Geschrieben von Karl Heinz Bleß am 04. November 2016
Stress wirkt sich auf Psyche und Herz aus
Herzwochen 2016 stellen den Risikofaktor Stress in den Focus





Die Herzwochen der Deutschen Herzstiftung stellen in diesem Jahr den Risikofaktor Stress in den Mittelpunkt der Informationen. Entsprechend war auch der Vortragsabend der Kirchberg-Klinik am Mittwoch (02.11.2016) aufgebaut. Den psychologischen Teil übernahmen der Chefarzt der psychologischen Abteilung Oliver Ristow und Psychotherapeut Thomas Feeken, über die Bedeutung für das Herz-Kreislauf-System und dessen Behandlung referierten Dr. Karsten Gericke, Kardiologe und Leiter des Medizinischen Versorgungszentrums, sowie der Ärztliche Direktor der Klinik, Dr. Ernst Knoglinger.
Gegen Stress hilft auch Vertrauen in sich selbst
Stress ist eigentlich die Antriebskraft für unser Leben und eine gesunde Abwehrreaktion auf Gefahren, erklärten die Psychologen. Wichtig sei nur, dass er nicht überhandnehme, sodass man ihn nicht richtig verarbeiten könne. Denn dann habe er negative körperliche Auswirkungen. Der Gestresste schwitze, sei unkonzentriert und gelähmt, Kopfschmerzen und Muskelanspannung stellten sich ein, die Herzfrequenz steige. „Wenn die hohe Aufmerksamkeit überschritten ist, fühle ich mich nicht mehr wohl“, beschrieb Ristow die subjektive Auswirkung. Er riet in diesem Fall zu Bewegung und Sport, was deutlich helfe, die Stresshormone abzubauen. Aber auch „Vertrauen in sich selbst“ helfe gegen Stress. Wer darauf vertraue, dass er seine Aufgabe schaffe, auch Sinn darin sehe und auf seine soziale Umwelt bauen könne, sei deutlich im Vorteil. Zu vermeiden sei auf jeden Fall Dauerstress, bei dem man nicht mehr „herunterkomme“. Dann wirke sich das auf die Gesundheit aus.
Ähnlich äußerte sich auch Thomas Feeken. Dabei wies er darauf hin, dass schon frühkindliche Erfahrungen den Grundstein dafür legten, wie gut man Stress bewältigen könne. Wenn ein Kleinkind zur Mutter ein Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit aufbauen könne, erlerne es bereits Verhaltensmuster zur Stressbewältigung. „Positive Bindungskraft und positive zwischenmenschliche Beziehungserfahrungen erhöhen die Widerstandskraft“, sagte er. Aber auch die Einstellung zu den Aufgaben wirke sich auf die Stresserfahrung aus. Wer sich Vorwürfe mache, erhöhe den Stress, wer auch positive Seiten einer misslichen Lage erkenne, helfe sich selbst. Schlimm sei der Teufelskreis, wenn man sich selbst unter Druck setze, perfekt sein wolle, über geringe Selbstliebe und -fürsorge verfüge und als sich als Einzelkämpfer verstehe. Dann verliere man den Blick für die sachgerechte Bewältigung der Aufgaben und es gebe nur noch zwei bestimmende Wörter: „Ich muss!“
Distanz schaffen, positiv denken ohne Schönfärberei, partnerschaftliche Beziehungen pflegen, Humor und Optimismus würden „neue Verschaltungen in Gehirn“ schaffen und zur Bewältigung von Stress beitragen.
„Hoher Puls ist nicht gesund“
Wie sich Stress körperlich auswirkt, erklärte Dr. Karsten Gericke in seinem Vortrag: Der Puls ist beschleunigt, der Blutdruck steigt, die Herzkranzgefäße verengen sich, der Blutzucker steigt, bei Rauchern steigt der Tabakkonsum. „Hoher Puls ist nicht gesund“, sagte der Kardiologe, denn er verkürze die Lebenszeit. Gefährlich werden könne das, wenn sich häufige Herz-Rhythmusstörungen einstellten und zu Vorhofflimmern steigerten, wodurch sich leichter Gerinnsel im Blut bilden könnten. Andere Rhythmusstörungen seien Extraschläge des Herzens, die an sich nicht ungewöhnlich seien, wenn sie aber sehr gehäuft auftreten, könne das zu Kammerflimmern führen, was lebensgefährlich sei, weil kein Blut mehr gepumpt werde.
Schließlich ging er noch auf den Bluthochdruck ein, der tückisch sei, denn der verschleiße die Gefäße im gesamten Organismus und könne viele Organe schädigen. Deshalb sei es wichtig, den Blutdruck auf einem normalen Niveau zu halten. Optimal sei ein Wert von 120 zu 80 mmHg.
Jeder kann selbst viel tun
Auf die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ging Dr. Ernst Knoglinger ein. So könne jeder selbst viel tun, indem er sich gesund und fett- sowie salzarm ernähre mit viel Obst und Gemüse, sich viel bewege und seine sozialen Kontakte pflege. Schlecht sei dagegen das aktive und passive Rauchen, zu viel Alkohol und schädlicher Stress, vor allem Dauerstress. Für behandlungsbedürftige Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen verfüge die moderne Medizin über eine große Auswahl an Medikamenten, die Patienten je nach gesundheitlichem Gesamtbild individuell verordnet werden können. Er nannte Beta-Blocker, Antiarrythmika und Kombi-Medikamente. Daneben erläuterte er apparative Methoden wie die Behandlung mit einem Herzkatheter, um Engstellen in den Gefäßen zu weiten, den Herzschrittmacher und den Defibrillator. Schließlich sei eine Herzoperation dann angebracht, wenn Bypässe um Engstellen in den Herzkranzgefäßen gelegt werden müssten. Er mahnte, dass das auch nur dann auf Dauer helfe, wenn man anschließend gesund lebe mit viel Bewegung und guter medikamentöser Einstellung.