Geschrieben von ski am 11. April 2016
Ausgrenzung seit biblischen Zeiten
Dr. Klaus Winter und Hans Nebel referierten über die "vergessene Krankheit" Lepra
Ein Reisebericht ganz ohne touristische Fotomotive: bei dem Kulturkreis-Vortrag am Freitag, den 08. April zeigten Dr. Klaus Winter und Hans Nebel keine kitschigen Landschaftsbilder, sondern die ungeschminkte Realität von ehemals Leprakranken etwa in Indien oder China.
Im Mittelalter mussten die „lebenden Leichname“ mit einer Klapper Lärm machen, wenn sie sich näherten, um die Gesunden vor sich zu warnen. Sie waren mit einem Stock ausgestattet, um damit auf Gegenstände zu zeigen, die sie kaufen wollten – denn berühren durften sie die Ware nicht. In die Kirche durften sie auch nicht – die Kommunion empfingen sie durch das Hagioskop, den Lepraspalt. Der „Aussatz“, wie die Lepra genannt wurde, ist eine der ältesten beschriebenen Krankheiten. Bereits in der Bibel wird aber auch beschrieben, wie sehr die Erkrankten stigmatisiert wurden. Denn die Lepra wurde als Strafe Gottes für eine sündhafte Lebensführung betrachtet. Auch heute noch werden die 2-4 Millionen Menschen mit leprabedingten Behinderungen stark ausgegrenzt. Denn obwohl die Lepra seit den späten 60er Jahren mit einem Antibiotikacocktail heilbar ist und dieser sogar von der Pharmafirma Novartis kostenlos abgegeben wird, ist die Krankheit noch immer nicht ausgerottet. Das liegt möglicherweise auch an der langen Inkubationszeit, die von der Ansteckung bis zum Ausbruch einige Monate, aber auch bis zu 30 Jahre betragen kann. Die Ansteckung erfolgt durch intensiven, längerfristigen körperlichen Kontakt mit unbehandelten Erkrankten. Wichtig ist die Früherkennung und rechtzeitige Behandlung, denn die von der Lepra verursachten Schäden an Haut und Extremitäten sind nicht wieder rückgängig zu machen.
Für die Früherkennung, Therapie und Rehabilitation von Lepraerkrankten setzt sich seit vielen Jahren die Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte für Lepra- und Notgebieten ein. Ihr Vorsitzender, Dr. Klaus Winter, hat schon viele Hilfsprojekte in verschiedenen Ländern unterstützt und Hans Nebel hat ihn auf einigen seiner Inspektionsreisen begleitet.
Die rund 40 Zuhörer erlebten einen abwechslungsreichen Vortrag mit zahlreichen ausdrucksstarken Bildern. Wie groß die Armut und Ausgrenzung von den durch Lepra Behinderten in manchen Gesellschaften ist, wurde angesichts der Zustände klar, in denen die Betroffenen in Lepradörfern und ähnlichen Einrichtungen leben. Auch nach der Heilung bleiben die Behinderungen bestehen – die deformierten Hände und Füße etwa, die eine prothetische Versorgung erfordern.
Trotz der zurückgegangenen Erkrankungsrate gibt es also noch sehr viel Bedarf für die Arbeit des Hilfswerkes, das natürlich die an diesem Abend gesammelten Spenden erhält.
