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Geschrieben von ski am 01. Januar 2016
Aktuell

Ich bin ein kleiner König....

„Pöhlde ist 'ne große Stadt“: früher zogen die Kinder an Silvester von Haus zu Haus

Zu Silvester gibt es viele Traditionen, nicht nur das Feuerwerk. Eine davon: das Silvestersingen
Zu Silvester gibt es viele Traditionen, nicht nur das Feuerwerk. Eine davon: das Silvestersingen

Joachim Pätzmann erinnert sich an das Lied vom kleinen König: „Mit dem Lauterberger Bettellied zogen wir in unserer Kindheit  zu Silvester von Haus zu Haus, um Süßigkeiten, Nüsse, Äpfel  oder ein paar Pfennige zu erbetteln.  Leider scheint dieser alte Brauch auszusterben, es sind kaum noch singende Kinder zu Silvester mit diesem Lied anzutreffen……. Schade.
 
Ich erinnere mich heute noch gerne an meine Kindheit, als ich mit den Nachbarskindern in der Reuterstraße unterwegs war, um dieses Lied zu singen. In unseren Stoffbeuteln sammelte sich der Lohn für unseren Gesang.“

Das Lied ging so:

„Ich bin ein kleiner König,
gib mir nicht zu wenig.
Lass` mich nicht so lange steh’n,
ich muss noch viele weiter geh’n.
Nach Pöhlde, nach Pöhlde,
Pöhlde ist `ne große Stadt,
da geb`n mir alle Leute watt.“

An diesen Brauch erinnert sich auch Lilli Gans: „Die älteren Kinder haben sich damals verkleidet, die kleinen nicht.“  Sie kennt noch ein weiteres Lied, das dabei gesungen wurde:  


Es geht 'ne goldne Schnur ums Haus
Frau Apel schaut zum Fenster raus
die wird sich wohl was denken
und uns ein wenig schenken.

Gudrun Teyke erzählt: „Das war immer eine ganz wichtige Sache für mich. Ich habe nie Taschengeld bekommen, das war damals einfach nicht möglich. An Silvester bin ich durch ganz Lauterberg gelaufen, auch den Weinberg und den Kummel hoch, und habe mir so das Taschengeld für das gesamte Jahr ersungen“.

Sie erinnert sich aber auch noch daran, dass zu den bitterarmen Nachkriegszeiten an Silvester auch manche Erwachsene im Dunkeln von Haus zu Haus zogen: man verkleidete sich, und machte das nicht unbedingt in der eigenen Straße, denn man wollte nicht erkannt werden. „Die Erwachsenen gingen dorthin, wo gefeiert wurde, und sangen und spielten, z.B. auf der Ziehharmonika, und bekamen dafür etwas zu essen und auch einen Schluck zu trinken“.

Die Kinder dagegen sangen ihre Bettellieder vor dem Haus und sammelten die Ergebnisse, hauptsächlich Nüsse, Äpfel und ab und zu einen Groschen, in einem Stoffbeutel.

Gudrun und Dieter Teyke erinnern sich noch an ein anderes Bettellied:

Rot Gewand, rot Gewand
und so schöne Linden
suchen wir, suchen wir
bis wir etwas finden.
Gehen wir in den grünen Wald
singen die Vögel jung und alt
man hört ihre Stimmen.
Frau Wirtin, sind Sie drin, sind Sie drin,
so kommen Sie raus
und teilen Sie Ihre Gaben aus.
Der Herr ist gut, der Herr ist gut,
die Frau ist wie ein Engel.

Wenn aber mal jemand nichts geben wollte, sangen die Kinder auch:

Weißer Zwirn, schwarzer Zwirn,
geizige Leute geben nicht gern 
(beziehungsweise:  Frau Sowieso, die gibt nicht gern).

Die Tradition des Silvestersingens (das an anderen Orten an Neujahr gemacht wurde) ist in den letzten Jahren zunehmend eingeschlafen. Zumindest zu Silvester 2014 waren aber in Bartolfelde noch Kinder unterwegs, vor einigen Jahren auch noch im Stadtteil Aue.

Wer von unseren Lesern kann sich noch an weitere Bettellieder erinnern? Warum galt eigentlich ausgerechnet Pöhlde als „'ne große Stadt“? Und wo wird in unserer Gegend diese Tradition des Silvestersingens heute noch gepflegt?


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