Geschrieben von Christian Dolle am 19. September 2025
„Mit Mordsharz fing alles an“
Krimi, Thriller und True Crime bei Mordsharz in Goslar
„Unsere Welt wird jeden Tag ein wenig dunkler“, sagt die schwedische Bestsellerautorin Kristina Ohlsson bei Mordsharz im Großen Heiligen Kreuz in Goslar. Genau darum lässt sie ihre aktuelle Krimireihe um den Gebrauchtwarenhändler August Strindberg im idyllischen Fischerdorf Hovenäset spielen. Dort scheint die Zeit langsamer zu vergehen als anderswo, was sie sehr zu schätzen weiß.
Bevor Kristina Ohlsson Kriminalromane veröffentlichte, arbeitete sie in Schweden für das Außenministerium oder für die OSZE, wozu sie wohl ein Gegengewicht brauchte. Dass trotzdem nicht alles harmonisch ist, zeigte sich in der Lesung ihrer deutschen Stimme Uve Teschner. Der las eine Szene über eine Figur, die ebenfalls Uwe heißt, die allerdings regungslos und mit sehr schwachem Puls in seinem Haus aufgefunden wird. Im Zimmer nebenan liegt seine Frau, tot.
Ja, beim Mordsharz-Festival geht es um Mord und Totschlag. Den Unterschied machte zu Beginn des Abends Kriminalkommissar a. D. Andreas Schnurbusch deutlich. In seinem True-Crime-Vortrag „Wie töte ich meine Schwiegermutter“ wollte er der Frage auf den Grund gehen, ob es das perfekte Verbrechen wirklich gibt.
Mord sollte es also nicht sein, wenn, dann Totschlag, das bringt einige Jahre weniger Gefängnis. Am besten aber, die Fremdeinwirkung beim Ableben der Schwiegermutter wird erst gar nicht erkannt. Andreas Schnurbusch spielte das Szenario humorvoll durch und gab dabei viele Erfahrungen und Anekdoten aus seiner Zeit als Rauschgiftfahnder oder bei der Mordkommission zum Besten. Fakten unterhaltsam präsentiert, das kam beim Publikum natürlich gut an.
Zwischendurch ging es bei ihm auch um Falschgeld, das viele auf den ersten Blick vermutlich nicht als Fälschung erkennen. Dieses Thema spielte anschließend auch bei Peter Grandl eine Rolle. Nur ging es bei ihm nicht um Geld, sondern um falsche Fakten, die heute ja mühelos mit einer KI in Text, Wort und Bild erzeugt werden können.
In seinem Thriller „Reset“ sorgen zahlreiche KI-Fakes für weltweites Chaos, so dass letztlich allem Digitalen misstraut werden muss und wir unseren Status Quo auf einen Schlag verlieren. Ein gar nicht so weit hergeholtes Szenario, für das er auch bei Behörden und der Bundeswehr recherchierte, um es glaubwürdig (und erschreckend!) darzustellen.
Zwischendurch kam Peter Grandl auch noch auf sein Erstlingswerk „Turmschatten“ zu sprechen, für das er damals den Harzer Hammer erhielt und durch das sich sein Status Quo rasant änderte. „Mit Mordsharz fing sozusagen alles an“, sagte er voller Dankbarkeit, dass er heute solch vielbeachtete Bücher schreiben kann.