15 Frauen sitzen in der DITIB-Moschee in Osterode um einen großen Tisch herum. Jede hat Tee und Gebäck oder andere Süßigkeiten..." /> . 15 Frauen sitzen in der DITIB-Moschee in Osterode um einen großen Tisch herum. Jede hat Tee und Gebäck oder andere Süßigkeiten..." />

Diese Webseite verwendet Cookies. Mit der weiteren Nutzung von LauterNEUES erklären Sie sich damit einverstanden.

Donnerstag, 16. Juli 2026
Login



Geschrieben von Mareike Koch (Kirchenkreis Harzer Land) am 04. Mai 2016
Kirchen

Von Berührungsängsten keine Spur

Teil 20 der Serie Willkommenskultur des Kirchenkreises Harzer Land: Tandem-Sprachkurs Türkisch-Deutsch – ein interkulturelles Frauenprojekt in Osterode

Einige der Teilnehmerinnen am interreligiösen Frauenprojekt zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden der DITIB-Gemeinde Nazif Gülec. (Foto: Mareike Koch)
Einige der Teilnehmerinnen am interreligiösen Frauenprojekt zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden der DITIB-Gemeinde Nazif Gülec. (Foto: Mareike Koch)
403.jpg
Reise verschoben: Jetzt erst einmal Blaue Marktkirche statt Blaue Moschee. (Foto: Christian Dolle)
Reise verschoben: Jetzt erst einmal Blaue Marktkirche statt Blaue Moschee. (Foto: Christian Dolle)

15 Frauen sitzen in der DITIB-Moschee in Osterode um einen großen Tisch herum. Jede hat Tee und Gebäck oder andere Süßigkeiten mitgebracht. Der intensive Duft von Thymian weht herüber, als die Frauen sich Tee einschenken. „Der kommt aus der Türkei“, wird mir erklärt. Der beste Tee, den ich bisher getrunken habe.

Bereits seit 2005 treffen sich die Mitglieder der evangelischen Kreuzkirchen-Gemeinde und der türkisch-islamischen DITIB-Gemeinde regelmäßig. „Es fing mit einer gemeinsamen Wanderung an, an der zunächst eher die Männer teilnahmen“, blickt Almut Mackensen zurück. Schließlich gingen die Frauen dazu über, ein bis zwei Mal im Jahr gemeinsam zu kochen. Börek zum Beispiel, deutsche Kuchen und Manti-Taschen – mal deutsch, mal türkisch. „Schließlich kam man seitens der Kreuzkirche auf die Idee, eine Familienwanderung mit Picknick anzubieten“, erzählt Pastorin Johanna Friedlein. 2013 waren die Frauen schließlich gemeinsam mit der damaligen Bundestagsabgeordneten der Grünen Viola von Cramon als interkulturelle Gruppe in Berlin. „Wir haben uns den Bundestag angesehen und im nördlichen Innenhof [für das Kunstprojekt von Hans Haacke, Anm. d. Red.] die Erde von der Kreuzkirche und der DITIB-Gemeinde verstreut“, berichtet Almut Mackensen.

 

Frauen bringen sich gegenseitig Deutsch und Türkisch bei

Seit September 2015 treffen sich die Frauen nun alle 14 Tage mittwochs zu einem Tandem-Sprachkurs Türkisch-Deutsch. Sie bringen sich gegenseitig Deutsch und Türkisch bei. „Unsere deutsch-türkischen Frauen waren dabei klar im Vorteil, da sie bereits so gut Deutsch sprechen können“, gibt Almut Mackensen lächelnd zu. Es wurden Verben dekliniert, die W-Fragen beantwortet, Begrüßungsformeln erlernt – und vieles mehr. Unterstützt wird das Projekt der interreligiösen Frauengruppe vom Kirchenkreis Harzer Land, der EKD, der Dr.-Buhmann-Stiftung und der Evangelischen Erwachsenenbildung Südniedersachsen. „Dabei erfahren wir zum Beispiel viel über Unterschiede in den Umgangsformen und lernen, wie unterschiedlich deutsche und türkische Familien die religiösen Feste feiern“, erklärt Almut Mackensen.

Schon geht es los mit Beispielen: „Meine Schwester nenne ich nicht beim Vornamen, sondern übersetzt ‚große Schwester‘“, wird mir erklärt. „Und eine ältere Dame, die gerade auf dem Weg zur Moschee ist, würde ich fragen: Tante, darf ich Sie oder Dich mitnehmen? Wir sind da etwas inniger.“ Lautes Stimmengewirr geht durcheinander, überall wird untereinander gesprochen und gelacht. Von Berührungsängsten keine Spur.

 

Deutsche und Muslime – kein Gegensatzpaar

„Wir Deutschen und die Muslime, oder andersherum – das ist kein Gegensatzpaar. Das ist uns hier schnell bewusst geworden. Wir waren ja vorher schon weltoffen und neugierig. Aber durch unsere regelmäßigen Treffen haben wir uns getraut, mehr zu fragen. Die Vertrauensbasis hat sich gewandelt“, erklären die Frauen durcheinander. Welcher Religion jemand angehöre, spiele keine Rolle. „Aber durch den Tandem-Sprachkurs sprechen wir viel über religiöse Themen. Wir Christinnen schilderten, was uns der Reformationstag bedeutet. Und von den deutsch-türkischen Frauen erfuhren wir, wie wichtig Almosen und die gegenseitigen Besuche zum Opferfest sind“, gibt Almut Mackensen ein Beispiel.

Eigentlich sollte dieses besondere Sprach-Projekt mit einer gemeinsamen Reise nach Istanbul ihren Abschluss finden. „Durch die Terrorgefahr musste sie leider abgesagt werden. Aber das holen wir nach – vielleicht schon im kommenden Jahr“, wünscht sich die Gruppe. Statt der Blauen Moschee in Istanbul werde nun die Blaue Kirche in Clausthal besichtigt, erklären die Frauen mit einem Augenzwinkern.

 

Ein Artikel aus der Serie „Willkommenskultur“ des Kirchenkreises Harzer Land über Flüchtlingshilfe und Willkommenskultur in der Region. Weitere Artikel folgen in lockeren Zeitabständen.


.................................................................................................................................................

Bild der Woche