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Geschrieben von Boris Janssen am 15. Juni 2016

Aktuell

Ein Wettbewerb mit acht Gewinnern

An der KGS Bad Lauterberg hat der wohl weit und breit erste Vorlesewettbewerb für SchülerInnen mit Lese-Rechtschreib-Schwäche stattgefunden

Gelöste Stimmung nach dem ersten L-R-S-Vorlesewettbewerb an der KGS: Die Moderatorinnen aus der 8G1 Enya Wiegmann (r.) und Lena Gabriel (2.v.r.) mit den Hauptpersonen des Vormittags:
Gelöste Stimmung nach dem ersten L-R-S-Vorlesewettbewerb an der KGS: Die Moderatorinnen aus der 8G1 Enya Wiegmann (r.) und Lena Gabriel (2.v.r.) mit den Hauptpersonen des Vormittags:
Cedrick Bock (6R2)
Cedrick Bock (6R2)
Domenic Sanio (10H1)
Domenic Sanio (10H1)
Angelina Schemonalist (6R1)
Angelina Schemonalist (6R1)
Imken Klapproth (5R2)
Imken Klapproth (5R2)
Franziska von Sondern (5R2)
Franziska von Sondern (5R2)
Fabian Jödicke (5R2)
Fabian Jödicke (5R2)
Maximilian Hassepaß (7R1)
Maximilian Hassepaß (7R1)

Ein Tisch und ein Stuhl mitten auf der großen Bühne. In den Sitzreihen davor so viele Zuschauer, dass sie sich nicht so schnell zählen lassen, bestimmt an die 200 – darunter sechs JurorInnen mit ihren Wertungsbögen. Schon die Hitze der Scheinwerfer lässt einen schwitzen. Und dann liegt da auf dem Tisch, gleich neben dem Mikrofon, dieses unbekannte Buch mit einem völlig unbekannten Text. Solch ein Vorlesewettbewerb würde wohl den meisten Menschen mächtig Lampenfieber verschaffen. Wie mag es sich erst anfühlen, wenn man genau weiß, dass einem das Lesen nicht ganz leicht fällt, weil man eine Lese-Rechtschreib-Schwäche hat – kurz LRS?

Acht Schülerinnen und Schüler haben sich am Montag (13.06.2016) an diese besondere Herausforderung gewagt – beim 1. L-R-S-Vorlesewettbewerb der Kooperativen Gesamtschule Bad Lauterberg (KGS). In einer ersten Runde stellten sie ein selbstgewähltes Buch vor und lasen daraus eine zweiminütige Passage. In der zweiten Runde wartete dann das unbekannte Buch auf sie, aus dem sie hintereinander weg jeweils weitere zwei Minuten vortragen sollten.

Alle acht meisterten die Aufgaben mit bewundernswerter Souveränität. Klar, Tempo und Betonung waren nicht so stark ausgeprägt. Aber die Jugendlichen stolperten nur selten über die fremden Sätze und mussten sich nicht allzu oft selbst korrigieren, die Zuhörer jedenfalls konnten dem Text durchaus folgen. Womit die Teilnehmer das Ziel des Wettbewerbs mehr als erreicht hatten: „Zeigen, dass auch LRS-Schüler lesen können.“ Die Jury vergab am Ende zwar die Plätze 1 bis 3, aber nur, weil das zu einem richtigen Wettbewerb halt dazu gehört. Im Grunde aber waren alle acht echte Gewinner.

 

„Da mitzumachen, erfordert viel Mut“

Das finden auch Thea Schunk und Regine Grimme vom Kreisverband Legasthenie Osterode, die gerne als Gast dabei waren. „Jedes Kind hat eine tolle Leistung abgeliefert“, sagte Schunk. Und das ja unter schwierigen Bedingungen: „Das war sicher ein stressiger Tag für sie – da mitzumachen, erfordert viel Mut.“ Schließlich hätten sich die Teilnehmer quasi geoutet und dann auch noch Leistungen aus einem Bereich abgerufen, in dem sie bekanntermaßen Schwächen haben. Deshalb – und weil die Ursachen einer Lese-Rechtschreib-Schwäche individuell sehr verschieden sein können – verzichteten die 1. Vorsitzende Schunk und Kassenwartin Grimme bewusst auf eine einzelne Bewertung, als sie den acht Schülerinnen und Schülern als Belohnung je einen Büchergutschein überreichten.

Schon über die Einladung hatte sich der Kreisverband Legasthenie sehr gefreut. „Das ist das erste Mal seit unserer Gründung vor 28 Jahren, dass wir zu so einem Wettbewerb eingeladen wurden“, sagte Thea Schunk. Sie und Regine Grimme können sich auch nicht erinnern, je von einem anderem Wettbewerb dieser Art gehört zu haben. Deshalb sind sie begeistert von der Aktion an der KGS: „Das ist eine wunderbare Idee.“

 

Schulklasse stellt ganz neuen Wettbewerb auf die Beine

Geboren wurde diese Idee in der Klasse 8G1. Eine LRS-Schülerin bemerkte vor einigen Monaten eher nebenbei, dass sie ja nie an Vorlesewettbewerben teilnehmen könne. Daraus entwickelte sich schnell der Gedanke, doch selbst einen speziellen LRS-Wettbewerb auf die Beine zu stellen. Die Klasse bekam von Lehrerin Heike Lautenbacher ihr Okay, bildete mehrere Gruppen und die Sache nahm Fahrt auf. Eine Ausschreibung ging raus, die sich an alle LRS-Betroffene richtete, egal aus welchem Jahrgang, zur Anmeldung genügte eine E-Mail. Aus dem Lehrerkollegium gewann die Klasse eine sechsköpfige Jury. Und dann sorgte sie auch für einen stilvollen Rahmen mit schicker Bühne, einem kleinen Begleitprogramm und sogar Catering.

Schade nur, dass die so engagiert vorbereitete Aktion ein wenig unter dem Chaos zum Schuljahresende litt, was unter anderem ständig wechselndes Publikum bedeutete. Und das „Forum“ der KGS ist nun einmal eine Pausenhalle mit viel Durchgangsverkehr. Das sind Erfahrungen, die die Schülerinnen und Schüler der 8G1 bei einer eventuellen Wiederholung im nächsten Jahr sicher berücksichtigen werden. Umso erstaunlicher aber, wie gut die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den wohl ersten L-R-S-Vorlesewettbewerb weit und breit gemeistert haben.

 

Hinweis: Der Veröffentlichung des achten Portraits ist widersprochen worden.


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