Geschrieben von Rolf Steinke am 09. März 2026
Alte Maschinenteile, Teile aus Metallbaukästen und defekte Kinderspielzeuge
Detlef Hänsel fertig seit einigen Jahrzehnten Kunstmaschinen
Es ist nur ein kleiner Raum, in dem der Künstler einige seine Werke ausgestellt hat. Detlef Hänsel empfängt nicht nur den Autor dieses Berichtes gern: Er hat ein offenes Haus und freut sich, wenn er mit Gästen ins Gespräch kommt und seine Kunstwerke erklären und vorführen kann.
Alte Pokale finden neues Zuhause
Aus dem Nachlass eines verstorbenen Taubenzüchters erhielt er mehrere Pokale. So entstand die Idee, ein Kunstwerk daraus entstehen zu lassen. Aber er musste überlegen, verrät er im Gespräch mit LauterNEUES, wie dies mit Pokalen umgesetzt werden könnte.
Anregung zur Arbeit
Auf einer beruflichen Reise in die Schweiz entdeckte er zufällig eine Brunnenskulptur. Diese regte ihn an, eine Zeichnung davon anzufertigen. Dann folgte sein erstes Werk der Objektkunst. So entstand 1997 auch in Osterode die Großplastik “Babytecnolon“, die im Bereich der Pillerkreuzung steht. Als freischaffender Künstler trägt er den Namen “Orenda“. Seit 1992 beschäftigt er sich mit Objektkunst, vorrangig mit kinetischen Objekten.
Detlef Hänsel mailt an die Redaktion: "Angeregt von der Maschinenkunst der Schweizer Bildhauer Jean Tinguely und Bernhard Luginbühl bilden kinetische Skulpturen und „Kunstmaschinen“ den Schwerpunkt meiner künstlerischen Arbeit. Bewegte Objekte sind für mich wichtig, um Ausdrucks- und Gestaltungsspielräume zu erweitern.
Alte Maschinenteile, Teile aus Metallbaukästen und defekte Kinderspielzeuge sind meine wichtigsten Grundmaterialien. Neben dem gestalterischen Aspekt ist mir dabei auch das Aufbewahren, das Wiederverwenden wichtig. Ausdrucksmittel sind Maschinenobjekte und Kombinationen aus mechanischen und anthropomorphen Strukturen, meist elektromotorisch bewegt. Weitere Ausdrucksmittel sind Materialassemblagen und Objekte.
Meine Themen gehen „querbeet“, und manchmal höre ich auch auf meine „innere, moralisierende Kassandra“; In meiner Arbeit strebe ich immer eine Symbiose aus Kunst und Maschine an. Das fertige Werk, die Kunstmaschine, ist sowohl Träger der künstlerischen Idee, als auch ihre Materialisierung.
Mit meinen Maschinen erzähle ich Geschichten, schaffe Symbole und gebe historischen Vorlagen eine neue Gestalt. Meine Maschinen haben im Verlauf meiner künstlerischen Entwicklung ein breites inhaltliches als auch emotionales Spektrum erfasst. Da gibt es die ernsten, schwerfälligen bis hin zur Monumentalität gesteigerten Konstruktionen, die sich sehr nachdenklich sozialkritischen Themen widmen.
Da sind die leichten, farbenfreudigen, beschwingten Gebilde, die sich geradezu über positive menschliche Befindlichkeiten freuen. Aber auch die ironischen bis ins Skurrile verzerrten Objekte, die nicht mehr mit dem Zeigefinger drohen, aber dennoch den Finger in die Wunde halten. Wenn in den Anfängen mehr ernstere Arbeiten entstanden sind, so hat im Laufe der Jahre die Freude und das Spiel mein Schaffen entschieden verändert.
Mein Werk weist eine gewisse Strukturierung auf. Da sind Maschinen, die sich überhaupt nicht ein- oder zuordnen lassen, und dann gibt es die Werkzyklen, wobei ich Brockenmaschinen, Chamechos, crazy-toys und recording-sculptures unterscheide.
Die Brockenmaschinen sind generell manuell betriebene Objekte. Die Handkurbeln mechanischer Brotschneidemaschinen, Fleischwölfe oder sonstigen Haushaltsgeräte erlauben es dem Betrachter, diese Maschinen in Gang zu setzen.
Chamechos sind frei strukturierte Schweißkonstruktionen aus unbearbeiteten Fundstücken, meist Technik- oder Metallschrott, sowohl Hand als auch motorisch angetrieben.
Crazy-toys sind hauptsächlich kleine Kunstmaschinen in denen die bewegende Mechanik mit Technik aus Metallbaukästen realisiert wird, und in denen Kinderspielzeuge und Figuren aller Art assembliert werden.
Die crazy-toys habe ich dann zu den recording-sculptures weiterentwickelt. Das sind kleine Kunstmaschinen, ähnlich den crazy-toys, die über Zeitsteuerungen szenische Abläufe produzieren und div. Musiktitel wie in einer Musikbox abspielen.
Aber unabhängig von dieser Strukturierung nach Werkzyklen finden sich zwei grundlegende Gestaltungsmittel in allen Arbeiten. Die Assemblage von Fundstücken verbunden mit maschinellen Bewegungsabläufen. Letztlich ein Sammelsurium von gefundenen Zufälligkeiten, was eigentlich nicht zueinander passt, und doch im Kontext ein facettenreiches stimmiges Ganzes ergibt, welches sich immer auch noch bewegt."
Der Künstler zeigt gern und umfassend seine Kunstwerke in der Hauptstraße 236 in Bad Lauterberg. Unter der Telefonnummer 05524 85 23 67 wäre eine kurze Anmeldung jedoch vorteilhaft.