Geschrieben von Boris Janssen am 20. August 2018
Zöpfe ab!
Dreizehnjährige aus Appenrode initiiert Haarspendeaktion im Lindenhof Ellrich
Theresa Marie Lungershausen ist 13 Jahre alt und wohnt in Appenrode. Und für Samstag, den 15. September 2018, hat sie ein besonderes Event im Lindenhof Ellrich initiiert: Haare spenden mit großer Aftershowparty.
Mit fünf Jahren hat Theresa Marie ihren Opa verloren – er hatte Krebs. Seitdem hat sie sich mit dem Thema auseinandergesetzt. „Mir war klar, dass ich diese Krankheit nicht ausrotten kann, aber ich wollte helfen“, sagt sie. Sie wurde auf den Verein „Die Haarspender“ aufmerksam, der für kranke Kinder und Jugendliche kostenlose Echthaarperücken herstellt. „Mein Entschluss stand fest: Ich möchte Haare spenden. Und so viele Leute wie möglich sollen es mir nachmachen. Denn es kann jeden treffen.“
Und so gibt es also am 15. September 2018 eine große Haarspende-Aktion im Lindenhof. Ab 16 Uhr schneiden die Profi-Friseure von „Modern Line“ und Rüsgen kostenlos die nötige Mindesthaarlänge von 27 Zentimeter oder auch mehr ab (zum Hintergrund unten mehr). Ab 20 Uhr steigt dann die Aftershowparty mit Patrick Börsch, EHB (Electric House Brothers)ouseBrothers Hou und Robert Rindermann. Für alle, die sich die Haare schneiden lassen, ist der Eintritt natürlich frei, alle anderen zahlen drei Euro.
Verein „Die Haarspender“
„Die Haarspender“ sind ein Non-Profit-Verein mit Sitz in Wien, der es sich zum Ziel gesetzt hat, Echthaarperücken aus Haar- und Geldspenden zu fertigen. Diese Perücken werden völlig kostenfrei an bedürftige Kinder und Jugendliche von vier bis 19 Jahren vergeben, die ihr eigenes Haar durch Krankheit verloren haben, zum Beispiel durch Alopecia Areata, Krebs (Behandlung durch Chemotherapie), Trichotillomanie oder mangelndes Haarwachstum als Folge von TRPS I.
Gründer Holger Thomas Möller hatte die Idee zum Verein bereits 1996, als seine Mutter an Krebs erkrankte und eine, wie er sagt, „furchtbare Synthetik-Perücke“ von der Krankenkasse bekam. 2016 nahm er sich eine berufliche Auszeit, um zusammen mit seiner Lebensgefährtin Bettina Utczas die Idee des Vereins umzusetzen.
Möglichst lange Zöpfe gesucht
Für die Herstellung einer Perücke werden mehrere farblich und strukturell identische Zöpfe benötigt, die mindestens 27 Zentimeter Haarlänge aufweisen (ideal wären 35 bis 40 oder mehr Zentimeter). Diese Länge ist erforderlich, weil schon sieben bis acht Zentimeter der Haarlänge beim Knüpfen (also beim Befestigen) der Haare auf der Perückenmontur verloren gehen, weitere zwei bis drei Zentimeter durch den Schnitt, den auch eine Perücke benötigt. Die genannte Mindestlänge wurde gewählt, um keine zu kurzen Stufen in der Perücke zu haben – jeder zusätzliche Zentimeter ermöglicht eine noch schönere Perücke, da die Stufung fließender wird und nicht bereits auf Höhe des Ohres beginnt. Außerdem: Je länger die Haare sind, desto besser lässt sich die Perücke im Bedarfsfall später noch einmal nachschneiden.
Auch Geldspenden willkommen
Die Herstellung der Perücken erfolgt über einen Partner in Asien, der, so der Verein, „bestmögliche Qualität, Fertigungstechniken und Materialien nach höchsten Standards zu einem realistischen Preis bietet“. Sein Know-How aus über 25 Jahren Perückenfertigung fließe in jede handgeknüpfte „Haarspender“-Perücke ein. Den richtigen Partner zu finden, sei ein langwieriger und aufwendiger Prozess gewesen, denn: „Uns sind auch sehr gute Arbeitsbedingungen wichtig. Diese wurden von uns eingehend geprüft und an europäischen Standards gemessen.“
Natürlich kostet die Herstellung einer Perücke deshalb auch einiges an Geld: etwa 360 Euro. Und so ist auch jeder willkommen, der zwar keine Haare spenden, aber vielleicht einen Beitrag zur Kostendeckung leisten kann.
