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Geschrieben von Boris Janssen am 12. Oktober 2012
Aktuell

„Wir wollen es gemeinsam schaffen“

Der Krippenanbau am Barbiser Kindergarten steht auf der Kippe. Die Kirchengemeinde sucht nach Möglichkeiten, die Kosten zu senken – und erwartet von der Stadt ein klares Signal der Unterstützung.

Die Barbiser St. Petri-Gemeinde beschränkt sich nicht nur aufs Kirchliche. Mit dem Kindergarten möchte sie etwas für die Familien und Kinder im Dorf tun.
Die Barbiser St. Petri-Gemeinde beschränkt sich nicht nur aufs Kirchliche. Mit dem Kindergarten möchte sie etwas für die Familien und Kinder im Dorf tun.

In der Sache sind sich die evangelische Kirchengemeinde Barbis und Bürgermeister Dr. Thomas Gans ja einig. Alle wollen, dass der Barbiser Kindergarten eine Krippengruppe bekommt. Doch nun ist eine heiße Diskussion um die Kosten entfacht – und durch ein Veto aus dem Rathaus steht das ganze Projekt auf der Kippe. Die Stadt habe schlicht und ergreifend kein Geld, die geplanten Kosten seien viel zu hoch, sagte der Bürgermeister am 27.09.2012 in der Einwohnerfragestunde nach der Ratssitzung.

Seit dieser denkwürdigen Sitzung in Osterhagen steht eine große Zahl im Raum: eine halbe Million. 500.000 Euro. Ganz so teuer würde es die Stadt dann allerdings doch nicht kommen. Die Kostenaufstellung sieht „nur“ 472.000 Euro vor und es stehen knapp 167.000 Euro Fördermittel bereit. Bleiben 305.000 Euro, für die letztlich die Stadt geradestehen müsste.

 

Keine Zuschüsse von der Landeskirche

Für den Verwaltungschef kommen solche Ausgaben angesichts der katastrophalen Haushaltslage nicht in Frage: Trotz aller Sparbemühungen und der jüngst beschlossenen Steuererhöhungen ist ein ausgeglichener Haushalt noch nicht einmal in Sicht. Natürlich wäre er glücklich über eine Krippengruppe in Barbis, sagte Thomas Gans bei einem Pressegespräch nach der Ratssitzung. Aber er bekräftigte seine Kritik an den Kosten. Er verwies auf die Fördergelder und stellte fest: „Wenn es am Ende 200.000 Euro kosten würde, würde ich ja nicht diskutieren. Aber die vorliegenden Pläne sind viel zu teuer.“ Zumal die Gelder an Dritte fließen würden. Außerdem ärgert es den Bürgermeister, dass die Landeskirche nichts zum Umbau beitragen wolle.

Diese Argumente ärgern wiederum die Kirchengemeinde. Es stimmt zwar, dass die Landeskirche keinen Zuschuss zum Anbau gewährt. Und die Vorsitzende des Barbiser Kirchenvorstands Gerlind Gottschling sagt auch: „Ich finde das nicht richtig.“ Aber die Landeskirche trägt seit jeher einen Anteil an den laufenden Kosten: Derzeit zahlt sie für den Kindergarten in Barbis 26.000 Euro im Jahr, was laut Kirchenkreis Osterode neun Prozent der Kosten entspricht. Der Anteil der Stadt beträgt dieser Rechnung zufolge 59 Prozent.

Pastor: Gemeinde nimmt staatliche Aufgaben wahr

Richtig irritierend findet Pastor Dr. Roman Vielhauer die Aussage, das Geld ginge an Dritte: „Wir bekommen das Geld ja nicht für uns. Wir nehmen damit staatliche Aufgaben wahr, die eigentlich die Stadt erbringen muss.“ Die Stadt habe der Gemeinde das Grundstück zwar geschenkt, aber mit der Maßgabe, dort einen Kindergarten zu errichten. Sollte die Gemeinde eines Tages einmal nicht mehr Träger des Kindergartens sein, ginge das Grundstück samt Gebäude wieder zurück an die Stadt.

Was die Höhe der Kosten angeht, sind die Barbiser inzwischen etwas ratlos. In einer ersten Planung waren Kosten von 750.000 Euro vorgesehen. Sie basierte auf einem Beschluss des Verwaltungsrates vom Dezember 2008. Zu dem Zeitpunkt sollten die beiden bestehenden Regelgruppen erhalten bleiben und eine Krippengruppe dazukommen. „Im Februar 2012 sind wir dann von der Stadt gebeten worden, die Planung zu ändern“, erklärt Gottschling. Begründung: zu teuer und geringerer Bedarf. Jetzt sollen es eine Krippengruppe mit 12 bis 15 Plätzen und eine Regelgruppe mit je 25 Plätzen am Vor- und am Nachmittag werden. Nun kommt das Architekturbüro auf die besagten 472.000 Euro.

Kosten enthalten ohnehin notwendige Sanierung

„Da ist kein Luxus drin verplant“, versichert Pastor Vielhauer. Bei einem Kindergarten- und Krippenbau müssten aber viele gesetzliche Vorgaben, Mindestgrößen und Sicherheitsstandards eingehalten werden – und das kostet mehr, als ein Eigenheim auszustatten. Das 209 Quadratmeter große Gebäude soll um einen 149 Quadratmeter großen Anbau erweitert werden. Der soll einen Gruppenraum, Schlaf-, Wasch- und Wickelräume, Abstellflächen für Kinderwagen, Garderobe und einen neuen Eingangsbereich umfassen. Außerdem ist in der Planung die Sanierung des Altbaus einbezogen. Sie schlägt mit fast 110.000 Euro zu Buche, und sie wäre ohnehin fällig. Die Heizungsanlage muss erneuert, die bestehenden Räume müssen an inzwischen geänderte Bestimmungen angepasst und der belastete Boden auf dem Grundstück sollte Empfehlungen zufolge bis 30 Zentimeter Tiefe ausgetauscht werden. Damit verbunden müsste auch an die Außenanlagen Hand angelegt werden. „Wir haben extra mit diesen Arbeiten gewartet, damit man alles in einem Rutsch erledigen kann – auch, weil es dann billiger wird“, erklärt Vielhauer. Im Endeffekt koste der reine Krippenanbau der Stadt also nur 200.000 Euro.

Nach dem deutlichen Nein aus dem Rathaus macht sich die Kirchengemeinde jedoch weiter Gedanken, wie sie Kosten senken könnte. „Vielleicht kann man ja auf den Bodenaustausch verzichten, wenn uns der Landkreis versichert, dass die Belastung unbedenklich ist“, sagt Vielhauer. Und vielleicht könnte man auf die für Krabbelkinder sinnvolle, aber nicht unbedingt nötige Fußbodenheizung verzichten, obwohl sie eine Anregung aus der Stadtverwaltung war.

Bau müsste noch 2012 beginnen

Allerdings drängt allmählich die Zeit. Damit die zugesagten Fördergelder fließen können, müsste der Bau noch in diesem Jahr beginnen. Und ab August 2013 besteht der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz auch für Kinder ab dem ersten Geburtstag – ab diesem Zeitpunkt müsste die Stadt Tagesmütter bezahlen, wenn es nicht genug Krippenplätze gibt.

Genau davon könne man ausgehen, erklärt Ilse Sauer-Illhardt, Leiterin des Barbiser Kindergartens. „Wir haben schon zehn Anfragen für Krippenplätze. Der Bedarf ist also da.“ Außerdem sei es auch auf dem Dorf wichtig, einen Kindergarten zu haben, findet sie. Schließlich gebe es Familien, die keine Fahrmöglichkeit hätten. Und das seien häufig jene Familien, „um die wir uns Sorgen machen, die wir mit unseren Angebot erreichen möchten“, ergänzt Gerlind Gottschling. Denn eine Krippe könne eine wichtige soziale Funktion haben: Kinder so früh wie möglich optimal zu fördern. „Es heißt ja nicht umsonst Kinderfördergesetz und nicht Kinderbetreuungsgesetz.“

Besondere Bedeutung für die Gemeindearbeit

Der Kindergarten habe für die Barbiser Gemeindearbeit eine besondere Bedeutung, betont Friedrich Deppe, ebenfalls Mitglied des Kirchenvorstands. Im Grunde stehe diese Einrichtung sogar an erster Stelle. Als es ums Sparen ging, habe sich die Gemeinde bewusst für den Verkauf des Pfarrhauses entschieden, nicht etwa gegen den Kindergarten.  

Jetzt möchte die Gemeinde vor allem eines: Ein klares Signal vom Bürgermeister und vom Stadtrat, dass die Barbiser Krippe gewollt ist. „Wir haben immer das Gespräch gesucht“, sagt Pastor Vielhauer. „Nun möchten wir ein Zeichen, dass wir es gemeinsam schaffen wollen.“ Die Kirchengemeinde jedenfalls ist schon mal bereit – Friedrich Deppe verspricht: „Unsere Türen stehen weit offen.“


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