Geschrieben von ski am 16. Februar 2016
„Traurig, enttäuscht und wütend“
Infoabend zur Flüchtlingshilfe: die Koordinatoren fühlen sich vom Landkreis im Stich gelassen

Das Café Amadeus war am Montagabend rappelvoll, als der Kinderschutzbund als Koordinator der Flüchtlingshilfe in Bad Lauterberg wieder zum Informationsabend geladen hatte. Neben vielen Lauterbergern, die sich bereits dort engagieren, waren auch etliche Geflüchtete anwesend.
Vieles gab es zu berichten über die Betreuung der rund 250 Flüchtlinge, um die sich der Kinderschutzbund ehrenamtlich kümmert. Sie werden von ehrenamtlichen Helfern in Empfang genommen, bekommen – so weit irgend möglich – Paten an die Seite gestellt und können an den Deutschkursen im Stadthaus teilnehmen, die an fünf verschiedenen Terminen pro Woche stattfinden und werden über die Kleiderkammer mit Kleidern, Schuhen und Küchenutensilien ausgestattet.
Kinderbetreuung während der Deutschkurse, ein Kulturtreff, aber auch die Betreuung der teilweise traumatisierten Neuankömmlinge, die Begleitung zu Ämtern und vieles mehr werden von rund 100 Helfern geleistet. Und das nicht nur zu Bürozeiten, wie Janka Eckhardt betonte: „Wenn es spätabends einen Hilferuf von Paten oder Flüchtlingen gibt, dann brauchen sie sofort Hilfe, nicht erst dann, wenn das „Büro“ wieder geöffnet hat, denn es geht hier um Menschen und nicht um irgendwelche Akten oder Güter, die verwaltet werden....“. Unzählige Stunden werden von den Ehrenamtlichen gestemmt, und das Stundenpensum der beiden Hauptakteure des Kinderschutzbundes, Janka Eckhardt und Michael Quendler, geht weit über ein Ehrenamt hinaus.
Daher zeigen sich Eckhardt und Quendler zutiefst enttäuscht und verbittert über die aus ihrer Sicht völlig unzureichende Unterstützung durch den Landkreis, der bislang weder eine Entlohnung noch irgendeine Aufwandsentschädigung vorsieht. Auch die Entlohnung via Bufdi-Stellen (Bundesfreiwilligendienst) sei ihnen nicht angeboten worden. Stattdessen werde ein „Riesenbrimborium“ über die lächerliche Summe von rund 9.300 Euro gemacht, die der Landkreis nun auf alle sieben Flüchtlingshilfsorganisationen des Kreises verteilt. Für Bad Lauterberg verbleiben davon 1.334 Euro und 72 Cent, rechnete Pascal Simoleit von der Koordinierungsstelle für Migration und Teilhabe im Landkreis vor: „Das sind Mittel, die im Nachtragshaushalt des Landes noch freigeschaufelt worden sind, die kann man erst einmal für Erstattungen für Material nutzen“. Diese Summe sei blanker Hohn, finden Eckhardt und Quendler. Da tröstet auch nicht, dass dazu auch 14 Bücher für Sprachkurse geliefert wurden – bei rund 50 Teilnehmern im Kurs wahrlich nicht sehr hilfreich, befand Quendler.
Für den ganzen Landkreis wird es demnächst zwei Stellen für Flüchtlingssozialarbeiter geben, die primär die Ehrenamtlichen unterstützen sollen. Davon wird eine im Jugendbildungshaus in Tettenborn angesiedelt und für Bad Sachsa, Walkenried und Bad Lauterberg zuständig sein. Simoleit betonte, dass es nicht möglich sei, dass der Landkreis noch jemanden einstelle: „Es sind keine Planstellen vorhanden“. Doch, so befindet Janka Eckhardt: „Es hätte viel mehr Geld und Stellen geben können, wenn der Landkreis sich darum bemüht hätte, zum Beispiel Koordinatorenstellen“. Dass die Arbeit der Ehrenamtlichen im gesamten Landkreis derart gering geschätzt werde, mache sie fassungslos, insbesondere wenn der Erste Kreisrat Gero Geißlreiter sich damit rühme, wie toll es im Landkreis mit den Flüchtlingen läuft: „Es wird gute Arbeit geleistet, denn nur dadurch, dass wir uns hier alle so sehr um die Flüchtlinge bemühen, ist es so ruhig im Landkreis“.