Geschrieben von
Dorothea Peppler/Fotos Gordy am 04. November 2013
Kultur und mehr
Klassisches Jagdkonzert
Die – musikalische – Jagd fand im Saal statt...
Dirigent Claus-Ulrich Heinke begrüßt die ZuhörerschaftAlle Gesangsolisten überzeugtenIn schöner Jagdtradition wurde auch kräftig ins Horn geblasenApplaus und Blumen waren der Dank an die Ausführenden
Das „Klassische Jagdkonzert“, zu dem der Kulturkreis Bad Lauterberg am vergangenen Samstag in den Kursaal einlud, bot reichlich Erkenntnisse und viel Hörgenuss zum Thema „Jagd in der Musik“ oder „Musik zur Jagd“.
Der eine rote Faden durch das Programm waren die verschiedentlich eingestreuten Lied- und Jagdsignalbeiträge des Bläsercorps der Jägerschaft Osterode, die sich an Virtuosität und klanglicher Klarheit im Lauf des Abends in beachtlicher Weise steigerten. Es bedarf spezieller Fertigkeiten, den kleinen Signalhörnern so viele Obertöne zu entlocken!
Der zweite Faden war die Auswahl spätbarocker und frühklassischer mehrsätziger Werke, die offensichtlich oder indirekt musikalisch Bezug zur Jagd- und Freiluftmusik aufwiesen:
Mit der (kompositorisch nicht so überragenden und bei recht behäbiger Tempowahl) Sinfonie F-Dur von Christoph Graupner trat vorrangig eine eher seltene Verwendung Kesselpauke in den Vordergrund: Kai Altendorfs Fähigkeit, auf insgesamt 6 verschiedenen Pauken virtuos die Kontrabaßstimme mitzuspielen, war hier sehr zu bewundern.
Pfiffiger kam da schon das „Jagd-Concerto“ von Johann Friedrich Fasch daher, in dessen ersten Satz Heidrun Heinke die programmatischen Überschriften zum Ablauf einer Jagd mit Hunden hilfreich hineinrezitierte.
Für das Verständnis der durch unsere jüngere Geschichte leider etwas in Verruf geratenen Jagdromantik war die plastische und lebendige Rezitation der „Hubertuslegende“ durch Heidrun Heinke – wiederum angereichert mit Jagdhornbeiträgen – sehr hilfreich und erhellend.
Welch lebendiges und engagiert spritzig und humorvoll musizierendes Kammerorchester sich der Dirigent Claus-Ulrich Heinke mit der Camerata Potsdam (Konzertmeisterin Kerstin Lindner-Dewan) für dieses Projekt engagiert hatte, konnte man am besten bei der Serenata notturna KV 239 von W.A. Mozart erleben – differenzierte sensible Spielfreude pur!
Ein dritter Programmfaden spann sich in der 2. Konzerthälfte mit der „Jagd-Kantate“ BWV 208 hinzu. C.-U. Heinke wusste mit seiner Zwischenmoderation die verwirrenden Wechselspiele des Textes von Salomon Frank zwischen antiker Mythologie, barocker Fürstenverherrlichung und musikalischer Rhetorik gut zu verdeutlichen.
Die für diese Kantate benötigten 4 Solisten waren zum einen mit jungen und sehr hoffnungsvollen Nachwuchs-Gesangsschülern (Solveig Kloss, Sopran, und – selten und reizvoll zu hören - Christopher Paskowski, Soprano) und am Beginn ihrer Solistenkarriere stehenden Gesangsstudenten (Bass-Bariton Matthias Tönges, gesundheitlich etwas angeschlagen) besetzt, die durchweg ein sehr schönes Stimmtimbre (besonders der Tenor Georg Drake), viel Flexibilität, Musikalität und Gestaltungswillen zeigten und im Duett und Quartett auch sehr zu überzeugen wussten. Dass bei den Sopran-Solo-Arien dann doch gelegentliche Defizite in Intonation, Atemtechnik und Stimmvolumen zu hören waren, lässt vorsichtig fragen, ob sie vielleicht doch etwas zu früh auf ein solches Podium gestellt wurden?
Das den Saal gut füllende Publikum dankte für diesen abwechslungsreichen und lehrreichen Konzertabend (immerhin mit einer Gesamtveranstaltungslänge von nahezu 2 ½ Stunden) mit langem, freundlichen Beifall.