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Geschrieben von ski am 02. September 2012
Kultur und mehr

Singen, Tanzen, Saufen, Schicksal

Furiose Carmina Burana war Höhepunkt und Abschluss der diesjährigen Musiktage

Zwischen Wollen, Hoffen und Zögern: Ulrike Knorr (Sopran) gibt sich genierlich, die Kinder spotten über die Frühlingsgefühle der Erwachsenen
Zwischen Wollen, Hoffen und Zögern: Ulrike Knorr (Sopran) gibt sich genierlich, die Kinder spotten über die Frühlingsgefühle der Erwachsenen
Drama und Leichtigkeit: nicht nur in der Musik, auch im Tanz
Drama und Leichtigkeit: nicht nur in der Musik, auch im Tanz
Der Abt in der Taverne (Samuel Schürmann, Bariton) ist schon nicht mehr ganz standfest
Der Abt in der Taverne (Samuel Schürmann, Bariton) ist schon nicht mehr ganz standfest
Der stolze Schwan muss als Braten enden: Heribert Haider (Tenor)
Der stolze Schwan muss als Braten enden: Heribert Haider (Tenor)
Stimmiges Gesamtkunstwerk mit stimmgewaltigem Chor
Stimmiges Gesamtkunstwerk mit stimmgewaltigem Chor


O Fortuna! Kaum jemand, der den Eingangs- und Schlusschor von Carl Orffs Carmina Burana nicht kennt, denn Filme, Werbung und sogar Heavy Metal-Bands bedienen sich seiner Wucht gerne. Große Szenen und starke Effekte gab es auch bei der Inszenierung der Carmina Burana am Samstag zu sehen - zu Recht, denn es geht um Liebe, Tod und das gute Leben (Fressen, Saufen und Glücksspiel eingeschlossen) - kurz, um das launenhafte Schicksal. Wer sich von O Fortuna an die Filmmusik eines monumentalen Sandalenfilms erinnert fühlt - der war am Samstag im Kursaal genau richtig, denn hier gab es die Höhen und Tiefen nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen, gespielt und getanzt. Das Rad des Schicksals als ganz große Show, das sollte der Höhepunkt der diesjährigen Musiktage sein. Und die Inszenierung wurde diesem Anspruch voll gerecht, da war sich das Publikum im fast komplett gefüllten Saal einig.
Die Liedersammlung in lateinisch und mittelhochdeutsch wurde von Orff für eine szenische Inszenierung vorgesehen, und Claus-Ulrich Heinke machte daraus mit dem Madrigalchor Bad Lauterberg, dem Kinderchor der Grundschulen Am Hausberg und Barbis und den Teilnehmern des Tanzworkshops "Singing and Dancing the Carmina Burana" ein stimmiges Gesamtkunstwerk.
Heftig sind die Launen des Schicksals, dramatische und leichte Momente wechseln sich ab, und in Orffs Musik spiegelt sich das ebenso wider wie in der Aufführung. Ergriffen, verliebt, ängstlich, fröhlich ging es zu, nicht nur in der "Taberna": die kleinen und großen Teilnehmer hatten offensichtlich Spaß auf der Bühne. Und die exzellenten Profis Samuel Schürmann (Bariton), Ulrike Knorr (Sopran) und Heribert Haider (Tenor) versprühten ebenso viel Begeisterung.
Heidrun Heinke hatte mit dem Projektchor nur eine Woche Zeit, und die Sängerinnen und Sänger haben sie voll genutzt - denn dieses Werk fordert den Stimmen nicht nur vom Umfang, sondern auch von der Rhythmik beim Singen einiges ab.
Auch die im Orchester reduzierte Version der Carmina Burana verlangt neben dem Chor, dem Kinderchor und den Solisten noch nach einer Besetzung mit zwei Klavieren (Rainer und Ole Abraham) und einem umfangreichen Percussionsarsenal einschließlich Pauken, Glocken, Trommeln, Xylophon und Becken (Ensemble Schlagwerk Total). So viele Akteure sind notwendig, um den Soundtrack zu den Themen zu erzeugen, die dann auf der Bühne, auch im ausdrucksvollen Tanz (Choreographie von Michael Kemper und Jacqueline Batzlaff), dargestellt werden. Da freuen sich die Menschen über den Frühling und die erwachenden Frühlingsgefühle, buhlen im Rausch der Hormone um das andere Geschlecht, und die Kinder (Kinderchorleitung: Dorothea Peppler) machen sich über die balzenden Erwachsenen lustig. Ein Schwan besingt sein unglückliches Los, als Braten auf dem Tisch zu enden. In der Taverne wird gesoffen, und ein Abt verzockt sich beim Würfelspiel. Gibt es einen großen Zusammenhang zwischen den Szenen, einen Plan? Nein - so ist es eben, das Schicksal.
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