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Geschrieben von Karl-Heinz Bleß (Text), ski (Fotos) am 07. Mai 2017
Aktuell

Wenn Diabetiker auf Reisen gehen

Wenn Diabetiker auf Reisen gehen 30. Diabetestag in Bad Lauterberg – Die Augen waren zweites Thema

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Bei der Ausstellung informierten sich die Besucher über neue Entwicklungen und Produkte
Bei der Ausstellung informierten sich die Besucher über neue Entwicklungen und Produkte
Professor Dr. Willms erhielt ein Dankeschön aus den Händen von Dr. Werner und Katrin Ahrens
Professor Dr. Willms erhielt ein Dankeschön aus den Händen von Dr. Werner und Katrin Ahrens
Hugo Fox: das gutgelaunte Maskottchen des Diabetiker Thüringen e.V.
Hugo Fox: das gutgelaunte Maskottchen des Diabetiker Thüringen e.V.

Reisen ist für Diabetiker keine große Sache, wenn sie sich gut vorbereiten. Das war der Tenor des Vortrages, den Diabetesberaterin Katrin Ahrens auf dem 30. Diabetestages in Bad Lauterberg hielt. Am wichtigsten ist die nötige Vorsorge bei Flugreisen mit Zeitverschiebungen.

Praktische Tipps für die richtige Reisevorbereitung

Gerade bei Reisen ins Ausland, so ihr Tipp, sollte man ein ärztliches Attest mit Therapieplan mitnehmen, das möglichst in Englisch oder sogar in der Landessprache verfasst sei. Natürlich sollte man mehr als ausreichend Teststreifen und Tabletten in Originalverpackung mitnehmen. Auch sei es ratsam, zwei Blutzuckermessgeräte einzupacken, damit man immer Ersatz habe. Weiter erinnerte sie daran, dass „Insulin ein sehr empfindliches Hormon“ sei, das möglichst immer bei gleicher Temperatur aufbewahrt werden sollte. Sie wies auf besondere Kühlbeutel hin, über die man sich auch bei der begleitenden Industrieausstellung informieren konnte. Auch die Teststreifen sollte man nicht am Körper tragen, da sie wegen der Körperwärme das Ergebnis verfälschten.

Erst spritzen, wenn das Essen gebracht wird

Unter den zahlreichen Tipps war auch die „Regel“, im Restaurant immer erst dann das Insulin zu spritzen, wenn das Essen gebracht werde. Denn gerade bei Gruppenreisen könne es zu längeren Wartezeiten kommen. Und man könne sich das Gericht auf dem Teller ansehen und einschätzen, wie hoch der Kohlenhydratanteil sei. Weiter gab sie den Hinweis, dass es bei Fernreisen Richtung Osten oder Westen zu Zeitverschiebungen komme. Da müsse man die Insulindosis anpassen. Wer Richtung Osten fliege, habe einen kürzeren Tag, wer nach Westen fliege, einen längeren. Und je nach Art des Urlaubs, sollte man an den veränderten Insulinbedarf denken. Hitze, Bewegung und Entspannung senkten den Bedarf. Auch im Aktivurlaub könne man das Basisinsulin auf die Hälfte senken, sollte beim Wandern aber immer genügend Kohlenhydrate und Getränke mitnehmen. Schließlich riet sie zu einem hohen Lichtschutzfaktor bei der Sonnenmilch.

30. Diabetestag

Schon bei den Grußworten vor diesem ersten Vortrag wurde die Bedeutung des Diabetestages deutlich. Bürgermeister Dr. Thomas Gans beglückwünschte die Verantwortlichen des Diabeteszentrums Bad Lauterberg, dass sie schon zum 30. Mal diese Patiententagung veranstalteten. Etwas Besonderes sei im vergangenen Jahr das vom Leitenden Arzt Dr. Thomas Werner organisierte große Radrennen von Diabetikern in der Stadt gewesen.

Initiiert habe den Diabetestag der erste Chefarzt der Diabetesklinik, Professor Dr. Berend Willms. Der Angesprochene gab einen kurzen Rückblick auf die Entwicklung der Diabetesbehandlung in den vergangenen 35 Jahren. Es war immer sein großes Anliegen, Patienten zu schulen, damit sie ihre Krankheit verstehen und „ihre Behandlung selbst in die Hand nehmen“. Der Tag für Diabetiker und ihre Angehörigen habe deshalb immer einen „großen Informationsstrauß“ geboten.

Umfangreiches und anspruchsvolles Thema: die diabetische Retinopathie

In einem für die Zuhörer anspruchsvollen Vortrag über die Behandlungsmöglichkeiten der Retinopathie informierte Dr. Stephan Bemme von der Augenklinik Göttingen. Die diabetische Retinopathie ist eine Erkrankung der Netzhaut (Retina) des Auges. Sie ist eine häufige Ursache von Erblindungen. Nach einer Studie aus dem Jahr 2014 hat in Deutschland rund jeder zehnte Typ-2-Diabetiker eine Retinopathie, bei Typ-1-Diabetikern ist es etwa jeder dritte.
Bei der Erkrankung verengen sich entweder die winzigen Blutbahnen im Auge oder diese Gefäße werden langsam zerstört. Das führe langsam zu einer deutlichen Einschränkung der Sehkraft. Ein Augenarzt könne aber die Probleme früh erkennen und therapieren. Diabetiker könnten selbst als Vorsorge auf die richtige Blutzuckereinstellung achten, aber auch auf den richtigen Blutdruck.

Als Therapie stellte Bemme die Behandlung im frühen Stadium mit Tabletten über Laserverödung bis hin zur Operation vor. Das Thema war so umfangreich, dass in der anschließenden Diskussion die Bitte nach einer schriftlichen Zusammenfassung laut wurde. Dr. Werner bot an, sich direkt ans Diabeteszentrum zu wenden. Dort gebe es eine Liste, wie man etwa im Internet an entsprechende Informationen gelange.

Weitere Themen des Tages waren die Diabetestherapie im Alter und der Zusammenhang von Diabetes und Demenz. Es wurde im Laufe des Tages deutlich, dass bessere Schulungen in der Altenpflege nötig sind, damit auch Diabetiker im Altenheim von den heutigen Möglichkeiten der Blutzuckereinstellung profitieren können.


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