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Geschrieben von Boris Janssen am 26. September 2016
Aktuell

Naturmülleimer und Freiluft-Klo

CITO-Event: Geocacherinnen und Geocacher haben am Wiesenbeker Teich aufgeräumt und wissen nun, dass sie bei den Landesforsten durchaus willkommen sind

Nein, das ist kein Geocache, sondern schlicht Müll aus einem Baumstumpf…
Nein, das ist kein Geocache, sondern schlicht Müll aus einem Baumstumpf…
…der zum regelrechten Naturmülleimer geworden ist.
…der zum regelrechten Naturmülleimer geworden ist.
Rund um den Teich gingen die Geocacher auf Mülljagd…
Rund um den Teich gingen die Geocacher auf Mülljagd…
…und das ist das Ergebnis nach zwei Stunden Sammeln – inklusive Baustellen-Bake im Wald.
…und das ist das Ergebnis nach zwei Stunden Sammeln – inklusive Baustellen-Bake im Wald.
Auch ausgediente Sonnenschirme passen in einen Müllsack.
Auch ausgediente Sonnenschirme passen in einen Müllsack.
Ein Bild, das für sich selbst spricht.
Ein Bild, das für sich selbst spricht.

Das Ufer des Wiesenbeker Teiches scheint ein besonders beliebtes Natur-Klo zu sein. Diesen Eindruck haben jedenfalls die etwa 20 Geocacherinnen und Geocacher gewonnen, die sich am Samstag (24.09.2016) zu einem neuen CITO-Event getroffen haben. CITO steht für „Cache in, Trash out“ und bedeutet sinngemäß, dass die Cachinggemeinde für viele tolle Erlebnisse in und mit der Natur auch etwas zurückgeben und für die Umwelt selbst tun möchte, zum Beispiel Müllsammeln. Die Organisatoren mit dem Nickname „Schnatti, Fuchs & Frosch“ hatten im April schon zum Frühjahrsputz rund ums Hotel Zoll eingeladen, jetzt im Herbst sollte entlang des Rundwegs um das Bad Lauterberger Weltkulturerbe aufgeräumt werden.

Gewissenhaft zogen die Cachingjünger mit Handschuhen, Greifern und Mülltüten um den Teich. Das Sammelergebnis nach zwei Stunden füllte locker den Kofferraum eines Familienvans, war aber immerhin weniger als im April – es wäre für Umweltfrevler wohl halt zu anstrengend, Haus- und Sperrmüll, Elektroschrott und ausgemusterte Autoteile erst durch den Wald zu schleppen. Dafür fanden sich hier die Überreste so mancher Wegzehrung, meistens in Form unbepfandeter Dosen. Und ein hohler Baumstumpf mit perfekter Einwurfhöhe war gar zum Naturmülleimer geworden.

Vor allem aber waren überall im bewaldeten Teil entlang des Weges die stummen Zeugen einer regen Freiluft-Klo-Kultur zu finden: unzählige Taschentücher mit eindeutigen Gebrauchsspuren, etliche volle Windeln und gebrauchte Damenhygiene-Artikel ob nun mit Flügeln oder mit Bändchen. Nun, das lässt sich ja wenigstens noch mit einer gewissen Not zwar nicht entschuldigen, aber immerhin erklären. Welcher Logik aber die vielen Zeitgenossen folgen, die erst die Häufchen des eigenen Fiffys aufsammeln, um sie dann sauber in Plastik verpackt in den Wald zu schmeißen, weiß wahrscheinlich nicht einmal der Geier.

 

Geocacher im Wald gern gesehene Gäste

Das Niedersächsische Forstamt Lauterberg unterstütze die CITO-Aktion gerne. Leiter Dr. Hubertus Köhler war im Vorfeld spontan begeistert und hatte sofort zugesichert, dass das Forstamt den Müll beim Sammelplatz abholen und zur Entsorgung bringen würde. Zum Start am Samstagvormittag brachte er auch gleich noch Müllsäcke mit – und einen kurzen Vortrag zum vermeintlich so angespannten Verhältnis zwischen Forst und Geocaching.

Das ist überhaupt nicht so wild, so das beruhigende Fazit für die Geocacher. „Auf dem Gebiet der Niedersächsischen Landesforsten gilt eine Pauschalgenehmigung“, stellte Köhler fest, geocachen sei hier also grundsätzlich erlaubt. Mehr noch: „Wir freuen uns, wenn die Leute den Wald nutzen, um sich zu erholen.“ Dosen im Wald, Klettern in Bäumen – alles kein Problem, solange ein paar Grundregeln eingehalten werden. Dazu gehörten der Schutz von Tieren und Pflanzen sowie gegebenenfalls das Wegegebot in Naturschutzgebieten und Nationalparks. Caches sollten so versteckt sein, dass Bäume nicht beschädigt oder in ihrer Vitalität beeinträchtigt oder aber Tiere gestört werden. Beim Suchen sollten sich Geocacher nicht der Luftlinie nach quer durchs Gehölz schlagen, sondern möglichst lange auf richtigen Wegen bleiben – bis zur berühmten „Cacherautobahn“ (Eingeweihte wissen, was gemeint ist). Beim Klettern schließlich dürften keine Steigeisen und Haken benutzt werden.

Und natürlich müsse man sich auch mit den Interessen anderer Waldnutzergruppen arrangieren: Der Jagd sollten Geocacher schon aus eigenem Interesse aus dem Weg gehen. Und auch wenn die Forst selber zum Holzeinschlag anrückt, sollten eventuelle Sperrungen tunlichst ernst genommen werden. Als besonderen Service hatte Hubertus Köhler für alle ein Handout mit Tipps und Verhaltensregeln dabei (nachzulesen auch unter diesem externen Link zu den Landesforsten). Die schöne Erkenntnis für die CITO-Teilnehmer: Wer beim Geocachen Anstand, Rücksicht und gesunden Menschenverstand mitbringt, wird bei seinem Hobby zumindest mit den Landesforsten keine Probleme bekommen. „Geocacher sind bei uns gern gesehene Gäste“, versicherte Köhler, der am liebsten gleich einmal eine Tour mit den Dosenjägern ausprobiert hätte.

Aber die hatten ja an diesem Tag ausnahmsweise etwas anderes vor. Nach vollbrachtem Werk konnten sie dank des forstlichen Segens umso entspannter zum „Grillen und Chillen“ übergehen, für das der Campingpark Wiesenbeker Teich seinen Grillplatz zur Verfügung stellte. Und klar ist schon einmal: Das nächste CITO kommt bestimmt.


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