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Geschrieben von Karl Heinz Bleß am 02. Januar 2017

Nachruf

Hannah Raban ist gestorben

Sie war die einzige Jüdin aus Bad Lauterberg, die das Nazi-Regime überlebte

Hannah Raban Ende der 80er Jahre.
Hannah Raban Ende der 80er Jahre.
Die Stolpersteine zur Erinnerung an die Familie Pelz.
Die Stolpersteine zur Erinnerung an die Familie Pelz.

Die einzige Jüdin aus Bad Lauterberg, die das Nazi-Regime überlebte, ist in der Nacht zu Silvester 2016 in einem Pflegeheim in der Nähe von Haifa gestorben. Sie wurde 93 Jahre alt.

Hannah Raban wurde am 12. September 1923 in Bad Lauterberg als Hannelore Pelz geboren. Ihre Eltern hatten ein Schuhgeschäft in der Hauptstraße. 1939/40 reiste sie als 16-Jährige mit einem Kinder- und Jugendtransport unter Duldung der Nazis nach Palästina aus. Über die Donau, das Schwarze Meer und das Mittelmeer fuhren die Kinder und Jugendlichen auf der „Patria“ nach Haifa. Da der Treibstoff ausging, kamen sie mit Mühen dort an. Doch die Engländer wollten sie nicht an Land lassen, sondern nach Mauritius bringen. Um das zu verhindern, lösten die Flüchtlinge auf dem Schiff eine Explosion aus, die das Schiff unbrauchbar machte. Die Lauterbergerin, die am Wiesenbeker Teich schwimmen gelernt hatte und als ausgezeichnete Schwimmerin galt, sprang mit anderen von Bord ins Wasser. So galten die Jugendlichen aus Deutschland nach internationalem Recht als Schiffbrüchige und kamen an Land.

Hannah Raban zog mit einem Berliner Jungen, den sie später heiratete, in den Kibbuz Ha Maccabi bei Haifa, wo sie bis zuletzt wohnte. Sie arbeitete zunächst als Kindergärtnerin, später auf der Krankenstation und war sehr geschätzt. Dem Ehepaar Raban wurden zwei Söhne geschenkt.

Natürlich war es für Hannah Raban schwer, die Zeit in Deutschland zu verarbeiten. Ihre Eltern hat sie nie wiedergesehen, auch nie wieder direkt von ihnen gehört. Beide wurden von den Nazis ermordet.

1988 lud die Stadt Bad Lauterberg die ehemalige Mitbürgerin als Zeichen der Versöhnung ein. Bürgerinnen und Bürger sammelten in kurzer Zeit Geld, um die Reise zu ermöglichen. Tragischerweise mussten Hannah und ihr Mann Seev die Reise auf dem Flughafen in Tel Aviv wegen einer akuten Erkrankung der gebürtigen Lauterbergerin abbrechen. Damals entstanden Kontakte zu ehemaligen Schulfreunden in Bad Lauterberg, aber auch zu anderen, die sich für sie interessierten, wie beispielsweise dem damaligen Stadtdirektor Joachim Schwerdtner.

Am 11. Mai 2013 stand die Familie Pelz und damit Hannah Raban noch einmal im Mittelpunkt des Tagesgeschehens, als der Kölner Künstler Gunter Demnig zur Erinnerung an die jüdische Familie vier Stolpersteine am Postplatz setzte.

Hannah Raban, die schon früh an Diabetes mellitus erkrankt war, litt zunehmend unter den üblichen Folgeerkrankungen. Das Gehen fiel schwer, die Augen wurden matt und zuletzt war es mit dem Hören schwierig. Trotzdem telefonierte sie gerne mit Bad Lauterberger Freunden.

Am 31. Dezember 2016 ging ein erfülltes Leben zu Ende.


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