Geschrieben von Christian Dolle (Kirchenkreis Harzer Land) am 01. September 2016
Dem Willkommen muss Hilfe bei der Integration folgen
Teil 26 der Serie Willkommenskultur des Kirchenkreises Harzer Land: Besuch bei einem Treffen der ehrenamtlichen Flüchtlingspaten in Hattorf

Es gibt sie inzwischen fast überall, in nahezu allen Städten und Gemeinden. Seit 2015 wurden sie immer mehr, sie organisierten sich und bauten tatkräftige Strukturen auf. Sie agieren überall dort, wohin staatliche Institutionen nicht gelangen und wo sich luftleere Räume bilden. Gemeint sind die Ehrenamtlichen, die sich für Flüchtlinge engagieren und meist ohne viel Aufsehen alles dafür tun, dass trotz besorgter Bürger, die für weit mehr Aufsehen sorgen, vielerorts die Integration in Deutschland gelingen kann.
Auch in Hattorf gibt es eine Gruppe, die sich der in der Gemeinde lebenden Familien aus unterschiedlichen Krisenregionen annimmt und ihnen dabei hilft, einen Neuanfang zu gestalten. Elke Kreth-Schumann und Jürgen Groger sind in der Gruppe engagiert und brachten in Kooperation mit der Oberschule auch Deutschkurse auf den Weg. „Es ist doch eine Menge Arbeit, so dass wir den Deutschunterricht inzwischen nicht mehr schaffen“, sagen beide. Außerdem sehen sie hier die offiziellen Stellen in der Pflicht, für praktikable Lösungen zu sorgen.
Schwimmunfall stellt vor neue Herausforderungen
Auch gehört längst nicht mehr nur das Ankommen, also die erste Wohnungseinrichtung und die ersten Behördengänge, zu den Aufgaben der ehrenamtlichen Helfer, sondern inzwischen immer komplexere und vor allem spezifischere Herausforderungen. So gab es im Sommer einen Vorfall im Schwimmbad, bei dem ein Kind einer Flüchtlingsfamilie nur knapp einem schlimmeren Schicksal entgangen ist. Der siebenjährige Junge konnte sich wohl nicht mehr über Wasser halten, erzählen einige aus der Gruppe, ging unter und wurde zum Glück rechtzeitig von anderen Badegästen entdeckt. Schnell wurde er aus dem Becken geholt, erstversorgt und sofort der Notarzt alarmiert. „Die Sanitäter lobten die Erstversorgung im Schwimmbad, dadurch wurde wahrscheinlich Schlimmeres verhindert“, erzählen sie. Zwar wurde er mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht, doch inzwischen laufe er schon wieder durch den Ort und es gehe ihm gut.
Jetzt wird gemeinsam überlegt, wie es möglich wäre, Schwimmkurse für Flüchtlingskinder und vielleicht sogar Erwachsene anzubieten. Männer aus dem arabischen Raum können häufig schwimmen, Frauen jedoch selten. Viele Familien wollen gerne, dass ihre Kinder schwimmen lernen, zumal es in der Schule sowieso auf sie zukommt. Allerdings sind manche der Auffassung, dass ihre Religion den Mädchen das Schwimmen untersagt.
Jedes Angebot bedeutet Gemeinschaft
Durchaus ähnlich ist es beim Fahrradfahren: Auch hier wollen viele lernen, nicht zuletzt, um in Hattorf, Wulften, Hörden und Elbingerode flexibler zu sein und manch Angebote nutzen zu können, die sonst nur schwer erreichbar sind. Jeder Kurs, jedes Angebot bedeutet Gemeinschaft und ist somit ein Schritt zur Integration. Dabei sei gerade der Austausch wichtig, denn im Moment hätten viele Familien Angst vor der Abschiebung, was bei einigen sogar dazu führt, dass sie nicht mehr an Sprachkursen teilnehmen und fast ausschließlich zuhause bleiben.
Um dem entgegenzuwirken, gibt es aktuell Planungen für einen Tag der Kulturen im Dorfgemeinschaftshaus. Noch werden Ideen gesammelt, die dann am 29. Oktober 2016 zu einem bunten Fest führen sollen, das zum Kennenlernen, zum Austausch und vielleicht auch zum Abbau von Vorurteilen einlädt. Das ist auch den ehrenamtlichen Helfern wichtig, denn viele von ihnen haben schon Getuschel oder sogar offene Kritik für ihr Engagement zu hören bekommen. Das tue zwar weh, halte sie aber nicht davon ab, auch weiterhin alles für ein gutes Miteinander aller im Ort zu tun.
Ein Artikel aus der Serie „Willkommenskultur“ des Kirchenkreises Harzer Land über Flüchtlingshilfe und Willkommenskultur in der Region. Weitere Artikel folgen in lockeren Zeitabständen.