Geschrieben von Boris Janssen am 26. Januar 2014
Schöne Ansichten und eine unbequeme Frage
Sonderausstellung im Heimatmuseum: Bilder von Joachim Hettwer








Joachim Hettwer hat einen simplen Grund, warum er als Ruheständler wieder sein Hobby aus Jugendjahren anfing: „Malen ist einfach schön.“ So schön, dass er manchmal Tag und Nacht dabei ist, dass er alles ausprobiert. „Ich will keinen eigenen Stil. Ich will heute das machen, und morgen etwas anderes.“ Rund 700 Bilder sind in den letzten Jahren zusammengekommen – Landschaften, Naturmotive, auch vieles Abstraktes in unterschiedlichsten Techniken. Ein kleiner Ausschnitt aus Hettwers Werk wird seit Freitag (24.01.2014) im Heimatmuseum ausgestellt.
Mit seiner Auswahl verfolgt der 76-jährige Künstler einen Zweck, der prima zum Museum passt: „Ich will zeigen, Bad Lauterberg und der Harz sind schön.“ So sind denn auch überwiegend recht detailtreue Ansichten aus der Kneippstadt und den Ortsteilen zu sehen – meist aktuelle, teils historische: Die alte Barbiser Zollbrücke als Aquarell, der Dorfteich in Bartolfelde als Ölbild, die St. Martins-Kirche zu Osterhagen als Federzeichnung.
Gerade solche Federzeichnungen seien in der Region inzwischen selten, beobachtet Hettwer. Vielleicht liegt es an der schwierigen Technik, denn bei diesen Schwarz-Weiß-Bildern kommt es auf jeden Strich an: „Bei Ölbildern kann man manchmal noch etwas retten, nochmal mit einer anderen Farbe darüber gehen. Aber ein falscher Strich, ein Klecks – und die Federzeichnung ist für den Mülleimer“, erklärt der Maler. Doch die künstlerische Arbeit mit kleinem Format und nur einem Stift hat auch Vorteile: „Das kann ich auch im Wohnzimmer beim Fernsehen machen.“
Als Vorlage für seine Werke dienen Hettwer ausschließlich Skizzen oder Fotos, die er selber gemacht hat – mit Ausnahme der historischen Ansichten versteht sich. Er nimmt seine Leidenschaft also wirklich ernst. Entsprechend freut ihn die Möglichkeit, sich mit einer Sonderausstellung im Heimatmuseum zu präsentieren. Dem Museums-Team um Helmut Lüder dankte er zur Ausstellungseröffnung: „Sie haben es so gestaltet, dass es ansprechend ist.“
Die stellvertretende Bürgermeisterin Gudrun Teyke war ebenfalls begeistert. Der Sonderausstellungsraum sei ohnehin das wichtigste Zimmer im Museum, sozusagen ein „Passepartout“ für Bad Lauterberger Themen und Künstler wie eben Joachim Hettwer. „Jetzt haben die Bad Lauterberger einen neuen guten Grund, mal wieder ihr eigenes Heimatmuseum zu besuchen“, warb Teyke.
Das besondere Bild: „Klonen? – Harzlandschaft“
Das wichtigste Werk der Ausstellung ist für Joachim Hettwer das Ölbild „Klonen? – Harzlandschaft“. Es war bereits auf einer Ausstellung des Nationalparks Harz zu sehen. Es zeigt ein fiktives, zweigeteiltes Harzpanorama und hat einen zutiefst sozialkritischen Hintergrund.
Der Künstler erklärt sein Bild so: In der Mitte ist ein Weg, der am Schild endet. Dort müssen wir uns entscheiden. Wählen wir den Weg nach links, den Weg zur „Natur“? Dorthin, wo eine natürliche Landschaft lockt, die an das erinnert, was wir im Nationalpark erwarten würden. Oder gehen wir nach rechts, zum „Klonen“? Dorthin, wo eine monotone Baumeinöde wartet, dicht an dicht gepflanzt, schnell wachsend. Gleichförmige, glatte, quadratische Stämme ohne störende Rinde. Nur ganz oben gerade so viele Äste, wie die Bäume zum Überleben brauchen.
95 Prozent aller Betrachter antworten dasselbe, wenn Joachim Hettwer sie nach ihrer Meinung fragt: „Natürlich zur Natur!“ Doch dann kommt die zweite Frage: Sie stehen im Möbelhaus und brauchen einen kleinen Tisch. Der eine ist unregelmäßig, voller Astlöcher, kostet 75 Euro. Der andere ist völlig glatt, aus maschinell gut zu verarbeitendem Holz, optisch makellos – und kostet noch dazu nur 50 Euro. Welchen nehmen Sie?
Das lässt so manchen nachdenklich zurück. Treffen einen doch in diesem Bild die Folgen der eigenen Konsumentscheidung quasi unmittelbar selbst, nicht etwa fremde Menschen, von denen wir höchstens durch Medienberichte aus fernen Ländern erfahren.
Trotzdem: Viele wählen auch hier die immer gleiche, bequeme Taktik, weiß Hettwer zu berichten. „Ich hätte das Bild schon oft verkaufen können – wenn der rechte Teil abgeschnitten wäre. Den wollen die meisten nicht sehen. Wir gucken weg.“
Öffnungszeiten Heimatmuseum
Die Sonderausstellung von Joachim Hettwer ist bis einschließlich Juni zu den Öffnungszeiten des Heimatmuseums (Ritscherstraße 13) zu sehen:
Freitag 15.00 – 17.00 Uhr
Samstag 10.00 -12.00 und 15.00 – 17.00 Uhr
Sonntag 10.00 – 12.00 Uhr