Geschrieben von Christian Dolle am 23. Juni 2014
Von der Sage inspiriert
Brigitte Rosetz und Gerd Pfeifer lasen aus „Zauberwerk aus Lauterbergk“





Es war eine außergewöhnliche Lesung, zu der die Buchhandlung Moller am Freitagabend (20.06.2014) eingeladen hatte. Brigitte Rosetz und Gerd Pfeifer lasen aus dem Buch „Zauberwerk aus Lauterbergk“, das aus einem besonderen Projekt hervorgegangen ist.
Wenn sie auch nicht mehr im typischen Studentenalter sind, besuchen Rosetz und Pfeifer die Georg-August-Universität Göttingen beziehungsweise die Schreibwerkstatt der dortigen Universität des Dritten Lebensalters. In den Seminaren unter der Leitung von Dr. Ruth Finck entstehen dann zu einem Oberthema unterschiedlichste literarische Texte. Im Sommer 2013 nahmen sich die Seminarteilnehmer die Sage vom Grafen vom Lutterberg vor, die erzählt, wie die Liebe zwischen dem Grafen und Hildegard von Scharzfeld von den Mönchen aus Walkenried verhindert werden soll. Während der Graf umgebracht wird, kann Hildegard den Häschern auf einem Einhorn entkommen, das sie in seine Höhle trägt. Der Legende nach kann man sie in sternenklaren Nächten noch heute am Fuße des Hausbergs nach ihrem Geliebten rufen hören.
Auf der Grundlage dieser Sage entstanden die Texte des Buches, von denen Rosetz und Pfeifer einige vorstellten. Einige sponnen die Geschichte in ähnlichem sprachlichen Stil weiter, manche befassten sich in Reimform mit Einhörnern oder Geistern am Bad Lauterberger Scholmwehr, wieder andere erzählten humorvoll die Geschichte einer jugendlichen Hexe, die sich in der Menschenwelt erst einmal zurecht finden muss. Ob Lyrik oder Prosa, ob historisch oder modern, die beiden Autoren zeigten mit eigenen und einigen weiteren Texten, was alles entstehen kann, wenn Hobbyautoren ihrer Fantasie freien Lauf lassen.
Sie präsentierten eine bemerkenswerte Vielschichtigkeit. Diese will auf den ersten Blick so gar nicht in die aktuelle Buchwelt passen, in der Autoren wie auch Verlage sich festen Genregrenzen unterwerfen und jedes Buch einer angenommenen Erwartungshaltung ihrer Leser anpassen. Doch Regionalität und Heimat werden im Literaturbetrieb wieder wichtiger, bestätigte Buchhändlerin Susanne Kinne. Insofern kann ein Buch wie das „Zauberwerk aus Lauterbergk“ auch zur lokalen Identität beitragen und ist Ausdruck jener Nonkonformität, die den Harz ausmacht.