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Donnerstag, 17. September 2026
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Geschrieben von Christian Dolle am 02. September 2026
Kultur und mehr

Höllensee

Sophie Czerny liest bei Mordsharz in Nordhausen aus „Totensee“

Foto: Christian Dolle
Foto: Christian Dolle

In einem Underground-Club geht Ada gezielt auf einige Männer zu, fixiert einen von ihnen, verschwindet mit ihm auf der Toilette. Sie reden nicht, nur schneller Sex, dann ist es vorbei, sie lässt ihn dort zurück. Nichts bleibt. „Schließlich hatte sie vor fünf Monaten aufgehört, sich zu spüren.“

Ada ist die Hauptfigur in Sophie Czernys „Totensee“. Der Thriller ist ihr Debütroman und er schlägt ebenso unerwartet und schonungslos ein wie Ada in diesem Club. Dabei macht Sophie Czerny auf den ersten Blick eigentlich einen seriösen und eher harmlosen Eindruck. Sie lebt in Wien, hat viele Jahre als Rechtsanwältin gearbeitet, doch liebt auch Stephen King, dem sie ihre Vorliebe für Spannungsliteratur zu verdanken hat. 

Ihre Protagonistin Ada erinnert allerdings nicht an eine Figur des Horrormeisters, sondern vielleicht ein wenig an Lisbeth Salander aus Stieg Larssons Millennium-Trilogie. Jedenfalls geht sie mit der gleichen harten Konsequenz durchs Leben seit vor fünf Monaten ihre Tochter nach einem Streit verschwunden ist. Ada ist sicher, dass Mara entführt wurde, nur glaubt ihr das niemand. Als LKA-Kommissarin ist sie inzwischen suspendiert worden und nun allein auf der Suche. 

Dabei ist ihr alles egal, sie selbst eingeschlossen. Es geht um ihre Tochter, vielleicht auch um ihre Schuldgefühle, weil sie ihr nie die Mutter sein konnte, die Mara gebraucht hätte. Ara kleidet sich in die schwarzen Gothic-Klamotten ihrer Tochter, macht wilde Achterbahnfarten, um überhaupt etwas zu fühlen, oder hat eben Sex auf heruntergekommenen Clubtoiletten. Nichts hilft. 

Dann aber wird die kopflose Leiche einer Frau gefunden. Auf ihrem Rücken ist der Name Ada in die Haut eingeritzt. Es ist ein Hinweis an sie, dessen ist sich Ada sicher. Noch mehr, als sie herausfindet, dass das Opfer früher in einem christlichen Kinderheim gearbeitet hat. Auch Ada war in einem solchen Heim, hat viele Erinnerungen daran in ihr Unterbewusstsein verdrängt, weil es nicht anders ging. Jetzt muss sie die Vergangenheit wieder heraufbeschwören. 

All das klingt nach einem guten harten Psychothriller. Was dieses Buch besonders macht, ist zum einen die ambivalente, kompromisslose Hauptfigur. Es sind ebenso die schnellen Szenenwechsel, die uns Leser gemeinsam mit Ada durch diese Story treiben. Und dann gibt es ein Finale, an dem alles zusammenzulaufen scheint, an dem alle Antworten zum greifen nah sind. Das ist etwa die Mitte des Buches. Es gibt einen großen Knall und danach geht es erst richtig los.

So wird „Totensee“ zu einer unvorhersehbaren rasanten Achterbahnfahrt aus Spannung, Emotion und auch Horror, der sich noch einmal richtig offenbart, wenn Ada schließlich am titelgebenden See ankommt. Sie durchlebt wirklich die Hölle und Sophie Czerny liebt es offenbar, alles immer noch ein wenig schlimmer, krasser, intensiver zu machen. Man möchte fast meinen, sie habe tatsächlich ein wenig vom Horrormeister gelernt.

Wo für sie die Grenze zwischen Thriller und Horror ist, wann eine Szene auch für sie fast unerträglich wird und wie viel sie vielleicht mit Ada gemeinsam hat, all das kann sie beim Mordsharz-Festival verraten. Am Freitag, 18. September liest sie ab 19.30 Uhr im Tabakspeicher in Nordhausen. Vorher ab 18 Uhr stellen die „Harzer Hammer“-Preisträger vom vergangenen Jahr, Nikolas Kuhl und Stefan Sandrock ihren neuen Krimi „Ein Leben zu viel“ vor. Um 21 Uhr sind Åsa Hellberg und ihre deutsche Stimme Uve Teschner zu Gast, die aus „Vega Varg – Das Schweigen der Insel“ lesen. 


Das gesamte Programm:

Wernigerode (Remise), Mittwoch, 16. September:
18 Uhr Roland Lange – „Auf Harz und Nieren“
19 Uhr Preisverleihung Harzer Hammer
19.30 Uhr Ulrike Gerold / Wolfram Hänel – "Tödlicher Hafen - Kokainküste"
21 Uhr Ralf Kramp / Peter Godazgar – „Schuss mit Lustig“

Goslar (Großes Heiliges Kreuz), Donnerstag, 17. September:
18 Uhr Anne Stern – „Die weiße Nacht“
19.30 Uhr Oliver Bottini – „Die Summe aller Dinge“
21 Uhr Andrea Mara / Nora Schulte – „Alles ihre Schuld“

Nordhausen (Tabakspeicher), Freitag, 18. September:
18 Uhr Nikolas Kuhl / Stefan Sandrock – „Ein Leben zu viel“
19.30 Uhr Sophie Czerny – „Totensee“
21 Uhr Åsa Hellberg / Uve Teschner – “Vega Varg – Das Schweigen der Insel“

Walkenried (Kloster), Samstag, 19. September
18 Uhr Ralf Thiesen – „Schatten über Königsberg“
19.30 Uhr Jan Beck – „Dorn - Zimmer 203 - Ruf der Toten“
21 Uhr Camilla Sten / Julia Nachtmann – „Bachelorette Party“


Alle weiteren Informationen finden sich auf https://www.mordsharz-festival.de
Diese Rezension sowie viele weitere zu „Mordsharz-Büchern“ und Interviews mit den Autor*innen gibt es auf Youtube auf dem Kanal CrYzZ Storys: https://www.youtube.com/@cryzzstorys9895


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