Geschrieben von ski am 03. Juli 2013
Chaos und Ärger
"Lauterberger Schützen suchen Sündenbock": am Freitag beginnt das Schützenfest. Im Vorfeld gibt es Chaos und reichlich Ärger
Die Verunsicherung in den letzten Tagen war groß, und es machten bereits Gerüchte die Runde, dass das Lauterberger Schützenfest gar nicht mehr stattfindet. Doch seit dem Wochenende ist es klar: es wird kein Festzelt auf dem Parkplatz hinter dem Rathaus geben - die Schützengesellschaft weicht in den Kursaal aus.
Für den designierten Festwirt Khaled Jouini war das wirtschaftliche Risiko zu groß: "So ein Festzelt allein kostet 2000 Euro. Wenn man dann nur bis 22 Uhr Musik machen darf, lohnt es sich nicht - dann wird es ja gerade erst dunkel. Es haben sich auch keine Sponsoren dafür gefunden." Stattdessen hatte der Gastwirt der Tequila Lounge Pavillons auf dem Platz vorgesehen. "Das war der Stand bis letzte Woche. Doch die Schützengesellschaft bestand auf einem Zelt - wegen dem Schützenfrühstück".
Am Donnerstag schließlich disponierte die Schützengesellschaft kurzerhand um und verlegte das Fest in den Kursaal. Jetzt wird sich Khaled Jouini gar nicht am Schützenfest beteiligen, auch nicht mit Pavillons. "Musik, Licht- und Tontechnik waren schon organisiert. Das habe ich jetzt abbestellt." Am Samstag wird jedoch vor der Tequila Lounge ein Pavillon mit Livemusik stehen. "Schließlich habe ich ja auch Zusagen gemacht".
Schwere Vorwüfe gegen die Stadt und eine deutliche Antwort
Die Lauterberger Schützengesellschaft keilt derweil gegen die Stadtverwaltung. Noch im Mai hatte sich der Vorsitzende Bernd Wiegand in unserem Interview optimistisch gezeigt - trotz der Auflagen am neuen Standort. Jetzt erhob er schwere Vorwürfe im Harzkurier (externer Link): es liege an der "unkooperativen Haltung der Stadt", dass das Fest in den Kursaal verlegt werden müsse, so der Tenor.
Das wiederum lässt die Stadt nicht auf sich sitzen: in einer außergewöhnlich scharf formulierten Pressemitteilung (externer Link) verwahrt sich Bürgermeister Dr. Thomas Gans dagegen, dass die Stadt an der Misere schuld sei. Man sei der Schützengesellschaft so weit entgegengekommen wie nur möglich - habe den Platz gratis zur Verfügung gestellt, zusätzliche Parkplätze organisiert, nur die geringstmöglichen Auflagen erteilt. "Aber auch die Stadtverwaltung kann nicht einfach geltendes Recht brechen -auch wenn Herr Wiegand dies offenbar glaubt".
Die Stadtverwaltung solle nun "als Sündenbock dienen, um das organisatorische Unvermögen des Schützenvereins und seines Vorsitzenden zu kaschieren", so Gans weiter. „Aber die Stadtverwaltung ist nicht für das Organisationschaos bei der Schützengesellschaft verantwortlich."
Den Schützen seien die Auflagen von Anfang an bekannt gewesen - kurz vor Beginn des Festes versuchten die Schützen nun immer weitergehende Sonderrechte zu beanspruchen. „Da kamen abstruse Forderungen – so wollten die Schausteller die Zufahrt zum Kurhaus und Haus des Gastes mit ihren Fahrgeschäften zustellen, mit ihren Wohnwagen sogar in unserem Kurpark kampieren – und die Schützengesellschaft will sich nicht an die klaren Regelungen zum Lärmschutz halten, die auch beispielsweise für das Weinfest gelten“, heisst es in der Pressemitteilung.
Ungewohnt drastisch ist auch das Fazit, das dort gezogen wird: Das Verhalten der Schützen, so heisst es, reihe sich nahtlos in die vielen Handlungen der Schützengesellschaft vergangener Jahre ein, die zum langsamen Niedergang des Bad Lauterberger Schützenfestes geführt hätten. „Ich bedaure diesen Umstand sehr“, erklärt Gans, „aber verantwortlich dafür sind nicht die Bürger der Stadt, die nicht mehr hingehen, auch nicht die Stadtverwaltung oder der Bürgermeister, sondern einzig und allein die Schützengesellschaft selbst.“
Offenbar gab es eklatante Kommunikationsmängel seitens der Schützen. So hat der vorgesehene Festwirt Jouini erst durch einen Anruf des Bürgermeisters erfahren, dass die Schützengesellschaft in den Kursaal ausweichen wird. Kurhauswirtin Birgit Hahne ihrerseits wurde deswegen nicht etwa von den Schützen selbst, sondern von Schaustellerchef Theile angerufen.
Birgit Hahne musste dann in aller Eile Vorbereitungen treffen: "Wo kriege ich eine Woche vor der Veranstaltung noch eine Band her? Die sind alle im Urlaub." Durch einen glücklichen Zufall konnte sie jedoch eine Alleinunterhalterin verpflichten, die an den drei Tagen auflegen und singen wird. Am Freitag spielt zudem die Blaskapelle Buntownik, zum Schützenfrühstück am Sonntag die Barbiser Straßenmusikanten. Der Kursaal wird mit Fähnchen, Girlanden und grünen Papiertischdecken schützenfestmäßig geschmückt. Für Werbung allerdings war schlicht keine Zeit mehr: "Das muss jetzt eben so gehen".
Aber vielleicht ist das ja auch nicht mehr nötig - schließlich wird nun so viel über das Lauterberger Schützenfest gesprochen wie schon lange nicht mehr.
Das Programm des Schützenfestes finden Sie hier.
