Geschrieben von Boris Janssen am 23. November 2016
Die Schwimmverwirrung
Leitung der Grundschule am Hausberg sorgt mit Falschmeldung für Shitstorm gegen die Stadtverwaltung
Als wäre das Chaos um den Neu- und Umbau an der Grundschule am Hausberg nicht schon genug: Mit einer Falschmeldung hat die Schulleitung nun selbst die Eltern verunsichert und bei Facebook und in Whats-App-Gruppen für einen gewaltigen Shitstorm gegen die Stadtverwaltung gesorgt. Mit einem Schreiben hatte sie den Anschein erweckt, die Stadt könne sich keinen Schwimmunterricht mehr für die Grundschulkinder leisten, weshalb die Schule ihn schlagartig einstellen müsse. Inzwischen ist sie komplett zurückgerudert – das Schwimmen findet wie gewohnt statt.
Am Dienstag (22.11.2016) waren die Zweitklässler mit einem Brief der stellvertretenden Schulleiterin Ivette Beck nach Hause gekommen: Die Schule könne „aufgrund der finanziellen Situation bei der Stadt Bad Lauterberg (…) ab sofort keinen Schwimmunterricht mehr anbieten“. Man werde die Eltern „rechtzeitig informieren, ab wann wir im kommenden Jahr den Schwimmunterricht wieder anbieten können.“ Das stieß bei der sichtlich überraschten Stadtverwaltung nicht nur auf Verwunderung, sondern regelrecht auf Ärger. „Das ist Blödsinn“, sagte Bürgermeister Dr. Thomas Gans. „Wir wissen nicht, warum die Schulleitung den Schwimmunterricht einstellen will. Die finanzielle Lage ist es jedenfalls nicht.“ Und auch Kämmerer Steffen Ahrenhold betonte, es sei noch mehr als genug im Schulbudget vorhanden: „Die Stadt kann und will das Schwimmen bezahlen.“ Wie die Schule dennoch zu ihrer Darstellung kam, die Stadt könne sich den Schwimmunterricht nicht mehr leisten, ist für den Bürgermeister „völlig unerklärlich“. Zumal die Schule zu keiner Zeit Rücksprache mit der Stadt gehalten habe und die Stadt in diesem Jahr mit fast 120.000 Euro Überschüssen rechnen könne.
Mehr als genug im Budget
Die Grundschule am Hausberg hat im Haushalt der Stadt Bad Lauterberg ein eigenes Budget für den Schulbetrieb, über das sie weitgehend selbst entscheiden kann. Die Buchung einiger Posten kann aber nur direkt über die Stadt erfolgen. „Deshalb hat der Fachbereichsleiter Ordnung und Soziales Andreas Bähnsch die Oberaufsicht“, erklärte Kämmerer Ahrenhold. Er wüsste folglich als Erster, wenn das Geld ausginge. Tatsächlich hat Bähnsch die Schule erst am 16.11.2016 darüber informiert, dass von den etwa 28.000 Euro Budget für 2016 noch etwas mehr als 3.000 Euro übrig sind. Für den Schwimmunterricht muss aber höchstens noch mit 2.000 Euro gerechnet werden (Busfahrten und Gebühren Vitamar), wobei der Landkreis zusätzlich noch einen Zuschuss in Höhe etwa eines Viertels der Kosten beisteuert. Es gebe in der Stadtverwaltung auch ansonsten keine Anzeichen dafür, dass das Budget nicht reichen könnte, stellte Ahrenhold klar. Aber selbst für den Fall, dass es ausgereizt würde: Durch Mehreinnahmen an anderer Stelle gäbe es genügend Puffer.
Deshalb machte die Stadt ihre Position deutlich: „Wir fordern die Schule auf, den Schwimmunterricht wie geplant anzubieten.“ Das tut sie nun auch, denn am Mittwoch hatten die Zweitklässler einen neuen Brief von Ivette Beck im Ranzen. Die knappe Botschaft: „Der Schulträger hat soeben mitgeteilt, dass der Schwimmunterricht Ihrer Kinder wie gewohnt stattfinden kann.“
Die stellvertretende Schulleiterin wollte sich am Mittwochmorgen gegenüber LauterNEUES nicht zu der Angelegenheit äußern. Sie wolle erst mit der Stadt als Schulträger sprechen. Seit dem Mittag ging in der Schule niemand mehr ans Telefon.
