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Geschrieben von ski am 06. März 2013

Aktuell

Geld bei Stein auf Stein und dem Kinderschutzbund unterschlagen

Ein Vorstandsmitglied beider Vereine hat offenbar in die eigene Tasche gewirtschaftet - Schaden im vierstelligen Bereich

Zwei betroffene Vereine, beide im Stadthaus tätig: Stein auf Stein e.V. und die Ortsgruppe des Kinderschutzbundes
Zwei betroffene Vereine, beide im Stadthaus tätig: Stein auf Stein e.V. und die Ortsgruppe des Kinderschutzbundes
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Durch eine Selbstanzeige kam die Geschichte ins Rollen: bei den Bad Lauterberger Vereinen Stein auf Stein e.V. und dem Kinderschutzbund, Ortsgruppe Bad Lauterberg, wurden Gelder veruntreut.

Ein Vorstandsmitglied beider Vereine hat sich in einem Schreiben an die Staatsanwaltschaft Ende Februar selbst bezichtigt, wie die Polizei bestätigte. Die Ermittlungen wurden aufgenommen, Polizeisprecher Uwe Falkenhain konnte zum Erkenntnisstand jedoch noch nichts Näheres bekanntgeben.

Es handelt sich dabei um den ehrenamtlichen Geschäftsführer von Stein auf Stein e.V., Jens Spahn, der auch die Funktion des Kassenwarts beim Kinderschutzbund inne hat.

Klaus-Richard Behling, der Vorsitzende des Vereins Stein auf Stein e.V., der für seinen Gebrauchtkleiderverkauf im Stadthaus bekannt ist, zeigt sich schockiert. „Ich war perplex, das hätte ich nie vermutet“.

Flucht nach vorn vor der Kassenprüfung?

Im März hätte die Jahreshauptversammlung des Vereins angestanden, und davor natürlich auch eine Kassenprüfung. Möglicherweise wurde es daher für Spahn, der auch Prokura bei Stein auf Stein besaß, zu eng. Er ließ von einem Anwalt ein Schreiben an beide Vereine aufsetzen, in dem er Unregelmäßigkeiten einräumt und mitteilt, dass er aus gesundheitlichen Gründen sein Amt nicht weiter ausüben könne. Zusätzlich hat er sich selbst bei der Staatsanwaltschaft angezeigt.

Derzeit soll er in stationärer Behandlung sein, wo er sich genau aufhält, ist jedoch unbekannt, auch die Geschädigten konnten ihn nicht erreichen.

Klaus-Richard Behling hat für Stein auf Stein e.V. Strafantrag gestellt und die Vereinskonten gesperrt, aber wie groß der Schaden für den Verein ist, lässt sich derzeit noch nicht beziffern: „Wir müssen das Puzzle jetzt Stück für Stück zusammensetzen“. Noch im März soll es eine außerordentliche Hauptversammlung des Vereins geben.

Im Jahr 2011 hatte die Mitgliederversammlung nach dem krankheitsbedingten Ausscheiden der inzwischen verstorbenen langjährigen Vorsitzenden Christa Kumetat den Vorstand neu- und dabei Jens Spahn zum Geschäftsführer gewählt. Dieser habe schon früher bei Frau Kumetat mitgearbeitet, so Behling, und als völlig integrer und sozial engagierter Mann gegolten, der sich stets für den Verein, aber auch für andere soziale Zwecke eingesetzt habe.

Auch personell fehlt der Geschäftsführer nun; dennoch wolle man die Boutique im Stadthaus auch künftig an Donnerstagen von 13 bis 17 Uhr offenhalten.

Auch bei Romana Spillner, der Vorsitzenden der Ortsgruppe des Kinderschutzbunds, sitzt der Schock tief: „Ich bin sehr bestürzt. Damit hat keiner gerechnet“. Der Betreffende habe immer als anständiger und engagierter Mann gegolten. Man habe intensiv mit dem Verein Stein auf Stein e.V. zusammengearbeitet und auch Konzepte entwickelt, um Jung und Alt zusammenzubringen. Schließlich ist auch der Kinderschutzbund in den Räumen des Stadthauses tätig. Aus dieser Zusammenarbeit habe es sich auch ergeben, dass der Geschäftsführer von Stein auf Stein seine Bereitschaft erklärt hatte, als der Kinderschutzbund letztes Jahr einen Kassierer suchte.

Konten gesperrt, Hausverbot erteilt, Anzeige erstattet

Im April 2012 war Spahn auf der Jahreshauptversammlung einstimmig zum Kassenwart gewählt worden. Im vierstelligen Bereich liegt die Summe, die er in diesem Amt veruntreut haben soll – genaueres weiß man jedoch erst nach der Kassenprüfung und Sichtung aller Unterlagen. Auch Spillner hat für den Kinderschutzbund Strafanzeige erstattet, die Konten gesperrt und Hausverbot erteilt.

In den nächsten Tagen, so kündigt die Vorsitzende an, wird die Mitglieder ein Brief erreichen, in dem der Termin für eine Informationsveranstaltung genannt wird. „Uns liegt an der lückenlosen Aufklärung, und die Mitglieder haben ein Recht darauf, informiert zu werden“. Im April steht auch beim Kinderschutzbund die Jahreshauptversammlung an; bis dahin müssen noch viele offene Fragen geklärt werden.

Sorgen um die Zukunft

Spillner sorgt sich um die Zukunft des Kinderschutzbunds Bad Lauterberg: „Wir haben immer um Mitglieder und Geld gekämpft. Meine Angst ist, dass wir nun Mitglieder und Spender verlieren und zumachen müssen.“ Doch der restliche Vorstand will dafür kämpfen, dass die Arbeit des Vereins weitergehen kann. Derzeit finden sich regelmäßig fünf Spielgruppen im Stadthaus zusammen, der Verein zählt 88 Mitglieder.

Menschlich jedenfalls, so Romana Spillner, sei sie tief enttäuscht: „Der hat ja nicht nur den Vorstand und die Mitglieder betrogen, sondern in erster Linie die Kinder“.

Bei beiden Vereinen herrscht nun die Sorge, dass das Ansehen in der Öffentlichkeit leiden wird und die Spenden ausbleiben könnten – auf die man nun, mehr denn je, angewiesen ist.


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