Geschrieben von Peter Bischof (Förderverein Schloss Herzberg) am 31. Mai 2018
Am Herzberger Schloss geht es gut voran
Das Staatliche Baumanagement Südniedersachsen hat im Rittersaal über die Baufortschritte im Marstallflügel und Uhrenturm berichtet








Es wird in absehbarer Zeit einen Flucht- und Wartungsweg rund um das Schloss Herzberg geben. Der wird, so Dipl.-Ing. Ulrich Rütjerodt vom Staatlichen Baumanagement Südniedersachsen, auch für die Öffentlichkeit begehbar sein. Rütjerodt erläuterte auf Einladung des Schloss-Fördervereins am Mittwochabend (30.05.2018) im Rittersaal den zahlreichen Besuchern des Vortrages „Sanierung des Schlosses Herzberg: Sachstand und Ausblick“ die bisher am Schloss durchgeführten und noch geplanten Baumaßnahmen. Demnach würden gleichzeitig in den Marstallflügel und in den Grauen Flügel gegenüber zwei neue Fluchtwege eingebaut.
„Man darf alles machen, nur nicht die Sanierung unterbrechen.“
Marcus Rogge, Leiter des Staatlichen Baumanagements Südniedersachsen.
Der Uhrenturm, der Marstallflügel und das Torhaus sind zurzeit verhüllt. „In und an den Gebäuden wird kräftig gearbeitet“, so der Referent. „Im Marstallflügel und im Torhaus sollen später Teile des Archives des Amtsgerichtes gelagert werden. Im Marstallflügel entstehen zudem im ersten Stock neue Büros für die Amtsgerichtsmitarbeiter.“
Ideale Bedingungen für den Hausschwamm
Es werde auch einen neuen Übergang zum Sieber-Flügel geben, in dem das Amtsgericht seit dem Jahr 1852 untergebracht ist. Am früheren Theaterraum des Marstall-Flügels wird der lange Gang zwischen den künftigen Büros verbreitert und mit Glaswänden optisch aufgelockert und aufgewertet.
Im Marstallflügel hatte sich vor allem der Hausschwamm intensiv ausgebreitet. Durch die fehlende Nutzung in den letzten Jahrzehnten fand der Pilz ideale Bedingungen vor: Feuchtigkeit, fehlende Heizung und fehlende Belüftung. „Ich konnte einen aufgeklappten Zollstock 50 Zentimeter tief in einen Balken hineinstecken, so morsch war dieser", erinnert sich Ulrich Rütjerodt.
Mikropfähle und Stahlbetonplatte
Auch die Außenwände des Marstallflügels haben in den Jahren kräftig gelitten, in den Gipsmörtel drang Feuchtigkeit ein und die Wände drückten sich nach außen. „Das Auflagegewicht der Balken, auf denen die oberen Stockwerke lagerten, war zu gering, um diese seitliche Bewegung zu verhindern“, erklärte Ulrich Rütjerodt.
Zahlreiche bis zu zwölf Meter lange Mikropfähle mit einem Durchmesser von 15 Zentimeter werden noch zur Gründung des Gebäudes in den Boden getrieben. Auf die Köpfe dieser Mikropfähle kommt eine Stahlbetonplatte, die dann die komplette Stabilität herstellen soll.
Da diese Platte aber den kompletten Grundriss des Gebäudes verbinden soll, müssen die im Gebäude befindlichen Fachwerkwände jeweils kurz aufgehängt beziehungsweise aufgebockt werden, damit die Platte darunter eingebracht werden kann.
Figuren am Uhrenturm
Spannend sei auch die Sanierung des Uhrenturms, so der Referent. Hier haben die Wände ebenfalls arg gelitten und mussten stabilisiert werden. Besonders ins Auge fallen die vielen Holzfiguren, die alle einzeln restauriert beziehungsweise neu gefertigt werden. Regenwasser und Holzwurm haben extrem zerstörerisch gewirkt. Einige Figuren können mit einer neuen Rückseite versehen und so gerettet werden.
„Wenn nicht, werden die Figuren anhand eines Gipsabdruckes neu erstellt. Natürlich werden die Originale nicht vernichtet, sondern vermutlich später im Museum aufbewahrt und ausgestellt“, so Ulrich Rütjerodt. Probleme machten zurzeit nur der Nachschubmangel an Holz für die Stabilisation des Turmes, die Auftragsvergabe nehme Zeit in Anspruch, da häufig auf Restaurierung alter Gebäude spezialisierte Handwerker beauftragt werden müssten.
Bauplanung für das Jahr gesichert
„Die Bauplanung ist für dieses Jahr gesichert“, erläuterte Markus Rogge, Leiter des Staatlichen Baumanagements Südniedersachsen, zusammen mit seiner Stellvertreterin Anke Westphal ergänzend. Natürlich hatte die Frage nach dem Geld für die Sanierungsmaßnahmen im Schloss für einige Besucher des Vortrags höchste Priorität. Der Schock vom Jahr 2006, als die damalige Landesregierung mitten in der begonnenen Sanierung die Maßnahmen stoppte und kein Geld mehr zur Verfügung stellte, sitzt immer noch tief.
„Das Land Niedersachsen hat Anfang des Jahres 2017 in einem Doppelhaushalt rund 7,5 Millionen Euro für die Sanierung des Schlosses zur Verfügung gestellt, im vergangenen Jahr flossen 3,5 Millionen und in diesem Jahr die restlichen vier Millionen“, so Marcus Rogge. Inzwischen habe das Land mit dem Staatlichen Niedersächsischen Liegenschaftsamt eine weitere Behörde im Schloss Herzberg angesiedelt, ein durchaus positiv interpretierbares Signal, was zudem auch den Spielraum für Finanzierung und Investitionen erweitere.
Schloss in guten Händen
„Man darf alles machen, nur nicht die Sanierung unterbrechen“, so Marcus Rogge. „Wir machen deshalb weiter, als ob das Geld bereits vorhanden sei.“
Herzbergs Bürgermeister Lutz Peters macht parallel dazu erneut deutlich, dass man sehr froh über die bewilligten Gelder und die begonnene Sanierung sein könne.
Es sei jedoch völlig verfehlt, jetzt ungeduldig zu sein oder gar irgendwelche Forderungen zu stellen. Wichtig sei, allen zuständigen Politikern, von der Kommunal- bis zur Bundesebene, immer wieder das Schloss in Erinnerung zu rufen und ihnen auch die Fortschritte zu verdeutlichen. Man spüre zudem deutlich, dass das Staatliche Baumanagement beim Schloss Herzberg mit dem Herzen dabei sei. „Das Schloss ist bei Ihnen in guten Händen“, so Lutz Peters.