Geschrieben von Boris Janssen am 12. September 2012
Bad Lauterbergs zehn „Gute Gastgeber“
Ein paar Packen Bierdeckel, Schilder aus Kunststoff, Schrauben und Dübel: Die neue Gaststättenkampagne gegen Rassismus kostet nicht viel. Aber ihr symbolischer Wert ist groß. Zehn Häuser machen mit



Balkan-Grill Bei Miro, Bistro-Pizzeria La Luna, Café Mangold, Harzland Café (Trüter), Hotel Riemann, Kurhotel Brohm, Restaurant Goldene Aue, Ristorante Pizzeria Taranto, Sunset Tanzbar und Waldgaststätte Bismarckturm: Eine besondere Verleihung hat am Montag (10.09.2012) im Rathaus stattgefunden. Auf einer Sitzung des Präventionsrates wurden diese zehn Bad Lauterberger Gastronomiebetriebe ausgezeichnet. Sie dürfen nun von sich sagen: „Wir sind gute Gastgeber“. Gewürdigt wurde nicht die Qualität ihrer Dienstleistung. Vielmehr ist die vom Landkreis Osterode initiierte Gaststättenkampagne gegen Rassismus in der Kneippstadt angekommen. „Dieses Haus steht für Gastfreundschaft und Toleranz“, lautet denn auch der Untertitel der Kampagne.
Die genannten Kneipen, Restaurants und Hotels beteiligen sich zum Start in Bad Lauterberg an der Aktion, die in enger Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendring entstanden und deren Schirmherr Fernsehmoderator Peter Imhof ist. Die Idee erklärt Projektinitiator Achim Bröhenhorst von der lokalen Koordinierungsstelle des Landkreises so: Mit einem leuchtendgrünen Schild an der Tür und mit Aktions-Bierdeckeln auf den Tischen zeigen die guten Gastgeber, „dass in ihren Räumen rassistische Äußerungen keinen Platz haben“.Balkan-Grill Bei Miro, Bistro-Pizzeria La Luna, Café Mangold, Harzland Café (Trüter), Hotel Riemann, Kurhotel Brohm, Restaurant Goldene Aue, Ristorante Pizzeria Taranto, Sunset Tanzbar und Waldgaststätte Bismarckturm: Eine besondere Verleihung hat am Montag (10.09.2012) im Rathaus stattgefunden. Auf einer Sitzung des Präventionsrates wurden diese zehn Bad Lauterberger Gastronomiebetriebe ausgezeichnet. Sie dürfen nun von sich sagen: „Wir sind gute Gastgeber“. Gewürdigt wurde nicht die Qualität ihrer Dienstleistung. Vielmehr ist die vom Landkreis Osterode initiierte Gaststättenkampagne gegen Rassismus in der Kneippstadt angekommen. „Dieses Haus steht für Gastfreundschaft und Toleranz“, lautet denn auch der Untertitel der Kampagne.
Die genannten Kneipen, Restaurants und Hotels beteiligen sich zum Start in Bad Lauterberg an der Aktion, die in enger Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendring entstanden und deren Schirmherr Fernsehmoderator Peter Imhof ist. Die Idee erklärt Projektinitiator Achim Bröhenhorst von der lokalen Koordinierungsstelle des Landkreises so: Mit einem leuchtendgrünen Schild an der Tür und mit Aktions-Bierdeckeln auf den Tischen zeigen die guten Gastgeber, „dass in ihren Räumen rassistische Äußerungen keinen Platz haben“.
„Wir lassen nicht locker“
„Das mag sich selbstverständlich anhören“, sagte Bürgermeister Dr. Thomas Gans bei der Verleihung. Das sei es aber leider nicht. Schließlich sitze im Stadtrat seit Jahren auch ein „Nazi“ als Ratsherr. „Das ist eine Blamage für die Stadt und nicht auf Dauer hinnehmbar“, sagte Gans. Es sei gut, dass die zehn Gaststätten mit ihrem Bekenntnis zu Toleranz und Demokratie einen Beitrag leisteten, das Rückgrat der Gesellschaft zu stärken.
Der Abteilungsleiter der Kinder- und Jugendhilfe des Landkreises Manfred Heidergott ist mit zehn Teilnehmern zu Beginn sehr zufrieden. Gerade in Bad Lauterberg, „bei der rechten Szene, die wir hier haben“, sei jedes Statement wichtig, das zeige: „Wir lassen nicht locker.“ Viele Betriebe täten sich schwer, eine solch klare Stellungnahme zu geben. Aber der Landkreis mit der lokalen Koordinierungsstelle sei ja dazu da, Ressentiments abzubauen.
Für die Wirtschaft eine Möglichkeit, Zeichen zu setzen
Die lokale Koordinierungsstelle wurde 2007 im Rahmen des Bundesprogramms „Vielfalt tut gut“ geschaffen. Seitdem fördert sie Präventionsarbeit in den Bereichen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus und koordiniert entsprechende Einzelprojekte unterschiedlichster Träger, zum Beispiel von Vereinen. Außerdem berät und unterstützt sie zu den Themen. Und sie entwickelt auch eigene Projekte, wie die Gaststättenkampagne. Heute wird die lokale Koordinierungsstelle im Rahmen des Folge-Bundesprogramms „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ gefördert.
Von Anfang an habe sich „die Zivilgesellschaft in zahlreichen Projekten gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit positioniert“, erklärte Achim Bröhenhorst nach der Veranstaltung. Soll heißen: Vereine, Verbände und Privatpersonen sind seit Jahren sehr rege, was das Engagement gegen Rechtsextremismus angeht. Nun habe der Landkreis nach Ideen gesucht, wie auch die Wirtschaft Zeichen setzen könnte. Eine Idee ist eben die Gaststättenkampagne. Und Bröhenhorst findet: „Hier hat die Wirtschaft eine Supermöglichkeit, sich klar zu positionieren.“Die lokale Koordinierungsstelle wurde 2007 im Rahmen des Bundesprogramms „Vielfalt tut gut“ geschaffen. Seitdem fördert sie Präventionsarbeit in den Bereichen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus und koordiniert entsprechende Einzelprojekte unterschiedlichster Träger, zum Beispiel von Vereinen. Außerdem berät und unterstützt sie zu den Themen. Und sie entwickelt auch eigene Projekte, wie die Gaststättenkampagne. Heute wird die lokale Koordinierungsstelle im Rahmen des Folge-Bundesprogramms „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ gefördert.
Von Anfang an habe sich „die Zivilgesellschaft in zahlreichen Projekten gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit positioniert“, erklärte Achim Bröhenhorst nach der Veranstaltung. Soll heißen: Vereine, Verbände und Privatpersonen sind seit Jahren sehr rege, was das Engagement gegen Rechtsextremismus angeht. Nun habe der Landkreis nach Ideen gesucht, wie auch die Wirtschaft Zeichen setzen könnte. Eine Idee ist eben die Gaststättenkampagne. Und Bröhenhorst findet: „Hier hat die Wirtschaft eine Supermöglichkeit, sich klar zu positionieren.“
Nur zehn Zusagen – aber mehr als in Herzberg oder Osterode
Dass auf die etwa 70 bis 80 Anschreiben an die Bad Lauterberger Gastronomie nur zehn Zusagen eingingen, erklärt sich Bröhenhorst so: „Manche verstehen das Projekt nicht.“ Schließlich gebe es gerade unter Gastronomen viele Migranten, die mit dem Behördendeutsch vielleicht nichts anfangen können. „Und viele haben Angst vor Kosten.“ Aber da kann der Projektinitiator beruhigen: Bierdeckel, Schild und – ja – selbst Schrauben und Dübel werden über die Fördergelder finanziert. Die Gastronomen brauchen sich nur noch ums Handwerkliche zu kümmern. Die Kosten für den Landkreis kann Bröhenhorst aus dem Kopf noch nicht einmal genau beziffern – sie lägen jedoch pro Betrieb weit unter 50 Euro.
Auf jeden Fall ist der Projektinitiator dankbar für jeden Gastronomen, der mitmacht. Und er betont, dass sich natürlich jederzeit weitere Betriebe der Kampagne anschließen können. Auch für Anregungen zu weitergehenden Aktionen sei man offen.
„Wir sind gute Gastgeber“ soll bis zum nächsten Jahr auf den ganzen Landkreis ausgeweitet werden. Die Anschreiben nach Bad Sachsa und Walkenried sind schon raus, Hattorf und Bad Grund sollen 2013 folgen. Bereits an den Start ging die Aktion 2010 in Herzberg mit acht Gaststätten und im Frühjahr 2012 in Osterode mit neun Betrieben. Erste Glücksmomente konnte Achim Bröhenhorst somit schon sammeln: „Es war wirklich schön zu sehen, wie im Juni bei den EM-Spielen der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft die Bierdeckel unserer Kampagne auf den Tischen lagen.“
Polizei: Zehn Verbündete mehr im Kampf gegen rechte Szene
Glücksmomente wünscht sich auch die Polizei. Zu den Gästen der Verleihung gehörten mit dem Leiter des Polizeikommissariats Bad Lauterberg Michael Geyer, dem Präventionsbeauftragten der Polizeiinspektion Osterode Volker Hahn und Ulrich Guss gleich drei Polizisten. In einer kleinen Runde nach der Verleihung sagten sie, es sei wichtig, gegen Rechtsextremismus klare Kante zu zeigen und dieser Kultur keine Chance zu geben. Die Gaststättenkampagne setze ein richtiges Signal und zeige deutlich: „Die haben zwar ein Problem mit Rechtsextremismus, aber die tun auch was dagegen.“ Das sei ja gerade für einen Fremdenverkehrsort wie Bad Lauterberg bedeutsam. So sei es gut, dass die „Guten Gastgeber“ Flagge zeigen und dafür in Kauf nehmen, auf den einen oder anderen Gast verzichten zu müssen. Allerdings dürfe die Teilnahme an der Kampagne kein Lippenbekenntnis bleiben, das Anbringen des Schildes verpflichte vielmehr auch – zum Beispiel zu Aufmerksamkeit. So hofft Michael Geyer für den Kampf gegen die rechte Szene: „Wir haben jetzt zehn Verbündete mehr.“