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Donnerstag, 13. Juni 2024
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Geschrieben von Christian Dolle (Kirchenkreis Harzer Land) am 01. März 2015
Kirchen

Im Fremden das Vertraute entdecken

Podiumsgespräch über Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Christen und Muslimen

Podiumsdiskussion (von links): Udo Salzmann im Gespräch mit Firouz Vladi, Elisabeth Liebl, Ali Öztürk, Bernhard Sulimma und Lutz Peters.
Podiumsdiskussion (von links): Udo Salzmann im Gespräch mit Firouz Vladi, Elisabeth Liebl, Ali Öztürk, Bernhard Sulimma und Lutz Peters.
„Das ist gutes muslimisches Leben: in Harmonie mit den Nachbarn zu leben, egal welchen Glaubens.“ Firouz Vladi bei seinem Referat.
„Das ist gutes muslimisches Leben: in Harmonie mit den Nachbarn zu leben, egal welchen Glaubens.“ Firouz Vladi bei seinem Referat.
Nahrung für Körper und Geist: Beim Buffet waren vertiefende Gespräche möglich.
Nahrung für Körper und Geist: Beim Buffet waren vertiefende Gespräche möglich.

Ein Anti-Terror-Einsatz in Bremen, die Absage des Braunschweiger Karnevalsumzuges oder täglich neue Meldungen über den sogenannten Islamischen Staat. Gerade in letzter Zeit verunsichern solche Meldungen mehr und mehr und sorgen bei manchen Menschen für eine grundsätzliche Angst vor dem Islam. Beim ökumenischen Empfang der Kirchen am Freitag (27.02.2015) im Herzberger Martin-Luther-Haus wurde bewusst dagegen gesteuert und mit einer sehr gut besuchten Veranstaltung zum Motto „Christen und Muslime in Herzberg“ der Grundstein für Gespräche und ein aufgeklärtes Miteinander gelegt.

 

„In Harmonie mit den Nachbarn leben“

Als Vorstandsmitglied der Schura Niedersachsen, dem Landesverband der Muslime in Niedersachsen, hielt Firouz Vladi ein Eingangsreferat, das er mit sehr persönlichen Erfahrungen begann. Er erzählte von seinem Großvater, einem überzeugten Moslem, der in Armenien das Land vor einfallenden Russen zu schützen hatte. Als dieser erkrankte, weigerte er sich, sich von einem christlichen Arzt behandeln zu lassen und verstarb wenig später. Sein in Hamburg lebender Vater habe zunächst ebenso gedacht, besann sich dann jedoch eines besseren und wurde geheilt. Jahre später sei der gläubige Vater wieder vor eine Anfechtung gestellt worden, als nämlich seine Tochter einen Katholiken heiraten wollte. Je mehr er sich mit diesem Mann ausgetauscht habe, desto mehr habe er jedoch festgestellt, dass beide Glaubensüberzeugungen einander nicht unähnlich seien.

„Das ist gutes muslimisches Leben: in Harmonie mit den Nachbarn zu leben, egal welchen Glaubens“, machte Vladi deutlich. Weiterhin betonte er die historische wie auch heute überwiegend vorherrschende Koexistenz der monotheistischen Religionen, verurteilte jegliche Verbrechen, die Religion für sich in Anspruch nehmen und lobte das klare Bekenntnis Deutschlands zur Religionsfreiheit. Einen Vorwurf machte er allerdings den Medien, die häufig in Unkenntnis vieles vermengten und damit die Verunsicherung gegenüber dem Islam bestärkten.

 

„Wir müssen kindlich denken“

Für einen Austausch und in vielen Fragen für mehr Klarheit sorgte die anschließende Podiumsdiskussion mit Elisabeth Liebl als Vertreterin der katholischen Kirche, Pastor Bernhard Sulimma, Ali Öztürk von der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş, Herzbergs Bürgermeister Lutz Peters und Firouz Vladi.

Zunächst einmal stellten alle Teilnehmer heraus, dass die Vorbehalte gegenüber anderen Religionen hier in der Region relativ gering seien, vielleicht, da man im ländlichen Raum seine Mitmenschen besser kenne als in der anonymen Großstadt. Dennoch wolle man sich von allen Seiten um ein besseres Miteinander bemühen, das Vorurteile zu Gunsten von Verständnis aus dem Weg räumt. Da Peters selbst als katholischer Rheinländer von seinen Eltern in diese überwiegend evangelische Region verschleppt worden sei und dann kaum Unterschiede zwischen den Religionsgemeinschaften festgestellt habe, hoffe er, dass sich der Gedanke der Ökumene auch auf das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen übertragen lässt, formulierte der Bürgermeister.

Öztürk hingegen ist hier aufgewachsen und habe die Erfahrung gemacht, dass es unter Kindern nie ein Problem mit eventuellem Anders-Sein gegeben habe. „Wir müssen kindlich denken“, forderte er deshalb. Das bestätigte auch Liebl, die beobachte, wie schon im Kindergarten ganz selbstverständlich Rücksicht auf Besonderheiten des anderen, beispielsweise beim Essen, genommen werde. „Je mehr ich mich damit beschäftige, was ein anderer glaubt, desto mehr werde ich mir bewusst, was mir selbst wichtig ist“, fügte Sulimma einen weiteren interessanten Aspekt hinzu.

Offene Gespräche wie dieses hielten alle Beteiligten für wichtig und für einen guten Weg. Beim reichhaltigen Buffet konnten anschließend auch die zahlreichen Zuhörer aller Religionen miteinander ins Gespräch kommen, was auch intensiv genutzt wurde.


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