Geschrieben von PM Helios Klinik Herzberg/Osterode am 19. September 2016
Wenn das Gedächtnis schwindet
Zum Welt-Alzheimer-Tag am 21. September rückt die bekannteste Form der Demenz in den Fokus

Demenz – eine tückische Krankheit, die vor allem hochbetagte Menschen ihr Leben und ihre Lieben vergessen lässt. Jeder dritte Mensch im Alter von 90 Jahren ist betroffen. Die bekannteste Form von Demenz, Alzheimer, rückt am Welt-Alzheimer-Tag (21. September) in den Fokus der Öffentlichkeit. In Deutschland leiden mehr als zwei Millionen Menschen an einer Demenzerkrankung, 60 bis 70 Prozent davon an Alzheimer.
„Demenz ist der Oberbegriff für mehr als 50 Krankheitsformen, die unterschiedlich verlaufen und verschiedenste Ursachen haben“, erklärt Dr. med. Frank Füldner, Chefarzt der Klinik für Geriatrie (Altersmedizin) an der Helios Klinik Herzberg/Osterode. „Ihren Ursprung haben jedoch alle im Gehirn – Nervenzellen sterben ab, Verbindungen zwischen Zellen gehen verloren. Langfristig führen die Demenzerkrankungen zum Verlust der geistigen, bei vielen auch zum Verlust der körperlichen Leistungsfähigkeit.“
Symptome
Demenzerkrankte leiden länger als sechs Monate unter Konzentrations-, Aufnahme- und Gedächtnisstörungen, die meist verbunden sind mit Orientierungsproblemen, Wortfindungsstörungen und eingeschränktem Denkvermögen. Hinzu können Probleme in der Planung und Bewältigung des Alltags kommen. Betroffene können zum Beispiel Besteck nicht mehr erkennen und verwenden. „Manche Patienten verändern auch ihre Interessen, nehmen nicht mehr am Familienleben teil, ziehen sich zurück“, so der erfahrene Altersmediziner.
„Bemerken Sie die Symptome an sich selbst, sollten Sie sich vertrauensvoll an Ihren Hausarzt wenden.“ Angehörigen rät der Mediziner, zunächst mit dem Betroffenen zu sprechen: Hat er es selbst gemerkt? Wie ist seine Sicht? Der nächste Schritt wäre der Gang zum Hausarzt, der den Patienten gegebenenfalls an eine Demenzsprechstunde oder zum Neurologen überweist.
„Der Arzt wird sich intensiv mit dem Patienten beschäftigen“, erklärt Füldner. Es würden körperliche und neurologische Untersuchungen vorgenommen, dazu kämen Labor- und Bluttests sowie bildgebende Verfahren wie CT oder MRT. Auch Gespräche mit den Angehörigen seien Teil der Diagnostik. Es gehe dabei auch darum, Krankheiten auszuschließen, die ähnliche Symptome wie Demenz auslösen können, beispielsweise Stoffwechselerkrankungen, Störungen des Wasserhaushaltes oder der Schilddrüse. „Erst wenn diese Dinge eindeutig verneint werden können, lautet die Diagnose Demenz“, so der Altersmediziner.
Behandlung
Die Behandlung der Demenz-Erkrankung erfolge entsprechend ihrer Ursache. Medikamentös könne das Fortschreiten der Erkrankung um ein halbes bis ein ganzes Jahr verzögert werden. „Heilbar ist Demenz jedoch nicht“, sagt Füldner. Hirnleistungstraining oder Konzentrationsübungen könnten helfen, die geistige Leistungsfähigkeit zu erhalten.
Verschiedene Studien belegten, dass sich der geistige Verfall bei Personen, die vereinsamen, beschleunige. Auch die soziale Einbindung sei wichtig, sie vermittle den Betroffenen unter anderem das Gefühl, Teil der Gemeinschaft zu sein. In der Herzberger Klinik können Patienten der Klinik für Altersmedizin und ihre Angehörigen einmal die Woche an einem „Demenz-Cafe“ teilnehmen. Hier wird gemeinsam gesungen, werden Gesellschaftsspiele gemacht oder Gespräche geführt.
Angebote der Alzheimer Gesellschaft Harz
Selbsthilfegruppen leisten ebenfalls einen wichtigen Beitrag bei der Betreuung der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Im „Treffpunkt Demenz“ beantwortet die Alzheimer Gesellschaft Harz in persönlichen Gesprächen Fragen von Menschen mit zunehmenden Gedächtnisstörungen oder betroffenen Familien rund um die Erkrankung Alzheimer und vermittelt Hilfsangebote. Der „Treffpunkt Demenz“ findet jeden Mittwoch zwischen 16 und 17.30 Uhr in der Bibliothek des Herzberger Krankenhauses statt. „Das Angebot an der Klinik besteht seit acht Jahren und wird seitdem gut angenommen“, erzählt Jutta Kindereit, Gedächtnistrainerin und Beraterin bei der Alzheimer Gesellschaft Harz. Eine telefonische Anmeldung unter der Rufnummer 05586 / 80 40 ist erwünscht.
Die Alzheimer Gesellschaft Harz bietet zudem alle vierzehn Tage mittwochs um 15 Uhr in der Cafeteria der Klinik eine Aktivierungsstunde für Menschen mit Demenz im Frühstadium. „Sehr gern können auch Partner sowie Interessierte, die mit Humor etwas gegen die alltäglichen Vergesslichkeiten tun möchten, teilnehmen“, sagt Jutta Kindereit, die die Stunde leitet. Das nächste „Meine Gedächtnisstütze“ findet am Mittwoch, 21. September, dieses Mal ausnahmsweise um 16 Uhr im Sitzungszimmer der Helios Klinik Herzberg/Osterode, statt.
Prävention
„Die beste Prävention ist Gehirntraining, viel Bewegung und gesunde Ernährung“, erklärt Frank Füldner. „Wer sein Gehirn regelmäßig fordert – beispielsweise beim Kreuzworträtseln oder beim Erlernen einer Sprache – hat gute Chancen, auch im Alter gesund zu bleiben.“