihres Ofens hatte Eleonore die Wände der „Fürstenstube“ beschrieben:

„Zerbrich, zerbrich Schlösser, Thüren, starker Gott, zerschmettre Du Riegel, Mauern, laß mich führen Deine Engel, dass ich nu Mit Dir kann vom Felsen springen, las’ den Wächtern nicht gelingen diese meine Flucht zu sehen. Wie Elias las’ mich gehen.“


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