Geschrieben von ski am 01. Juli 2016
Beteiligungstausch zur Zukunftssicherung des Vitamar
Stadt tauscht Mehrheitsbeteiligung an den Stadtwerken gegen Anteile der Harz Energie


„Vorher war die Harzenergie an den Stadtwerken Bad Lauterberg beteiligt. Jetzt ist es umgekehrt: die Stadtwerke sind an der Harzenergie beteiligt.“ So fasste Bürgermeister Dr. Thomas Gans den durchaus komplizierten Sachverhalt zusammen. Bei einem Pressegespräch am Freitag (01.07.16) waren Vertreter der Harz Energie und der Stadtwerke Bad Lauterberg zusammengekommen, da jetzt die notwendigen Gremiensitzungen abgehalten und die Genehmigungen erteilt sind. Nun kann also offiziell der Beteiligungstausch verkündet werden, der zuvor in geheimer Sitzung im Rat mit großer Mehrheit beschlossen wurde. „Wir tun das, um die Zukunft des Vitamar sichern. Das Bad ist für uns als Tourismus-Destination unverzichtbar.“, so der Bürgermeister. Das jährliche, sechsstellige Defizit des Vitamar soll künftig zu einem großen Teil durch die Dividende aus der Harz Energie-Beteiligung aufgefangen werden. Dafür übernimmt die Harz Energie die Versorgungssparte der Stadtwerke Bad Lauterberg.
Keine Änderungen für Kunden und Mitarbeiter
Für die Kunden der Stadtwerke ändert sich dabei gar nichts, und auch von den Mitarbeitern muss niemand um seinen Job fürchten, so versichern Dr. Hjalmar Schmidt und Konrad Aichner von der Geschäftsführung der Harz Energie. „Die Leute machen die gleiche Arbeit wie vorher auch“. Kündigungen wird es keine geben, das wurde vertraglich fixiert: „Kein Mitarbeiter wird einen persönlichen Nachteil davon haben“, betont Dirk Schaper, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Lauterberg. Auch der Standort der Stadtwerke an der Bahnhofstraße bleibe erhalten.
Schon vor einiger Zeit waren die Mitarbeiter der Stadtwerke und des Vitamar von dem Vorhaben informiert worden, und auch der Betriebsrat war eingebunden. Der Betriebsratsvorsitzende Ostmann erklärte: „Für die Mitarbeiter war die Arbeitsplatzsicherheit sehr wichtig – und dass die Anteile an der Harz Energie direkt dem Vitamar zugute kommen“.
Hintergrund
Wie alle kommunalen Bäder arbeitet das Bad Lauterberger Erlebnisbad defizitär – jedes Jahr fehlen mehrere Hunderttausend Euro in der Kasse. Das Vitamar gehört den Bad Lauterberger Stadtwerken, die wiederum eine Gesellschaft der Stadt Bad Lauterberg ist. Die Erträge aus der Versorgungssparte der Stadtwerke reichen nicht aus, um das Minusgeschäft Vitamar zu decken. Die Stadt muss das Defizit daher Jahr um Jahr ausgleichen. Bereits vor zwölf Jahren drückte das Minus so sehr auf den Stadtsäckel, dass der damalige Rat 49% der Anteile an den Bad Lauterberger Stadtwerken an die Harz Energie verkaufte. Das Geld aus dem Verkauf wurde damals zum Schuldentilgen verwendet und der Rest floss in eine Rücklage. Daraus wurde dann jedes Jahr das Geld genommen, um das Minus des Vitamar auszugleichen. Jetzt ist die Rücklage aufgebraucht – das jährliche Defizit müsste also künftig vollends aus der Stadtkasse bezahlt werden.
Zudem fällt es den Stadtwerken als kleines Unternehmen der Energiewirtschaft zunehmend schwerer, dem Kostendruck der Branche und dem Regulierungsdruck des Gesetzgebers standzuhalten. „Die Möglichkeiten, Kosten einzusparen, sind für ein kleines Stadtwerk wie uns erschöpft“, so Schaper.
Aufspaltung und Umwandlung
Schon seit langer Zeit wurde daher nach Lösungen gesucht, um das Vitamar auch in Zukunft halten zu können. Jetzt werden die Stadtwerke in eine Bad-, Netz- und eine Energiegesellschaft aufgespalten. Die Stadt tauscht ihre Anteile an der Netz- und der Energie GmbH gegen eine Beteiligung von 1,74% an der Harz Energie GmbH & Co KG und wird damit Mitgesellschafter. Diese Beteiligung an der Harz Energie legt die Stadt dann in die bei ihr verbleibende Badgesellschaft ein, um aus den Beteiligungserträgen das Defizit zum größten Teil zu decken. Die erwarteten Dividendenausschüttungen von der Harz Energie liegen dabei um eine sechsstellige Summe höher als die Erträge der Versorgungssparte der Stadtwerke.
Die wirtschaftliche Bewertung der beiden Unternehmen und damit die Zahl der Anteile, die die städtische Badgesellschaft an der Harz Energie erhält, wurde dabei von einem unabhängigen Gutachter vorgenommen.
Synergieeffekte
Die Harz Energie wiederum (die selbst den Städten Osterode, Goslar, Braunlage, Seesen, Duderstadt, Radolfshausen, Gieboldehausen, dem Landkreis Osterode und dem kommunalen Stadtwerkenetzwerk Thüga gehört), verspricht sich Synergieeffekte von der Aktion. Zwar wird es keine Kündigungen geben, aber auf die Dauer werden einige Stellen, die sonst neu besetzt würden, mit Mitarbeitern der bisherigen Bad Lauterberger Stadtwerke gefüllt. Außerdem erhofft sich die Harz Energie Einsparungen bei der Verwaltung. Schon bisher gab es Kooperationen zwischen Stadtwerken und Harz Energie im technischen und kaufmännischen Bereich, jetzt sollen die beiden Unternehmen weiter zusammengeführt werden.