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Geschrieben von ski am 22. Januar 2016
Aktuell

Warum eine gebrochene Rippe beim Herzstillstand kein Beinbruch ist

...und was Reanimation mit dem Radetzkymarsch zu tun hat: Johannes von Borstel las aus „Herzrasen kann man nicht mähen“

Voller Körpereinsatz bei der Herzmassage...
Voller Körpereinsatz bei der Herzmassage...
und beim Tanzen von Extrasystolen
und beim Tanzen von Extrasystolen
Das Team der Buchhandlung Moller konnte sich über großes Publikumsinteresse an den Büchern freuen...
Das Team der Buchhandlung Moller konnte sich über großes Publikumsinteresse an den Büchern freuen...
...und Johannes von Borstel machte sein Versprechen wahr, wirklich alles für jeden zu signieren
...und Johannes von Borstel machte sein Versprechen wahr, wirklich alles für jeden zu signieren

Der Besucherandrang am Donnerstag (21.01.2016) war enorm, und vom Team der Kirchbergklinik wurden Stühle noch und nöcher herangeschleppt, bis der Raum wirklich bis auf den letzten Winkel gefüllt war. Dr. med. Ernst Knoglinger, der ärztliche Direktor der Kirchbergklinik, stellte den Buchautor Johannes von Borstel vor und versprach unterhaltsam dargebotenes und fundiertes Wissen. Und die vielen Zuschauer wurden nicht enttäuscht, denn bei dieser Autorenlesung wurde wirklich etwas geboten: mit vollem Körpereinsatz tanzte Johannes von Borstel vor, wie etwa Vorhof- und Kammerflimmern aussieht, demonstrierte, wie es sich zu Musik von den BeeGees („Stayin Alive“), den Backstreet Boys („Quit playing games with my heart“) oder dem Radetzkymarsch reanimiert, und erzählte nebenher, wie er als fünfzehnjähriger Praktikant in der Notaufnahme freundliches Krankenhauspersonal zu einem wütenden Mob mutieren ließ.

Der 27-jährige hat bereits früh entdeckt, dass seine Liebe der Kardiologie gilt („mein Herz schlägt für das Herz“) und darüber ein gleichermaßen lustiges wie informatives Buch geschrieben. Zwar hat er am Donnerstagabend dem interessierten Publikum das „Sex-Kapitel“ vorenthalten, tröstete jedoch mit der Schilderung seines gescheiterten Selbstversuchs, ein „Runner's High“ herbeiführen zu wollen. Er gab praktische Tipps zur Reanimation und erklärte anschaulich, weswegen die neuen Richtlinien keine Beatmung mehr vorsehen (die Bebilderung wird dem Publikum sicher in Erinnerung bleiben) und weswegen sich der Radetzkymarsch so gut eignet, um den richtigen Rhythmus bei der Herzdruckmassage beizubehalten. Auch erklärte er, warum niemand Angst davor haben muss, einen AED, also einen automatisierten externen Defibrillator anzuwenden (das sind die Geräte, die gelegentlich an öffentlichen Plätzen hängen). Und wer den richtigen Ansatzpunkt für die Herzdruckmassage gefunden hat (nämlich „between the nipples“ – außer bei Sonderfällen wie Rainer Calmund), der muss sich auch keine Sorgen machen, wenn es bei den fünf bis sieben Zentimetern Drucktiefe mal knackt: „Beim Herzstillstand ist eine gebrochene Rippe kein Beinbruch“. Borstel, der die Lacher immer auf seiner Seite hatte, konnte sich nicht nur über ein zahlreiches, sondern auch äußerst interessiertes Publikum freuen, das im Anschluss an die Lesung nicht nur fleißig Bücher kaufte, sondern auch die Gelegenheit nutzte, um sie sich signieren zu lassen.

Zu der unterhaltsamen Lehrstunde hatte die Buchhandlung Moller geladen und einen passenderen Ort als die Kirchbergklinik mit ihrem kardiologischen Schwerpunkt hätte es auch nicht geben können. Wer Johannes von Borstel live gesehen hat, kann sich leicht erklären, weswegen sein Buch in den Bestsellerlisten ist und warum er bei den Science Slams gut ankommt. Fundiertes Fachwissen kann eben auch unterhaltend sein.


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