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Geschrieben von ski am 01. Oktober 2015
Aktuell

Wohnungen und ehrenamtliche Helfer werden dringend gebraucht

Beim Informationsabend zur Flüchtlingshilfe herrschte riesengroßer Andrang

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Der Kinderschutzbund, der in Bad Lauterberg die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe koordiniert, hatte am Montag (28.09.) in den Gemeindesaal der St.-Andreas-Gemeinde geladen, um über den derzeitigen Stand zu informieren, Erfahrungen auszutauschen und nach Möglichkeit auch neue Interessierte anzusprechen. Doch dazu mussten erst einmal weitere Stühle organisiert werden – der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt und einige Besucher nahmen sogar mit Stehplätzen vorlieb. Das große Interesse freute die Vorsitzende Janka Eckhardt natürlich immens: „Besonders freue ich mich, heute auch einige neue Gesichter zu sehen“.
Denn es gibt ja einen harten Kern an Engagierten, die die Betreuung der in Bad Lauterberg ankommenden Asylbewerber in die Hände genommen haben. Und vieles wurde im vergangenen halben Jahr bereits geleistet: so entstand die Kleiderkammer neu im Stadthaus, es gibt mehrmals in der Woche Deutschkurse, es wurde ein Netzwerk aan Paten aufgebaut, die die Ankommenden im Alltag unterstützen, ihnen die örtlichen Gepflogenheiten erklären, auch einmal bei Behördengängen helfen oder ähnliches mehr. Doch die schiere Menge an Flüchtlingen macht den Ehrenamtlichen zu schaffen: „Wir bräuchten eigentlich fünf Sozialarbeiter“, so lautet Eckhardts Appell an die „große“ Politik.
Der Landtagsabgeordnete Karl-Heinz Hausmann (SPD) war auch zugegen, und er wurde auch gleich mit Fragen gelöchert. Thema war natürlich unter anderem die ehemalige Rommelkaserne in Osterode, die ja als Erstaufnahmeeinrichtung im Gespräch war. „Es werden weitere Erstaufnahmeeinrichtungen benötigt, aber die Rommelkaserne steht derzeit auf der Prioritätenliste nicht so weit vorne“, erklärte Hausmann hierzu. Er befürworte den Standort, betonte aber auch: „Das wäre nur eine Erstaufnahmeeinrichtung. Wir wollen keine Flüchtlingsheime, sondern eine dezentrale Unterbringung so schnell wie möglich“.

In die gleiche Kerbe schlug auch Bürgermeister Dr. Thomas Gans: „Wir wollen eine dezentrale Unterbringung und kein Ghetto“. Damit habe die Stadt gute Erfahrungen gemacht: „Oft fragen mich die Bürger: wann kommen denn jetzt die Flüchtlinge eigentlich zu uns nach Bad Lauterberg? Und da sage ich dann: die sind schon längst da.“ 125 Asylbewerber hat die Stadt inzwischen aufgenommen und in angemieteten Wohnungen, verteilt im Stadtgebiet, untergebracht. Das fördere die Integration und beuge Konflikten vor.

Die Stadt will weitere Wohnungen anmieten - wenn sie welche angeboten bekommt

„Noch können wir eine dezentrale Unterbringung leisten, weil wir aufgrund des demographischen Wandels einen großen Leerstand haben. Wir wollen keine Sammelunterkünfte, das wäre eine schlechte Lösung.“ Doch langsam wird es schwierig, auch in Bad Lauterberg. Denn, wie Sozialamtsleiter Andreas Bähnsch erklärt, wird die Stadt wohl weitere 25 Flüchtlinge bis zum Jahresende unterbringen müssen. Und im nächsten Jahr wird es wohl mindestens noch einmal die gleiche Anzahl wie in diesem sein, möglicherweise mehr. „Wir benötigen dringend Wohnraum – ich kann nur an alle appellieren, sich mit Wohnungsangeboten bei uns zu melden“, so Bähnsch. Und der Bürgermeister ergänzt: „Wir wollen an der dezentralen Unterbringung festhalten. Natürlich haben wir hier einige leerstehende Hotels und ähnliche Gebäude, doch wir hoffen, nicht zu diesem Mittel greifen zu müssen.“ Aber planbar ist derzeit nichts – die Zahlen ändern sich täglich.
Dazu kommt, dass ein bedeutender Teil der Asylbewerber, die derzeit in Bad Lauterberg sind, vom Westbalkan (wie Serbien, Mazedonien oder Albanien) kommen, und daher eher schlechte Chancen haben, dauerhaft hierbleiben zu können. Daher appelliert auch Gans an Hausmann, dieses Thema in die entscheidenden politischen Gremien zu bringen: „Wir sind hier hart vom demographischen Wandel betroffen. Es wäre wünschenswert, wenn in unsere Region vor allem solche Flüchtlinge hergeschickt werden, bei denen davon auszugehen ist, dass sie anerkannt werden und hierbleiben können“. Denn das sei ja auch eine Chance für die Stadt, dem Einwohnerschwund etwas entgegenzusetzen.

Weitere Helfer werden dringend benötigt

Dazu notwendig ist aber natürlich eine gelungene Integration. Diese läuft über die Sprachkenntnisse, und ganz besonders über die Kinder, wie Janka Eckhardt erklärt: „Die haben keine Berührungsängste“. Aber damit dies alles weiter gelingen kann, muss die Arbeit dringend auf mehr Schultern verteilt werden: „Sonst brechen hier die Ehrenamtlichen irgendwann zusammen.“

Sie appelliert daher an alle Bürgerinnen und Bürger, sich zu engagieren und mitzuhelfen. Ob in der Kleiderkammer, beim Sprachenlernen, als Familienpate oder um mal einfach einen Fahrdienst zu übernehmen - „jedes bisschen Unterstützung würde uns weiterhelfen“. Benötigt werden ausserdem weiterhin bestimmte Sachspenden: Bedarf besteht beispielsweise an Fahrrädern und Kinderspielzeug.

Kleiderkammer für Jedermann

Übrigens steht die Kleiderkammer im Stadthaus in der Ahnstraße nicht nur den Asylbewerbern, sondern allen zur Verfügung: für einen sehr günstigen Preis kann sich jedermann dort mit Kleidung und Hausrat versorgen. Auch die Flüchtlinge zahlen übrigens einen kleinen Beitrag. Und sie packen auch selbst mit an und helfen, wo immer es möglich ist, wie Eckhardt berichtet. Konflikte und Missverständnisse? Die gibt es natürlich auch manchmal. Aber sie lassen sich klären. Und eines steht für die Vorsitzende des Kinderschutzbunds fest: „Die Flüchtlinge wollen die Sprache lernen und sie wollen sich integrieren.“

Die neugestaltete Kleiderkammer im Stadthaus in der Ahnstraße 20 öffnet montags von 16 - 17 Uhr, donnerstags von 11 - 12 Uhr und jeden 3. Samstag von 10 - 11.30 Uhr.


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