Geschrieben von Christian Dolle am 04. Juni 2026
Willkommen im Krimi-Safe Space
Mordsharz-Krimifestival vom 16. bis 19. September
Warum Mordsharz? Warum ist das Krimifestival für viele zwischen Wernigerode, Goslar, Nordhausen und Walkenried und auch weit darüber hinaus immer wieder ein kulturelles Highlight des Jahres? Sind Krimis und Thriller, in denen Angst ja nun auch oft eine zentrale Emotion ist, überhaupt noch zeitgemäß? Unsere Welt wird gefühlt immer unübersichtlicher und immer unsicherer. Kriege, auseinanderbrechende Wirtschaftsstrukturen, Angriffe auf die Gesellschaft, so wie wir sie kennen. All das macht uns in der realen Welt doch schon genug Angst.
Tatsächlich geht die Psychologie davon aus, dass gerade darin einer der Gründe liegt, warum wir Krimis lesen. Ja, wenn beispielsweise eine Leiche in einem Wald gefunden wird und der Kommissar sich an die Aufklärung des Mordes macht, dann löst das in unserem Gehirn Adrenalin aus. Allerdings ist es eine Spannung ohne reales Risiko. Wir wissen auch, dass uns jenseits der Buchseiten nichts passieren kann.
Mehr noch, denn wenn der Fall am Ende geklärt wird, dann stellt das eine Ordnung wieder her, bestärkt uns darin, dass das Gute ja am Ende siegt. Oft reicht schon eine klare Zuordnung in Gut und Böse, die unser Gerechtigkeitsempfinden stimuliert. Und noch viel früher kann uns das Geschehen im Krimi dabei helfen, unsere eigenen Ängste zu verstehen. Die natürliche Angst vor dem Bösen im nächtlichen Wald, bei psychologischen oder gesellschaftlich-politischen Krimis und Thrillern aber auch subjektive Ängste, die uns im Alltag befallen.
Natürlich ist es auch die Faszination für Abgründe, in der Welt oder in der menschlichen Seele. Beim Lesen aber wagen wir uns gefahrlos an die Klippe und sehen hinab. Das hilft uns, erweitert unser Verständnis und schärft unsere Empathie. Im Buch gelingt es uns, diverse Schrecken zu greifen und beim Zuklappen letztlich zwischen den Buchdeckeln einzusperren. All das hilft unserem Gehirn, weil es Struktur und Erklärungen in die Unsicherheit bringt, die wir im echten Leben oft viel schwerer erkennen können.
Krimis erzeugen also Adrenalin, aber in einem überschaubaren Rahmen. Das Adrenalin spüren wir als Mordsharz-Team nicht nur beim Lesen von Krimis selbst, sondern auch in der Vorbereitung des Festivals. Das ist Jahr für Jahr auch ein Krimi, wenn wir, also Christoph Lampert, Roland Lange, Andreas Sack und Christian Dolle, uns auf die Suche nach besonders spannenden Büchern und interessanten Autor*innen machen.
Den gewohnten Rahmen versuchen wir dabei aber immer wieder zu verlassen. Sicher gibt es die sogenannten „Wiederholungstäter“ wie in diesem Jahr den sechsfachen Preisträger des Deutschen Krimipreises, Oliver Bottini, der 2018 schon einmal bei Mordsharz war, Peter Godazgar, den wir im vorletzten Jahr erleben durften, oder auch Julia Nachtmann, die schon mehreren Mordsharz-Autorinnen ihre deutsche Stimme lieh. Außerdem natürlich Nikolas Kuhl und Stefan Sandrock als Gewinner des Harzer Hammers 2025, die in diesem Jahr ihr neustes Buch vorstellen.
Darüber hinaus suchen aber auch immer nach neuen Gesichtern, den aufstrebenden Stars des europäischen Krimis und auch nach Büchern, die das Genre auf ihre Art erweitern. Camilla Sten ist in diesem Jahr erstmals beim Festival, Andrea Mara oder Anne Stern. Auch bei Jan Beck, Åsa Hellberg oder Sophie Czerny sind wir ebenfalls gespannt, was genau uns und euch erwartet, und Roland Lange, der ja sozusagen der „Vater von Mordsharz“ ist, wird auch dabei sein und seine neue Krimireihe vorstellen, die so ganz anders ist als seine vorherigen. Auf jeden Fall sind wir dankbar, dass wir den Rahmen des Festivals immer noch in verschiedene Richtungen ausweiten können.
Letztlich hat Lesen ja immer auch mit Neugier zu tun. Lust auf etwas Neues, auf das Unbekannte, auf positive Überraschungen (und damit ist nicht nur der Harzer Hammer gemeint). Jedes Buch ist immer eine Erweiterung des Horizonts, ist kulturelle Bildung und ein Herangehen an Themen, die uns helfen können, die Welt da draußen zu verstehen. Darauf freuen wir uns auch in diesem Jahr und laden Sie und Euch ein, in unserem kleinen Safe Space gemeinsam der negativen Stimmung des Alltags zu trotzen und gemeinsam diese Spannung ohne reales Risiko zu erleben.
Das gesamte Programm:
Wernigerode (Remise), Mittwoch, 16. September:
18 Uhr Roland Lange – „Auf Harz und Nieren“
19 Uhr Preisverleihung Harzer Hammer
19.30 Uhr Ulrike Gerold / Wolfram Hänel – "Tödlicher Hafen - Kokainküste"
21 Uhr Ralf Kramp / Peter Godazgar – „Schuss mit Lustig“
Goslar (Großes Heiliges Kreuz), Donnerstag, 17. September:
18 Uhr Anne Stern – „Die weiße Nacht“
19.30 Uhr Oliver Bottini – „Die Summe aller Dinge“
21 Uhr Andrea Mara / Nora Schulte – „Alles ihre Schuld“
Nordhausen (Tabakspeicher), Freitag, 18. September:
18 Uhr Nikolas Kuhl / Stefan Sandrock – „Ein Leben zu viel“
19.30 Uhr Sophie Czerny – „Totensee“
21 Uhr Åsa Hellberg / Uve Teschner – “ Vega Varg – Das Schweigen er Insel“
Walkenried (Kloster), Samstag, 19. September
18 Uhr Ralf Thiesen – „Schatten über Königsberg“
19.30 Uhr Jan Beck – „Dorn Zimmer 203 - Ruf der Toten“
21 Uhr Camilla Sten / Julia Nachtmann – „Bachelorette Party“
