Geschrieben von Boris Janssen am 21. Dezember 2018
Learning by Doing
Das Theater Spunk hat mit einem zweisprachigen Stück in der Grundschule am Hausberg gastiert – ein Erlebnis










„Learning by Doing“ – also Lernen durchs Einfach-Machen – ist ja immer wieder eine besonders erfolgreiche Methode. Gerade beim Sprachenlernen, sagen wir mal Englisch. Richtig gemacht ist das Lernen dann obendrein noch spannend und unterhaltsam. So wie am Dienstag (18.12.2018) die exklusive Englischstunde für die dritten und vierten Klassen der Bad Lauterberger Grundschule: Das Theater Spunk gastierte am Hausberg und präsentierte „The Mysterious Case of…?“ – eine zweisprachige Krimikomödie von Franz-Josef Fendt (auch Regie) mit schön schrägem, ja britischem Humor und einer Spur Mystery und Spannung, Hitchcock hätte wohl „Suspense“ gesagt.
Hans Pfeiffer (Lukas Geschwind), ein junger Mann aus Deutschland, will unbedingt Detektiv werden. Als Lehrer hat er sich Antony Wisenose (wie alle anderen Rollen Benjamin Harlan) ausgesucht, der in einem verschlafenen Städtchen im Mutterland der Detektive lebt, nämlich England. Der bringt ihm umgehend bei, ein Detektiv sei wie ein Tier: „He has a dog’s nose, elephant ears and the eyes of an eagle.“ Und wie es der Zufall so will, können die beiden das auch bald beweisen, denn der Briefträger verschwindet und bald darauf auch der Hund der Nachbarin. Auf der Jagd nach dem Täter verstricken sich Meister und Schüler in das Netz eines Unbekannten, landen bei einem bemerkenswerten Friseur und schließlich im Zirkus eines eigenartigen Direktors, der irgendwie manisch von seinem Tiger besessen ist. Während dieser Odyssee erlernt Pfeiffer die Kunst der Beobachtung, der Kombinationsgabe und des Spürsinns und findet am Ende fast allein die Lösung – erfolgreiches „Learning by Doing“.
Richtig gut gemachtes Theater erlebt
Das Alles ist so geschickt inszeniert, dass das Englisch ganz natürlich daherkommt und der Wechsel zwischen den Sprachen schon bald gar nicht mehr auffällt. Und selbst wenn man mal einen Satz nicht verstanden hat – wie bei „Dinner for One“ kommt man trotzdem hinterher.
Besonders toll aber ist, dass die Kinder gleichzeitig richtig gut gemachtes Theater erleben können, Puppenspiel, Artistik und skurrile Musikeinlagen inklusive. Mit einfachsten Mitteln und viel Kreativität verwandelt sich das Bühnenbild aus einem herrlich angestaubten Detektivbüro, das einer TV-Serie der 60er Jahre entsprungen sein könnte, in ein Treppenhaus, einen Friseursalon, ein Zirkuszelt und schließlich einen Zirkuswagen. Gewitzter Mehrfacheinsatz von Requisiten hilft nicht nur, Platz im kleinen Tourbus zu sparen, sondern kurbelt zudem die Phantasie an. Ein Holzrahmen? Na klar, der ist ein Fenster. Er ist aber auch ein ziemlich enger Mini Cooper und, wenn man immer wieder durch ihn durchkrabbelt, das Labyrinth der Kanalisation. Und letztlich ist er in der Manege auch nichts anderes als ein Hula-Hoop-Reifen mit Ecken.
Kinder und Schulleiterin begeistert
Schulleiterin Anke Tilhein-Engelke strahlte schon während der Vorführung. „Das war sehr unterhaltsam“, freute sie sich hinterher denn auch. Und: „Ich bin froh, dass wir ein bilinguales Stück an der Schule hatten.“
Das sahen die Kinder anscheinend genauso – Englischunterricht hin oder her. Während der Aufführung blieben sie auffallend ruhig, fieberten gespannt mit dem Nachwuchsdetektiv mit. Die kleine Fragerunde im Anschluss dagegen reichte bei Weitem nicht für alle hochgereckten Zeigefinger. Die Kinder hätten die beiden Schauspieler sicher gerne noch viel länger gelöchert. Unter anderem verrieten Geschwind und Harlan, dass sie das einstündige Stück zwei Monate lang geprobt und sich während dieser Zeit auch ihre Requisiten nach und nach auf Flohmärkten zusammengesucht hatten – also irgendwie auch eine Art „Learning by Doing“.