Geschrieben von Boris Janssen am 10. April 2012
Burgruine als touristisches Pfund
Die ArGe Scharzfels ist ihrem Ziel ein Stück näher gekommen: Am Dienstag weihte sie 14 Tafeln ein, die viele Informationen über die alte Burg liefern. Ihre Ruine ist nun für Touristen attraktiver.



Plötzlich ging es mit den Tafeln ganz schnell: Firouz Vladi konnte sie am Ostersamstag bei der Druckerei abholen. Und am Nachmittag fand er sich zusammen mit seinem Sohn Ramesh und mit Pfählen, Ramme und Akkuschrauber bewaffnet im Schneetreiben um die Burgruine Scharzfels wieder. Nun können Touristen und Wanderer über das ganze Gelände verteilt insgesamt 14 Informationstafeln entdecken, die einen guten Eindruck davon vermitteln, wie die Burg einmal ausgesehen haben mag.
Die Idee dazu wurde in der Arbeitsgemeinschaft (ArGe) Scharzfels geboren. Sie ist ein lockerer Zusammenschluss von Menschen, überwiegend aus Barbis, die an der Geschichte der Heimat und der Burgruine, aber auch an dem Denkmal als solches interessiert sind. Sie finden, das touristische Potential der Ruine verpufft bisher ungenutzt. Und das wollen sie ändern.
Konkrete Pläne
Nun sollen die Besucher mit Hilfe der Tafeln erst einmal erfahren, mit was für einem Bauwerk sie es hier eigentlich zu tun haben. Dazu hat die ArGe viele Akten aus dem Staatsarchiv in Hannover gewälzt. Aus den unzähligen Abbildungen wurden besonders eindrucksvolle ausgewählt, anhand deren die Besucher den Originalzustand mit den heutigen Resten gut vergleichen können. „Wir haben die Tafeln bewusst als Bildercollage mit wenigen Worten gestaltet“, erklärte Vladi. Schließlich wollten Touristen auch nicht zu viel lesen. Außerdem hängen die Tafeln in kindgerechter Höhe.
In Kürze sollen die Tafeln durch eine „Hauptinformationsinsel“ ergänzt werden, auf der die Heimatforscher noch mehr auf die Geschichte der Burg eingehen. Dann möchte der Harzklub noch in diesem Jahr einen Fahnenmast an der Bastion errichten, an dem eine Flagge mit dem Bad Lauterberger Wappen wehen soll. Und es soll ein Rundweg um die Ruine geschaffen werden. Daran möchte sich auch die IG Klettern beteiligen, die an der Burgruine eines ihrer Sportreviere unterhält.
„Vorwiegend geht es darum, das Denkmal als Ruine zu erhalten“, sagte Wilfried Henkel von der ArGe. Es freue ihn, dass man für dieses Ziel bereits die Stadt und die Landesforsten im Boot habe. Und auch in der Bevölkerung gebe es ein „großes Interesse“. Für alle 14 Informationstafeln konnte die ArGe Sponsoren gewinnen und auch der Förderverein Karstwanderweg unterstützt die geplanten Vorhaben.
So sollen die Informationstafeln auch nur der Anfang sein. „Der Auftakt für eine Phase, in der diese historische Stätte die Aufmerksamkeit in der Region bekommt, die sie verdient“, wie es Firouz Vladi nannte. Schließlich habe die Burg dereinst eine große Bedeutung gehabt – und die Grenzen des heutigen Landkreises seien zum Teil immer noch mit denen der alten Grafschaft identisch.
Zukunftsträume
Beim Kaffeetrinken nach dem offiziellen Teil gerieten die ArGe-Mitglieder dann aber doch ins Träumen. Was man auf und aus der Burg Scharzfels nicht alles machen könnte? Einen Audioguide anbieten, den Originalschauplatz mit einem virtuellen 3D-Rundgang durch die Burg verbinden, Burgfestspiele, vielleicht gar einen Teil des Bauwerks originalgetreu rekonstruieren. Technisch und logistisch wäre das alles machbar. Allein, es fehlt am Geld. „Und es wäre schön, wenn im Kollektiv ein freierer Geist einziehen würde“, wünschte sich Firouz Vladi. Was er damit meint: Die deutsche Bürokratie – von Baubehörden bis zum Natur- und Denkmalschutz – sowie zahlreiche andere Bedenkenträger erstickten viele vielversprechende Ideen im Keim, selbst wenn das Finanzielle gesichert wäre.
An diesem Dienstag aber wirkte die ArGe Scharzfels fest entschlossen, ihr Ziel zu erreichen. Die Burgruine soll ein weiteres kulturhistorisches Pfund in der Region werden. Wer weiß, manchmal geht es ja plötzlich ganz schnell – wie mit den Tafeln.